TÜV Nord begutachtet Schäden in nur einer Stunde

Ingenieure streamen per Video aus der Werkstatt in die Sachverständigenzentrale

| Autor: Frank Schlieben

Der Ingenieur in der Werkstatt nimmt den Schaden mit Digitalkamera, Tablet oder Smartphone auf und ist dabei über einen Livestream direkt mit einem Gutachter im Sachverständigenzentrum verbunden.
Der Ingenieur in der Werkstatt nimmt den Schaden mit Digitalkamera, Tablet oder Smartphone auf und ist dabei über einen Livestream direkt mit einem Gutachter im Sachverständigenzentrum verbunden. (Bild: Dieter Sieg/TÜV Nord)

Zeit ist Geld – das Sprichwort gilt im Unfallschadengeschäft ganz besonders. Je länger ein Unfallfahrzeug auf seine Reparatur wartet, desto höher sind die Kosten für Schadenersatzleistungen wie Ersatzfahrzeuge oder Nutzungsausfall. Die Folgen der Geschwindigkeit in der Unfallinstandsetzung sind oft Fehler und mangelnde Präzision bei der Reparatur. Bis jetzt. Denn dank der Digitalisierung muss die Geschwindigkeit nicht zulasten der Qualität der Schadenabwicklung gehen. Der TÜV Nord hat vor wenigen Monaten das Sofortgutachtensystem vorgestellt, das Werkstätten und Kunden eine qualifizierte und neutrale Reparaturkostenkalkulation eines Unfallschadens in weniger als einer Stunde garantiert.

Drei Augen vor Ort in der Werkstatt

Dabei kommt das Vier-Augen-Prinzip zur Anwendung. Eigentlich müsste es Fünf-Augen-Prinzip heißen, denn in der Werkstatt erfasst ein Kfz-Ingenieur (Augen eins und zwei) mittels Kamera (Auge drei) digital den Schaden am Fahrzeug und sendet die visuelle Schadenaufnahme mittels Livestream in das Sachverständigenzentrum des TÜV Nord. Hier wertet ein Sachverständiger (Augen vier und fünf) den Livestream aus der Werkstatt in Echtzeit aus. Zusätzlich kann er mit dem Ingenieur in der Werkstatt per Sprachverbindung live kommunizieren und bei Bedarf Kameraeinstellungen wiederholen, Bildausschnitte verändern oder Verkleidungen/Abdeckungen zusätzlich lösen lassen sowie eine andere Perspektive wählen, um den Schaden am Fahrzeug vollumfänglich begutachten zu können.

Ingenieur vor Ort und Gutachter im Schadenzentrum arbeiten Hand in Hand und gehen den Schaden gemeinsam durch. Auf Basis der Schadenerfassung in der Werkstatt und mit den zusätzlichen Informationen des Kollegen vor Ort erstellt der Gutachter parallel zur Schadenaufnahme sein Gutachten für die Unfallreparatur.

Michael Szmigier, Sachverständiger und Experte für Wert- und Schadengutachten beim TÜV Nord, erläutert: „Die Ingenieure können die Schadenkalkulation schneller bearbeiten, und durch die Einbindung der Office-Gutachter per Livestream lässt sich das Vier-Augen-Prinzip umsetzen.“ Die Ingenieure seien für klassische Hauptuntersuchungen ohnehin oft vor Ort in Werkstätten und Autohäusern. „Unsere Werkstattkunden können so auf weitere 2.000 Mitarbeiter zählen, die sie vor Ort im Schadengeschäft unterstützen“, ergänzt Michael Szmigier. Musste zur Schadenaufnahme der Schadengutachter bisher erst persönlich zur Werkstatt reisen, übernehmen ab sofort speziell weitergebildete TÜV-Nord-Ingenieure/innen diese Aufgabe.

Für alle Schadenarten geeignete Methode

Allerdings verursache das System etwas höhere Personalkosten, da für die Schadenaufnahme zwei qualifizierte TÜV-Nord-Sachverständige zur gleichen Zeit aktiv eingebunden sind. Bei der Art der mittels Sofortgutachten zu erfassenden Schäden gibt es laut Szmigier im Prinzip keine Einschränkungen. Grenzen setzen wie bei der klassischen Gutachtenerstellung der Erfahrungs- und Qualifizierungsgrad der involvierten Ingenieure und Gutachter. „So sollte eine Brandschadenanalyse auch von einem Experten mit Brandschadenerfahrung durchgeführt werden. Hier kann eine Livestream-Begutachtung sogar Vorteile bieten, denn der konkrete Schadenfall kann im Sachverständigenzentrum gezielt auf den Bildschirm des Gutachterkollegen geschaltet werden, der Experte für die konkrete Schadenart ist“, sagt Michael Szmigier abschließend.

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