Oldtimer-Betrügern auf der Spur: Neue Methode entlarvt Manipulationen

21.03.2018

Hochwertige klassische Automobile entwickeln sich bei steigenden Oldtimerpreisen immer mehr zu Anlageobjekten. Das ruft verstärkt Betrüger auf den Plan, die Zahl der Fälschungen steigt in jüngster Zeit.

„Manipulationen an Fahrgestellnummern können wir jetzt mit Hilfe des so genannten magnetooptischen Resonanzverfahrens schnell entlarven und gerichtsbelastbar dokumentieren“, erklärt Sebastian Hoffmann, Oldtimer-Experte und maßgeblich an der Entwicklung und Realisierung dieses Verfahrens bei der Fahrzeug-Sicherheitsprüfung (FSP), Tochter von TÜV Rheinland, beteiligt. „Kriminelle Profis „zaubern“ in Hightech-Werkstätten beispielsweise aus einem 1973er normalen Porsche-F-Modell (Typ T, E oder S) leicht einen der begehrten, seltenen Carrera 2,7 RS, dessen Wert bis zu einer Million Euro betragen kann“, sagt Norbert Schroeder, Leiter Competence Center Classic Cars bei TÜV Rheinland, und ergänzt: „Obwohl äußerlich identisch, sind die Fahrzeuge von ihrer Wertigkeit völlig unterschiedlich, denn nur einer von beiden ist eben ein echter RS mit der Identität des Originals.“

Check stammt aus der Kriminaltechnik

An der zu prüfenden Stelle erzeugen die Oldtimer-Experten ein starkes Magnetfeld, das tief in das Material eindringt. Ein Filmstreifen macht über ein Lesegerät das Magnetfeld sichtbar. „Unregelmäßigkeiten im Materialgefüge, die auf Fälschungen hindeuten, aber auch Veränderungen von eingeschlagenen Ziffern und Buchstaben im Metall erkennen wir mit dieser Methode – zum Beispiel, wenn sich hinter der Ziffer 5 die ursprüngliche 4 verbirgt. Zudem analysieren wir Schriftbilder und beurteilen Typologien von Buchstaben-Zahlenkombinationen auf Typenschildern“, betont Hoffmann. Die komplette Technik inklusive Laptop steckt in einem kompakten Köfferchen und ermöglicht so schnelle, mobile, zerstörungsfreie Checks. Das magnetooptische Resonanzverfahren kommt ursprünglich aus der Kriminaltechnik. Forensiker erkennen damit herausgeschliffene Seriennummern bei Waffen.

Röntgenuntersuchung und Spektralanalyse

Darüber hinaus nutzen die Klassiker-Fachleute unter anderem auch Röntgenuntersuchungen, um Betrügern auf die Spur zu kommen. Die Durchstrahlung des Blechs macht großflächig Veränderungen oder Schweißarbeiten transparent. „Die Spektralanalyse lässt ferner Rückschlüsse auf das Alter des verwendeten Materials zu. Neu aufgebaute oder veränderte Fahrzeuge können wir so zweifelsfrei identifizieren“, unterstreicht FSP-Oldtimer-Spezialist Sebastian Hoffmann.