Arbeitsplatz der Zukunft: Trend zu mehr Gesundheitsorientierung

30.03.2017

Die Digitalisierung bietet vielfältige Möglichkeiten, die eigene Gesundheit stets im Blick zu haben. Apps und Wearables messen Blutdruck, Puls und die tägliche Schrittzahl. Sie überwachen die Ernährung und erinnern ans Fitnessprogramm.

Keine Frage: Gesundheitsbewusstsein liegt im Trend. Daraus zieht die Health Trends Studie des Zukunftsinstituts eine für Unternehmen richtungsweisende Folgerung: Arbeitnehmer fordern Arbeitsbedingungen, die ihrer Gesundheit nicht schaden, im Optimalfall diese sogar fördern. „Angebote des Arbeitgebers zu einer gesunden Lebens- und Arbeitsweise werden von jungen Arbeitnehmern beim Einstieg ins Berufsleben eingefordert. Ein betriebliches Gesundheitsmanagement kann für Unternehmen daher ein wichtiger Pluspunkt sein, um High Potentials zu gewinnen“, weiß Dominique Bialasinski, die bei TÜV Rheinland die Umsetzung des betrieblichen Gesundheitsmanagements unterstützt.

48-Stunden-Check ermittelt individuelle Belastungen

Entwicklung von Gesundheits- und Präventionsmaßnahmen, die genau auf ein Unternehmen und die Belastungen der Arbeitnehmer zugeschnitten sind. Mit einem kleinen alltagstauglichen Sensor, der unter die Brust geklebt wird, ermitteln Mitarbeiter über 48 Stunden individuelle Gesundheitswerte – in der Freizeit ebenso wie bei der Arbeit. Ergänzend dazu liefert ein Online-Fragebogen Informationen zur Schlafqualität oder dem persönlichen Stressempfinden. Die Auswertung dieses Checks erhält nur der Arbeitnehmer selbst. In einer telemedizinischen Beratung erläutern Betriebsarzt und ein Psychologe die Ergebnisse und geben individuelle Handlungsempfehlungen für Freizeit und Beruf.

 

Unternehmen profitieren von dieser Maßnahme mehrfach: Mitarbeiter fühlen sich wertgeschätzt und können mit dem neuen Wissen ihre Gesundheit besser schützen. Darüber hinaus lassen sich aus den anonymisierten Daten Gesundheitsrisiken ermitteln sowie Beanspruchungen bei der Arbeit besser sichtbar machen. Die Firmen können somit die individuellen Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung noch präzisier auf den Bedarf in ihrem Unternehmen abstimmen.

 

Gesundheitskompetenz vermitteln

Gesundheitsorientierte Maßnahmen wie Bewegungspausen, höhenverstellbare Schreibtische oder Stehpulte werden nur dann von Mitarbeitern aller Altersgruppen genutzt, wenn entsprechendes Hintergrundwissen vorhanden ist. Ideal sind Kurzvorträge und Workshops, die neben Informationen auch erste praktische Anwendungen wie Bewegungsübungen vermitteln. „Ziel muss es sein, die Gesundheitskompetenz der Arbeitnehmer im beruflichen und privaten Bereich zu stärken. Als Betriebsärzte legen wir zudem Wert darauf, schon ab einem Alter von etwa 40 Jahren mit Arbeitnehmern in die Zukunft zu blicken: Wir beraten die Beschäftigten unter Berücksichtigung der Arbeitsbedingungen zu präventiven Maßnahmen, um ihre Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten“, so Dr. Wiete Schramm, Betriebsärztin bei TÜV Rheinland.

 

Gesundheit ist eine Frage der Unternehmenskultur

Gesundheitsbewusstsein ist ein Teil der Unternehmenskultur. Optimal ist es, wenn entsprechende Vorgaben in den Unternehmensleitlinien oder einer Betriebsvereinbarung festgeschrieben sind und auf allen Hierarchieebenen gelebt werden. „Ein zentrales Element ist ein gesunder Führungsstil. Um Belastungen zu erkennen und gefährdete Mitarbeiter aktiv anzusprechen, müssen Führungskräfte entsprechend fortgebildet sein. Leben sie ihre Vorbildfunktion, indem sie sich zu einer gesundheitsbewussten Lebens- und Arbeitsweise bekennen, motiviert das die Mitarbeiter, dies ebenfalls umzusetzen“, erläutert Iris Dohmen, Arbeits- und Betriebspsychologin bei TÜV Rheinland.

 

Gehirntraining durch Bewegung ist ein Beispiel für Maßnahmen, die Gesundheit und Spaß verbinden und damit viele Mitarbeiter ansprechen. „Bei Übungen mit dem Agility-Board reichen schon etwa 15 Minuten täglich, um Bewegung in den Arbeitstag zu bringen und zugleich die Koordination und Gedächtnisleistung zu fördern. Das wirkt sich nach ersten Wochen des kontinuierlichen Trainings positiv auf die Fitness und die Arbeitsleistung aus“, erläutert Bialasinski.