HU-Adapter: Mehr Sicherheit bei der Prüfung von Assistenzsystemen

28.05.2015

Ab 1. Juli dieses Jahres setzen die Prüfer von TÜV Rheinland bei der Kfz-Hauptuntersuchung den von der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) für elektronische Fahrzeugkomponenten vorgeschriebenen sogenannten HU-Adapter ein.

Elektronische Helfer unterstützen die Autofahrer und sorgen für mehr Sicherheit – doch nur, wenn sie ordnungsgemäß funktionieren. Die Zahl der Assistenz- und Sicherheitssysteme in Kraftfahrzeugen nimmt ständig zu – vom Airbag bis zum Spurwechselwarner. Ab 1. Juli dieses Jahres setzen die Prüfer von TÜV Rheinland bei der  Kfz-Hauptuntersuchung  den von der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) für elektronische Fahrzeugkomponenten vorgeschriebenen sogenannten HU-Adapter ein. „Mit dem Gerät tragen wir bei den periodischen Prüfungen der immer komplexeren Technik in modernen Fahrzeugen Rechnung“, sagt Dieter Lauffs, Kraftfahrtexperte von TÜV Reinland. Bereits seit 2006 checken die Sachverständigen Funktionen und Komponenten elektronischer Sicherheitssysteme bei der Hauptuntersuchung visuell beziehungsweise durch den manuellen Abgleich entsprechender Daten. Doch diese Kontrolle wird den heutigen Ansprüchen nicht mehr ausreichend gerecht.


Ansteuerung per Laptop, Tablet oder Smartphone

Der HU-Adapter ist ein handliches, robustes, universell einsetzbares Prüfgerät, das die TÜV Rheinland-Fachleute an die On-Board-Diagnose-Schnittstelle (OBD) des Autos zur Kommunikation mit den Steuergeräten des Fahrzeugs während der HU anschließen. Mit einem Laptop, Tablet oder Smartphone können die Prüfer nun den Adapter ansteuern und die individuellen Fahrzeugdaten mit den Angaben abgleichen, die in einer zentralen Datenbank hinterlegt sind. „Die erzielten Ergebnisse dienen der Verbesserung der Verkehrssicherheit, aber auch dem Gewinn neuer Erkenntnisse zum Verhalten der Systeme in der Praxis und zur kontinuierlichen Weiterentwicklung des neues Diagnosegeräts“, erklärt Dieter Lauffs und ergänzt: „Der Preis für die Hauptuntersuchung bleibt stabil und erhöht sich für den Kunden durch den erweiterten Prüfumfang nicht.“


Mit dem HU-Adapter führen die TÜV Rheinland-Fachleute künftig folgende Kontrollen durch:

  • Prüfung auf Ausführung und Einbau
    Ermittlung, ob serienmäßige sowie sicherheits- und umweltrelevante Systeme noch unverändert vorhanden sind.
  • Funktionsprüfung
    Untersuchung von beispielsweise ABS (Antiblockiersystem), ESP (Elektronisches Stabilitätsprogramm) oder adaptiven Scheinwerfern und Geschwindigkeitsregelanlagen (ACC = Adaptive Cruise Control).
  • Wirkungsprüfung
    Überprüfung der Wirkung der Bremsanlage anhand von vorgegebenen Sollwerten mit Kontrolle der Bremskraftverteilung. Dabei wird die am Rad gemessene Bremskraft mit dem Druck im hydraulischen System in Bezug gesetzt. Mithilfe des HU-Adapters kann der Prüfer die Werte des Bremsdrucksensors im ESP auslesen. Das Programm vergleicht anschließend die tatsächlichen Werte mit denen vom Fahrzeughersteller für das entsprechende Modell vorgegebenen Daten.
  • Zustandsprüfung der verbauten Systeme.


Keine Fehlerlöschung oder Software-Veränderung

„Der HU-Adapter dient einzig und allein zur Überprüfung der Systeme, um mögliche Mängel festzustellen oder auszuschließen. Es werden keine in den Fahrzeugsteuergeräten gespeicherte Fehler gelöscht oder Software-Veränderungen vorgenommen“, betont TÜV Rheinland-Experte Lauffs. Gleichwohl können die Werkstätten mit ihren eigenen Diagnosegeräten jetzt die HU-Prüfung besser nachvollziehen und gezielter entsprechende Maßnahmen ergreifen. Trotz dieser Kompatibilität ist so die organisatorische und personelle Trennung von Prüf- und Reparaturgeschäft gewährleistet.


Bei der Hauptuntersuchung werden für die Sicherheit wichtige, elektronische Systeme geprüft, die

  • automatisch Einfluss auf die Bremskraft beziehungsweise Bremskraftverteilung nehmen wie automatische Spurstabilitätssysteme oder Bremsassistenten,
  • automatisch eine Richtungsänderung bewirken können wie Spurhalteassistenten mit Lenkeingriff,
  • die Federung und/oder die Dämpfung automatisch einstellen wie adaptive Fahrwerke,
  • die aerodynamischen Eigenschaften verändern wie automatisch ein- und ausfahrende Spoiler,
  • bei Unfällen den Überlebensraum der Passagiere sichern wie Sitze, die bei Kollisionsgefahr automatisch in eine bestimmte Position fahren,
  • dem Schutz von Insassen im Falle eines Unfalls dienen wie z.B. Airbags und Gurtstraffer.