Toyota- und Lexus-Verträge werden gekündigt

Das neue europäische Regelwerk tritt am 1. Oktober 2020 in Kraft

| Autor: Julia Mauritz

Toyota hat die Verträge seiner Vertriebs- und Servicepartner erneut gekündigt.
Toyota hat die Verträge seiner Vertriebs- und Servicepartner erneut gekündigt. (Bild: Wehner/»kfz-betrieb«)

Bei Toyota Deutschland ist aus vertrieblicher Sicht nichts beständiger als der Wandel: Nur gute zwei Jahre, nachdem die aktuellen Vertriebs- und Serviceverträge in Kraft getreten waren, werden sie bereits wieder abgelöst – das Neuwagen- und Aftersalesgeschäft sollen neu geregelt werden. Dazu kündigt der Kölner Importeur allen Toyota- und Lexus-Vertragshändlern und den Servicewerkstätten fristgerecht zum 30. September 2020.

Während die letzte Kündigung in der geplanten Umstellung vom zwei- auf das einstufige Händlernetz begründet lag, nennt Toyota jetzt den digitalen Wandel als Auslöser: „Nachdem wir seit 2016 mit einem einstufigen Netz arbeiten und somit den direkten Kontakt zu unseren Händlern und die Effizienz sowie die Profitabilität erheblich steigern konnten, müssen wir uns nun den Herausforderungen Digitalisierung und Konnektivität stellen“, erläutert Vertriebsdirektor Udo Brandenburger. Bei der japanischen Marke stehen gleich mehrere digitalen Themen mit inhaltlicher Brisanz für die Toyota-Partner auf der Agenda: Zum einen geht es darum, wie man künftig mit den Kundendaten umgeht, und zum anderen um die Entwicklung einer digitalen Vertriebsplattform, bei der die Toyota-Händler ein integraler Bestandteil sein sollen. Darüber hinaus hält die Telematik ab 2020 Einzug in alle Modellreihen des japanischen Fabrikats. Udo Brandenburger unterstreicht: „Bei der letzten Vertragserneuerung vor zweieinhalb Jahren waren viele der Themen, die jetzt kurz- und mittelfristig anstehen, noch nicht wirklich absehbar. Diese Dinge wollen wir jetzt vertraglich klar regeln.“

Keine Netzverkleinerung geplant

Die Gestaltung der neuen Vertriebs- und Serviceverträge werde man wie gewohnt partnerschaftlich im engen Austausch mit dem Händlerverband angehen, betont Udo Brandenburger. Die entsprechenden Verhandlungen sollen im Dezember starten. Geplant ist, dass das neue Regelwerk bis zum Sommer 2019 fertig ist.

Überraschend kommt die Kündigung für den Toyota-Händlerverband nicht: Schon im Vorfeld habe es entsprechende Gespräche gegeben, schildert Händlerverbandspräsident Frank Levy. Neue Verträge hält er für sinnvoll, da es gleich mehrere digitale Baustellen gebe: „2019 kommen mit dem neuen Toyota Corolla, der neuen RAV4-Generation und dem Lexus UX gleich mehrere Modelle auf den Markt, die mit Telematiksystemen ausgestattet sein werden. Zudem werden die ersten Händler noch im vierten Quartal 2018 mit Toyotas neuem Verkäuferarbeitsplatz ausgestattet. Künftig werden die Kundenadressen nicht mehr bei dem Händler liegen, sondern sie werden zentral verwaltet“, erklärt der Händlerverbandspräsident. Hier schlummere jede Menge Zündstoff: Beispielsweise gelte es zu klären, wer Zugriff auf die Daten hat, wer die Daten ändern könne und in welchem Namen die Kunden kontaktiert werden. Auch die geplante digitale Vertriebsplattform werde in den neuen Verträge berücksichtigt werden, fügt Frank Levy hinzu.

Klar ist für den Händlerverbandspräsidenten, dass die Änderungen tiefgreifend sein werden: „Es ist das erste Mal, dass wir einen europäischen Händlervertrag bekommen“, unterstreicht er. Gleichwohl gibt er sich zuversichtlich, dass die Verhandlungen wie gewohnt auf Augenhöhe mit dem Händlerverband stattfinden werden.

Fest steht: Verkleinert werden soll das deutsche Toyota- und Lexus-Netz nicht. Mit ganz wenigen Ausnahmen, so eine Toyota-Sprecherin, sollen alle Händler neben dem Kündigungsschreiben direkt einen Letter of Intent erhalten. Mit der Regelfrist von zwei Jahren bliebe allen Beteiligten genügend Zeit für die erforderlichen Vorbereitungen, heißt es weiter aus Köln.

Aktuell gibt es hierzulande gut 380 Toyota-Vertriebsstandorte und knapp 250 Servicepartner. Für 14 Standorte sucht der Importeur Händler. Bis zum Jahr 2021 will Toyota Deutschland das Netz auf rund 420 Vertriebsstätten ausbauen und ein profitables Auskommen für Händler sicherstellen. Im Schnitt soll ein Toyota-Partner dann mindestens 200.000 Euro Gewinn und eine Umsatzrendite über zwei Prozent erwirtschaften. Auch das Lexus-Netz wird aktuell kräftig ausgebaut: 2018 soll es um acht neue Foren wachsen, perspektivisch plant Lexus General-Manager Heiko Twellmann mit 30 Standorten.

Vertrieblich steht Toyota Deutschland vor allem dank der hohen Nachfrage nach der Hybridtechnik gut da: In den ersten acht Monaten dieses Jahres legte die japanische Marke um 7,4 Prozent zu und vermarktete 58.530 Neuwagen. Im Gesamtjahr 2018 stehen 87.000 Pkw- und Nutzfahrzeugzulassungen auf dem Verkaufsplan. Weniger rosig stellt sich Situation bei Lexus dar: Von Januar bis August wurden hierzulande knapp 1.800 Neuwagen registriert – ein Rückgang von knapp zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

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