Automechanika: Große Mehrheit der Autofahrer findet Telematik-Dienste attraktiv

14.09.2016

Schöne neue, vernetzte Welt? Das gilt auch zunehmend für den Automobilsektor. Wie die aktuelle, repräsentative TÜV Rheinland-Marktstudie zur Nutzerakzeptanz von Automotive-Telematik-Diensten zeigt, sind solche Angebote für den Verbraucher sehr attraktiv,

wenn die notwendigen Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden. „82 Prozent der Autofahrer in Deutschland sind bereit, im Schnitt 51 Euro pro Jahr für Telematik-Dienste zu zahlen. Das ist ein wichtiger Zukunftsmarkt für die Automobil- und Telekommunikationsbranche“, sagte Dr. Matthias Schubert, Vorsitzender der Geschäftsführung der TÜV Rheinland Kraftfahrt GmbH, bei der Vorstellung der Untersuchung im Rahmen der Fachmesse Automechanika. Als Automotive-Telematik-Dienst werden beispielsweise Anwendungen wie Gefahrenwarnungen, der automatische Unfallnotruf oder die mobile Parkplatzsuche bezeichnet.
 

Anzahl vernetzter Fahrzeuge steigt

Die Anzahl vernetzter Fahrzeuge steigt, bei immer mehr Neuwagen sind bereits ab Werk Sensoren, Speichermedien oder Internetzugang inklusive App-basierter Lösungen installiert. Ältere Autos lassen sich durch sogenannte Retrofit-Lösungen nachrüsten – etwa durch Anschluss einer Datenübertragungsbox am Zigarettenanzünder oder eines Onboard-Diagnose-Systems (OBD). Laut einer Prognose werden im Jahr 2025 von den rund 344 Millionen in Europa zugelassenen Pkw und Kleintransportern weit mehr als die Hälfte (197 Millionen) miteinander verbunden sein. Doch wie stehen die Autofahrer zu den Telematik-Diensten? Worin sehen sie einen Nutzen? Welche Bedenken haben sie in Bezug auf die Datensicherheit? Das wollte TÜV Rheinland von über 1.000 Pkw-Besitzern und Smartphone-Nutzern wissen.

 

Vorbehalte gegenüber der Weitergabe von Fahrzeugdaten

Sicherheitsdienstleistungen wie Gefahrenmeldungen finden 83 Prozent sehr attraktiv oder attraktiv. Es folgen automatischer Unfallnotruf (81 Prozent), Pannennotruf (77 Prozent), Parkplatzsuche (73 Prozent), Betriebszustand des Fahrzeugs und Werkstattservice (64 Prozent) sowie Fahrzeugfinder (54 Prozent). Lediglich 35 Prozent sprechen sich für eine Fahrstilanalyse aus.


„Mangelndes Vertrauen in die Datensicherheit und den Datenschutz reduzieren die Bereitschaft zur Datenweitergabe“, erklärte Dr. Schubert und sieht darin „ein wesentliches Hindernis für das Wachstum von Telematik-Diensten“. Rund 60 Prozent der Befragten haben Bedenken, ihre Fahrzeugzustands- und Fahrzeugbewegungsdaten für kostenlose Telematik-Dienste beispielsweise mit Kfz-Versicherungen regelmäßig zu teilen. So äußern skeptische Stimmen „Misstrauen gegenüber Datensammlern“, „Verlust der Selbstbestimmung“, „Furcht vor Kontrolle von außen“, „Angst vor Diebstahl oder Missbrauch der Daten“ oder sie fürchten, „gläsern zu werden“. Bemerkenswert: Von den rund 40 Prozent der potenziellen Befürworter, die ihre Daten für kostenlose Nutzung der Telematik-Dienste weitergeben würden, befürworten nur knapp 8 Prozent uneingeschränkt den Datentransfer. Die restlichen rund 32 Prozent lassen sich mit der Aussage „wahrscheinlich ja“ noch ein Hintertürchen offen.


Werden die Daten nicht im Detail wie zum Beispiel Geschwindigkeit, Bremsverhalten oder Beschleunigung erfasst, sondern zu einem Wert (Score), zusammengefasst, steigt bei gut 21 Prozent der Skeptiker die Bereitschaft zur Datenübertragung.

 

Offene, glaubwürdige Datenplattform

Laut der TÜV Rheinland-Studie lässt sich beim Verbraucher die Akzeptanz gegenüber Telematik-Diensten erhöhen:

 

  • durch künftige, offene, glaubwürdige Datenplattform-Lösungen (Trusted Data Center), an denen sich neben Automobilherstellern auch andere Telematik-Anbieter wie Parkhausbetreiber, Versicherungen oder Pannendienste beteiligen, und die auch offen gegenüber weiteren ortsgebundenen Anbietern sind und somit möglichst viele individuelle Angebote integrieren und den individuellen Kundennutzen steigern;
  • monetäre Anreize wie Rabatte und Vergünstigungen;
  • Steigerung des Vertrauens in die Datensicherheit durch eine neutrale und unabhängige Institution als Plattformbetreiber, die Datenschutz, das heißt, Sicherstellung von Transparenz und Selbstbestimmung, bei der Auswahl der Anbieter durch den Endverbraucher gewährleistet.


Zwar können finanzielle Vorteile wie jährlich 20 Prozent günstigere Versicherungsprämien durch Fahrstil abhängige Telematik-Tarife dazu beitragen, die Bereitschaft zur Datenweitergabe an die Assekuranzen zu steigern, gleichwohl lehnen dies knapp 46 Prozent der Befragten ab. Erhöht sich das Einsparpotenzial auf 30 beziehungsweise 40 Prozent pro Jahr, sind gut 20 beziehungsweise knapp 24 Prozent der Neinsager dazu bereit, ihre Daten weiterzugeben. Die rabattgetriebenen Angebote allerdings versprechen somit nicht den Durchbruch bei der Verbraucherakzeptanz der Automotive-Telematik-Dienste.


TÜV Rheinland hat die repräsentative Studie zur Akzeptanz von Telematik-Diensten von März bis Juni 2016 durchgeführt. Befragt wurden 1.009 Autofahrerinnen und Autofahrer, die ein Smartphone nutzen.

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„Marke TÜV“ genießt das größte Vertrauen

Einen weitaus größeren Hebel stellen Maßnahmen dar, die die Datensicherheit und den Datenschutz in den Augen der Endverbraucher verbessern. Bei potenziellen Betreibern einer Datenplattform für Telematik-Dienstleistungen genießt laut der TÜV Rheinland-Studie die unabhängige, neutrale „Marke TÜV“ aus Sicht der Endverbraucher mit 62 Prozent das mit Abstand größte Vertrauen. Das unterstreichen Aussagen wie „Dem TÜV würde ich vertrauen“ oder „Der TÜV bildet ja auch Datenschützer aus“.