Kfz-Insolvenzen Trotz Corona-Krise weniger Pleiten in den ersten drei Quartalen

Autor: Viktoria Hahn

Das Kfz-Gewerbe hat von Januar bis September 2020 deutlich weniger Insolvenzen verzeichnet als im Vorjahreszeitraum. Ihre Ursache hat diese Entwicklung aber wohl vornehmlich in einer Krisen-bedingten Gesetzesänderung, die noch bis Jahresende gilt.

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Insolvenzen im Kfz-Gewerbe sind derzeit eher selten. Allerdings droht ein böses Erwachen im neuen Jahr.
Insolvenzen im Kfz-Gewerbe sind derzeit eher selten. Allerdings droht ein böses Erwachen im neuen Jahr.
(Bild: Grimm/»kfz-betrieb«)

Die Corona-bedingte wirtschaftliche Not zahlreicher Unternehmen im Kfz-Gewerbe spiegelt sich in den ersten drei Quartalen des Jahres nicht in einem Anstieg der gemeldeten Insolvenzen wider – die Zahlen entwickelten sich stetig rückläufig. Wie aus den am Freitag veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) hervorgeht, meldeten sich innerhalb der Branche in den ersten neun Monaten 399 Betriebe zahlungsunfähig – das sind 61 Unternehmen und damit 13,3 Prozent weniger als im Vorjahr.

Davon wurden 273 Verfahren tatsächlich eröffnet und 126 mangels Masse abgewiesen. Während sich die Forderungen der Gläubiger voraussichtlich auf 1,39 Milliarden Euro belaufen, mussten über die neun Monate hinweg 4.899 Arbeitnehmer um ihre Jobs bangen.

Das Kfz-Gewerbe schnitt damit in den ersten drei Quartalen ungefähr gleich ab wie die Gesamtwirtschaft: Laut Destatis meldeten die deutschen Amtsgerichte in diesem Zeitraum insgesamt 12.491 Unternehmensinsolvenzen über alle Branchen hinweg. Das waren 13,1 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Grund für die Diskrepanz zwischen Auswirkungen der Corona-Krise und scheinbarer Stabilität in diesem Jahr liegt auf der Hand: Um eine Insolvenzwelle zu vermeiden, hat der Bund die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für Unternehmen vom 1. März bis Jahresende beschlossen.

Deutlich rückläufig waren die Insolvenzzahlen von Januar bis September vor allem bei den Lackierereien: Die Fallzahlen fielen von 25 Betrieben im Vorjahreszeitraum auf 16 (-36 %). Auch die klassischen Werkstätten konnten ein eindeutiges Minus verzeichnen. Diese mussten in den ersten drei Quartalen 107 Mal ihre Zahlungsunfähigkeit bekennen, das waren 38 Fälle weniger als im Vorjahreszeitraum (-27,9 %).

Ebenfalls positiv war die Situation im Motorradgewerbe, für das 20 Insolvenzen registriert wurden, sechs weniger als im Vergleichszeitraum (-30 %). Bei den Autowaschanlagen ging es von 25 auf 16 von der Insolvenz betroffene Betriebe nach unten (-9,5 %). Auch im Fahrzeughandel sanken die Fallzahlen von Januar bis September leicht um 13 Fälle auf 178 insolvente Betriebe (-6,8 %).

Schwerer getroffen wurde in den ersten neun Monaten dagegen der Teile- und Zubehörhandel. Hier mussten 65 Betriebe schließen, das waren sogar 7 Betriebe oder 12,1 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Im zuletzt vom Bundesamt ausgewerteten Einzelmonat September bestätigte sich der allgemeine Abwärtstrend der Insolvenzmeldungen noch einmal: Im Kfz-Gewerbe sanken die Fallzahlen von 44 Betrieben im Vorjahreszeitraum auf 31 (-29,5 %). Besonders positiv war die Entwicklung bei den Kfz-Werkstätten. Dort ging es von 17 auf 8 von der Insolvenz betroffene Betriebe nach unten (-52,9 %). Doch es gibt für den September nicht nur Positives zu vermelden: Trotz ausgesetzter Meldepflicht stiegen die Fallzahlen im Autohandel um 18,8 Prozent, von 16 auf 19 Fälle.

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Volontärin des Newsdesk von »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group GmbH & Co. KG