Gebrauchtwagenratgeber TÜV-Report 2018: Jeder fünfte Pkw fällt durch

08.11.2017

Keiner hat weniger Mängel: der Mercedes SLK siegt im TÜV-Report 2018 in der Altersgruppe der dreijährigen Fahrzeuge. An insgesamt einem Drittel aller Pkw stellte der TÜV Mängel fest, jeder fünfte fiel bei der Hauptuntersuchung durch.

Das sind wichtigste Ergebnisse des TÜV-Report 2018, den der Verband der TÜV (VdTÜV) in Berlin vorgestellt hat. Der TÜV-Report ist eine umfangreiche Darstellung der Stärken und Schwächen der 225 gängigsten Pkw-Modelle auf unseren Straßen. Fast 9 Millionen Ergebnisse von Hauptuntersuchungen flossen in den größten Gebrauchtwagenratgeber ein.

Sieger und Verlierer

Mit einer Quote von 2,0 Prozent erheblicher Mängel hat der Mercedes SLK bei den dreijährigen Fahrzeugen die Nase vorn, bei den Fünfjährigen steht mit der B-Klasse ein weiterer Mercedes auf der Siegertreppe. Auch die ersten Plätze der älteren Fahrzeuge gehen an einen Schwaben: der Porsche 911 siegt jeweils in den Altersgruppen zwischen sieben und elf Jahren. Die Schlusslichter bilden der Kia Sportage (3 Jahre), Peugeot 206 (5 Jahre), Chevrolet Aveo (7 Jahre), Chevrolet Matiz (9 Jahre) und Ford Ka bzw. Ford Galaxy (11 Jahre). „Die Hersteller Mercedes und Porsche bleiben auch 2018 das Maß der Dinge beim TÜV-Report“, erläutert Joachim Bühler, Geschäftsführer des VdTÜV.

Ältere Fahrzeuge mit hoher Mängelquote

Die durchschnittliche Quote erheblicher Mängel über alle Altersklassen beträgt 19,9 Prozent, gegenüber dem letzten TÜV-Report ist das eine leichte Steigerung um 0,2 Punkte. Zwei Drittel (66,7 Prozent) der geprüften Fahrzeuge waren mängelfrei. „Erstmals seit 2014 steigt die Mängelquote bei den Autos in Deutschland wieder leicht an“, erklärt Joachim Bühler. Der Durchschnittswert bleibt ungefähr stabil, auffällig ist dagegen die starke Spreizung zwischen jungen und älteren Fahrzeugen. Während bei den 2-3 Jährigen Gebrauchtwagen in Deutschland die Mängelquote mit durchschnittlich 5,8 Prozent um ein vielfaches niedriger liegt als der Durschnitt, verhält es sich bei älteren Fahrzeigen genau umgekehrt. Mit steigendem Alter nimmt die Häufigkeit sicherheits- und umweltrelevanter Mängel dramatisch zu: Bei den über 11-jährigen Pkw haben bereits über ein Viertel (26,5 Prozent) erhebliche Mängel, bei den Mängelriesen sind es sogar fast 40 Prozent.

 

Technische Mängel ernst nehmen

Besonders oft beanstanden die TÜV-Experten defekte Beleuchtung, mangelhafte Bremsen, Probleme am Fahrwerk, Ölverlust und schadhafte Auspuffanlagen. „Keinen dieser Mängel sollte man auf die leichte Schulter nehmen“, so Bühler. „Gerade in der dunklen Jahreszeit kann eine Kombination aus fehlender Beleuchtung und verschlissener Bremsen fatale Folgen haben.“ Wichtig ist daher, die regelmäßigen Inspektionstermine wahrzunehmen und dafür eine qualifizierte Fachwerkstatt aufzusuchen. Nur zwei Drittel aller Fahrzeuge entsprechen völlig den sicherheits- oder umwelttechnischen Anforderungen. Alle anderen würden ohne den TÜV immer noch ein Risiko für die Verkehrssicherheit und den Umweltschutz darstellen.

