IAA Mobility Trotz aller Absagen doch viel Neues

Autor / Redakteur: dpa/gr / Andreas Grimm

Die Neuauflage der IAA soll der einstigen automobilen Leitmesse mit einem veränderten Konzept die Zukunft weisen. Zahlreiche Hersteller bleiben skeptisch, doch die verbleibenden Aussteller nehmen das Leitthema Zukunft durchaus ernst. Die Marken und Neuheiten im Überblick.

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Am 7. September öffnet die IAA Mobilty erstmals ihre Tore fürs Publikum. Wie tragfähig ist das Konzept? Kommen Klimaschutz und Mobilität in Einklang?
Am 7. September öffnet die IAA Mobilty erstmals ihre Tore fürs Publikum. Wie tragfähig ist das Konzept? Kommen Klimaschutz und Mobilität in Einklang?
(Bild: Grimm/»kfz-betrieb«)

Allem Neuanfang liegt auch ein Wagnis inne: Wenn vom 7. bis 12. September die IAA – erweitert um den Zusatz „Mobility“ – ihre Pforten öffnet, ist unklar, ob das Konzept einer dezentralen Messe zwischen Autoschau und Klimazukunft aufgeht. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) als Ausrichter ist mit seiner Messe schließlich nicht nur von Frankfurt nach München gezogen, sondern hat sich auf eine konzeptionelle Neugestaltung eingelassen.

Neu ist das logistische Konzept: Die IAA findet nicht mehr in den Messehallen statt, sondern über die ganze Stadt verteilt. Für Autofans und Neuwagenkäufer wird die Messe aber auch weiterhin vor allem eine Premieren-Plattform sein, auf der die Aussteller die wichtigsten Neuheiten der kommenden Monate präsentieren.

Ein Vorabbefund ist allerdings keine Überraschung: Die vorgestellten neuen Modelle werden vor allem elektrisch fahren. Zählt man die offiziellen Ankündigungen der Hersteller und die üblichen Indiskretionen der Branche zusammen, werden in München wohl mehr als ein Dutzend neue Stromer um die Gunst der Kunden buhlen.

  • BMW nutzt das Heimspiel nach eigenen Angaben für die Premiere des eher konventionell gestrickten i4 und des futuristischen iX. Damit wollen die Bayern Tesla Konkurrenz machen.
  • Mercedes zeigt erstmals das elektrische Flaggschiff EQS und den kompakten EQB vor großem Publikum. Außerdem präsentiert der Hersteller mit dem EQE eine elektrische Alternative zur E-Klasse – und gibt einen ersten Ausblick auf das erste Elektro-SUV auf der neuen Akku-Plattform, das zugleich zum ersten Stromer des Luxus-Ablegers Maybach werden soll.
  • Bei VW ist neben dem bereits offiziell avisierten ID5 GTX als elektrischem SUV-Coupé für die Mittelklasse auch eine Studie auf einen neuen günstigen Stromer zu erwarten - mit dem die Niedersachsen Elektromobilität in zwei Jahren vollends erschwinglich machen wollen.
  • Von Hyundai und Kia kommen die technisch eng verwandten, optisch aber grundverschiedenen Ioniq 5 und EV6. Beide Fahrzeuge basieren auf der ersten dezidierten E-Plattform der Koreaner.
  • Renault bereitet ebenfalls eine solche Architektur vor. Und nutzt München als Bühne für die Premiere des Megane E-Vision, mit dem der elektrische Baukasten im nächsten Jahre in Serie gehen soll.
Mercedes EQS: Der elektrifizierte Luxus
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Studien stehen auch bei Seat und Audi auf dem Programm: Die Spanier schüren Spekulationen über ein kleines, aber sportliches E-Modell ihrer Tochter Cupra. Und Audi verspricht einen zweiten Ableger aus der Sphere-Reihe: Nach dem luxuriösen Roadster Skysphere soll der Grandsphere zeigen, wie bei einem geschlossenen Oberklassemodell der Innenraum zum Erlebnisraum wird.

Nicht minder spannend wird wohl die Studie für den nächsten Smart. „Denn wir haben die Marke neu erfunden“, sagt Mercedes-Designchef Gorden Wagener. Er hatte bereits aus der Kooperation mit Geely in China ein elektrisches SUV in Aussicht gestellt, das deutlich wächst und auf die Kompaktklasse zielt.

Die Lücke, die damit frei wird, will ein Schweizer Unternehmen mit dem Microlino schließen. Damit soll das Rollermobil Isetta sein Comeback als elektrischer Kleinstwagen feiern. Ein paar Kennzahlen zu dem Minimalisten: gerade einmal 2,50 Metern Länge und 1,50 Metern Breite, 90 km/h Höchstgeschwindigkeit, eine Reichweite von bis zu 200 Kilometern und ein Startpreis von etwa 12 500 Euro.

Microlino: Der Kleinstwagen ohne Ballast
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Neuheiten abseits der Elektromobilität

Neben all den E-Autos wird es in München auch noch ein paar konventionelle Wagen geben. So stellt BMW einen neuen 2er Coupé samt Heckantrieb vor. Porsche schließt mit dem 911 GTS die Lücke zwischen den Einstiegsmodellen und den Turbos. Und auch VW zeigt zwei Neuheiten mit Tankstutzen: das kleine Coupé Taigo und eine Neuauflage des Multivan. Das Familienauto orientiert sich mehr denn je am Pkw.

Aus diesem Grund nutzt VW erstmals die Technologien des Modularen Querbaukastens MQB. Das bedeutet mehr Platz im Innenraum, mehr Konnektivität und mehr Assistenz - und eine Steckdose unter der Tankklappe. Zum ersten Mal werde der Bulli auch als Plug-In-Hybrid angeboten, stellt der Hersteller in Aussicht.

Volumenhersteller verzichten auf Publikumsmesse

Zwar hofft der Branchenverband VDA darauf, die Messe mit dem neuen Konzept und Standort zu modernisieren und so zu erhalten. Doch nicht alle Hersteller ziehen mit. Nicht nur Nobel- und Nischenmarken wie Ferrari und Maserati bleiben der Messe in diesem Jahr fern, sondern auch Frankfurter Stammgäste wie Toyota, Peugeot oder Fiat haben abgesagt. Selbst Opel ist in diesem Jahr nicht dabei.

An einem Mangel an Neuheiten dürften die Absagen kaum liegen. Die Liste der Premieren im Herbst ist auch bei den IAA-Verweigerern lang. Der Stellantis-Konzern hätte auf der Messe zum Beispiel einen neuen Opel Astra, den Peugeot 308 und den DS4 zeigen können.

Toyota bringt in diesem Herbst den Yaris als kompaktes SUV mit dem Beinamen Cross. Nissan will mit dem batteriegetriebenen Ariya um Kundinnen und Kunden werben. Und bei Ferrari wartet alle Welt auf die Premiere des ersten SUV aus Maranello.

Bei diesen Herstellern hat offenbar ein Umdenken eingesetzt – angesichts des Zuschauerschwunds der IAA der vergangenen Jahre und nach den Erfahrungen mit digitalen Premieren während der Pandemie.

„Warum sollen wir die Aufmerksamkeit in München mit vielen anderen Marken teilen“, fragt der scheidende Opel-Chef Michael Lohscheller. Den neuen Astra enthüllt er deshalb lieber daheim in Rüsselsheim – genau eine Woche vorher.

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