TÜV Süd baut seine Kapazitäten für Emissionstests aus

Autor / Redakteur: Gernot Goppelt / Dr. Holger Schweitzer

Mit einem neu errichteten Prüflabor in Heimsheim zwischen Karlsruhe und Stuttgart reagiert der TÜV Süd auf steigende Anforderungen durch die Abgasnorm Euro 7 und die zunehmende Elektrifizierung.

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Im Heimsheimer Prüflabor gibt es sechs Prüfstände von Horiba und AIP (MAHA), fünf davon mit vier angetriebenen Rollen.
Im Heimsheimer Prüflabor gibt es sechs Prüfstände von Horiba und AIP (MAHA), fünf davon mit vier angetriebenen Rollen.
(Bild: TÜV Süd)

Im Beisein von Gästen aus Wirtschaft und Politik wie dem baden-württembergischen Umweltminister Winfried Hermann hat der TÜV Süd am 29. September sein Mobilitäts- und Antriebszentrum (MAZ) in Heimsheim eröffnet. Laut Patrick Fruth, Geschäftsführer der Mobility-Sparte, ist es die größte unabhängige Einrichtung ihrer Art in Europa. Mit diesem Labor verdoppelt die Prüforganisation ihre Kapazitäten; weitere Standorte gibt es bereits in Pfungstadt und im tschechischen Roztoky.

Auf 23.000 Quadratmetern Fläche stehen sechs Prüfstände und 130 klimatisierte Stellplätze für die Vorkonditionierung zur Verfügung, die für Emissionsmessungen im WLTC erforderlich sind. Die neue Prüfprozedur umfasst nicht nur einen dynamischeren Fahrzyklus auf dem Prüfstand, sondern unter anderem einen zusätzlichen 14-Grad-Celsius-Test, der die europäische Durchschnittstemperatur abbildet.

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Für die noch nicht verabschiedete Euro 7 ist laut TÜV Süd eine Kaltstartmessung bei minus 7 Grad Celsius für Dieselfahrzeuge in der Diskussion, die in dem Heimsheimer Labor möglich wird. Dazu kommen verschärfte Messungen der Verdunstungsemission, sozusagen ein „Update“ der EVAP (evaporative emission) innerhalb der Euro 6. Insgesamt erwartet der TÜV Süd, dass die Bedingungen für Otto- und Dieselmotoren aneinander angeglichen werden, schließlich sollten aus Verbrauchersicht vergleichbare Bedingungen gelten.

Die Aufwand wird voraussichtlich steigen, auch – das mag überraschen – durch die zunehmende Elektrifizierung. Bei Plug-in-Hybriden werden beispielsweise Charge-Depleting- und Charge-Sustaining-Tests durchgeführt. Vereinfacht gesagt wird der Zyklus mit voller und „leerer“ Batterie gefahren. Und ob Plug-in-Hybrid oder batterieelektrischer Antrieb: Der Stromverbrauch wird in ein CO2-Äquivalent umgerechnet, um auch die Emissionen elektrischer Antriebe zu erfassen.

Stichprobentests für Fahrzeuge aus dem freien Markt

Eine weitere neue Aufgabe für die Prüfer besteht darin, mindestens eines von jeweils 40.000 verkauften Fahrzeugen pro Jahr aus dem freien Markt zu ziehen und seine Emissionen zu testen. So soll sichergestellt werden, dass beliebige Fahrzeuge in der Stichprobe dieselbe Emissionsgüte aufweisen wie das Fahrzeug bei der Typprüfung.

Patrick Fruth rechnet nicht damit, dass durch die zunehmende Elektrifizierung die Aufwände so schnell sinken werden. Eine erhebliche Rolle wird dabei sicher auch spielen, inwieweit die EU bereit ist, auf eine Well-to-Wheel- statt nur Tank-to-Wheel-Messung umzusteigen. Auf Deutsch: Nicht nur messen, was am Endrohr entweicht, sondern auch die CO2-Emission bei der Herstellung des Energieträgers, sei es Kraftstoff oder Strom.

Für Patrick Fruth ist das MAZ in Heimsheim eine Investition in die Mobilität der Zukunft, aber auch in die eigene Internationalisierungsstrategie. Das gilt für die Entwicklungspartnerschaft mit internationalen Herstellern und Zulieferern für europäische ebenso wie für außereuropäische Märkte.

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