Softwareupdates werden nachgeprüft

Bei der Hauptuntersuchung wird in vier Mängelkategorien unterschieden: „Ohne Mängel“, „Geringe Mängel“ (Plakette wird erteilt, Mangel muss aber behoben werden), „Erhebliche Mängel“ (Plakette wird nicht erteilt, Mangel muss innerhalb von 4 Wochen behoben werden) und „Verkehrsunsicher“ (Fahrzeug wird sofort stillgelegt). Zusätzlich gilt ab diesem Jahr: Vom Software-Update betroffene Fahrzeuge erhalten einen erheblichen Mangel, wenn sie an der Nachrüstung nicht teilnehmen. Innerhalb von 4 Wochen muss das Update dann nachgeholt werden. „Wir empfehlen allen betroffenen Fahrzeughaltern, einer Aufforderung zur Nachrüstung des Software-Updates unbedingt zu folgen“, erläutert Bühler, „Dann sind sie bei der Hauptuntersuchung auf der sicheren Seite.“

Bits und Bytes auch in der Hauptuntersuchung

Die Technologie im Auto entwickelt sich rasant. Durch Digitalisierung, autonomes Fahren und alternative Antriebe müssen auch die Anforderungen an die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer neu definiert werden. „Künftig wird es nicht mehr nur um Öl und Rost gehen, sondern vor allem auch um Bits und Bytes“, erläutert Bühler. Ein wichtiger Schritt wäre, die erweiterten europäischen Vorgaben zur Fahrzeugüberwachung zügig umzusetzen. In Deutschland ist die Verordnung über die regelmäßige technische Untersuchung von Fahrzeugen (FUV) noch nicht in Kraft. Bühler: „Die neue Bundesregierung ist gefordert, auch im digitalen Zeitalter für Verkehrssicherheit und Umweltschutz wirksame Regeln zu schaffen.“ Das betrifft unter anderem eine Prüfung von Softwareständen der sicherheitsrelevanten elektronischen Bauteile. Auch für Datenschutz und IT-Security müssen hohe Ansprüche gelten, um das Fahrzeug gegen Datenmissbrauch und Hackerangriffe wirkungsvoll zu schützen. Mit der „Automotive Platform“ hat der VdTÜV hierzu bereits das Konzept einer hochsicheren und in den Autos einheitlich verbauten Kommunikationsplattform vorgelegt.

Deutschlands größter Gebrauchtwagenratgeber

Der TÜV-Report ist seit 35 Jahren eine unabhängige Quelle für Verbraucher, Hersteller und Politik wenn es um den technischen Zustand der Autos in Deutschland geht. Stärken und Schwächen einzelner Fahrzeugmodelle lassen sich gezielt ablesen. „Wir geben damit den Verbrauchern neutrale und verlässliche Informationen für den Gebrauchtwagenkauf an die Hand,“ erläutert Joachim Bühler, „Gleichzeitig liefern wir für die Hersteller wertvolle Daten zur Qualitätsverbesserung der Fahrzeuge und tragen damit zur Steigerung der Verkehrssicherheit auf unseren Straßen bei.“

Mit einer Auflage von 300.000 Exemplaren ist der TÜV-Report Deutschlands wichtigster Gebrauchtwagenratgeber. „Wir wollen den Verbrauchern mit einem informativen Heft Hinweise geben, wo sie beim Kauf eines Gebrauchtwagens besonders hinschauen müssen.“, erläutert Chefredakteur Hartmut Müller-Gerbes. „Vor allem wollen wir sie unabhängig von möglichen Interessen der Hersteller, Werkstätten oder Händler beraten. Die Marke TÜV steht dafür wie keine andere.“

Der TÜV-Report erscheint als Sonderausgabe der AutoBild und ist ab 10. November 2017 zum Preis von 4,90 Euro im Zeitschriftenhandel und an den TÜV-Stationen erhältlich.