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Überkapazitäten erhöhen Absatzdruck im Handel

| Redakteur: Andreas Grimm, Andreas Grimm

Ein spürbarer Rückgang der Pkw-Nachfrage in Europa wird das Problem der Überkapazitäten in der Produktion verschärfen. Dem Handel drohen neue Rabattschlachten.

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Die europäische Autokonjunktur stottert. 2012 steuert der Handel daher auf neue Rabattschlachten zu.
Die europäische Autokonjunktur stottert. 2012 steuert der Handel daher auf neue Rabattschlachten zu.
( Archiv: Vogel Business Media )

In Europa mehren sich die Anzeichen für einen weiteren spürbaren Rückgang der Neuwagenzulassungen. Nachdem im Januar bereits ein Minus von 6,6 Prozent zu verzeichnen war, rechnen Marktforscher verschiedener Institute mit einem weiteren Absinken des europäischen Automarkts unter die Schwelle von 13 Millionen Neuwagen. Das Duisburger Center Automotive Research (CAR) geht von einem Gesamtjahresminus von 4,6 Prozent aus. Auf etwa die gleiche Größenordnung kommen die Experten von PwC Autofacts, dem Automotive-Institute der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers. Sie prognostizieren einen Rückgang um 5 Prozent.

Ursache für den Rückgang auf unter 13 Millionen Neuzulassungen in Europa (EU 27 und Efta-Staaten) ist die schwache Konjunkturentwicklung in den meisten europäischen Staaten. Damit würde der europäische Gesamtmarkt im fünften Jahr in Folge schrumpfen. Im Rekordjahr 2007 hatten die europäischen Märkte noch rund 16 Millionen Pkw aufgenommen, 2009 waren es noch 14,5 Millionen Einheiten – allerdings gestützt durch verschiedene staatliche Maßnahmen wie die deutsche Abwrackprämie.

Europäische Kleinwagenhersteller in der Krise

„Vor allem in den Euro-Krisenstaaten geht der Neuwagenabsatz deutlich zurück“, erläutert Felix Kuhnert, Leiter des Bereichs Automobilindustrie von PwC in Deutschland und Europa. Der tatsächliche Rückgang werde letztlich von den Angeboten der Hersteller abhängig sein. Insbesondere weisen die deutschen Hersteller derzeit ein junges und dynamisches Produktportfolio auf, heißt es in der PwC-Analyse. „Sie könnten mit Maßnahmen wie beispielsweise Kaufanreizen und Prämien eine positive Wirkung auf die Binnennachfrage erzielen.“

Nach Ansicht des CAR-Instituts gehen die Verkäufe 2012 in allen großen Märkten in Europa zurück. Opel, Ford, Fiat, Peugeot-Citroën, Renault und Seat seien deutlich schwierigeren Marktbedingungen ausgesetzt als die anderen Autobauer. Opel wird sich angesichts andauernder Verluste einem neuen Sanierungsprogramm stellen müssen. Der französische Peugeot-Citroën-Konzern hat wichtige Programme seiner Restrukturierung bereits in der Umsetzung. Dagegen werde der Pkw-Weltmarkt dem CAR zufolge im laufenden Jahr um 2,1 Prozent auf 63,1 Millionen Pkw wachsen.

Überproduktion drückt auf die Preise

Mit dem sinkenden Pkw-Absatz in Europa rücken die Überkapazitäten in der europäischen Automobilindustrie wieder in den Vordergrund. PwC Autofacts zufolge dürfte 2012 die Auslastung der Werke im Durchschnitt auf 69 Prozent bis 74 Prozent fallen. Ähnlich tief stand der Auslastungsgrad zuletzt 2009 (70 Prozent). In den anderen Jahren seit 2005 variierte die Auslastung zwischen 77 Prozent und 84 Prozent. Trotz dieser Auslastungszahlen dürfte die Produktionsmenge im laufenden Jahr etwa eine Million Einheiten über dem des Krisenjahres 2009 liegen.

Überproduktion bedeutet für die Vertriebsorganisationen der Hersteller und den Handel zugleich einen wachsenden Zwang zum Push-Absatz, also dem vermehrten Warenabsatz durch Rabatte, Nachlässe und Tageszulassungen. Nach den Zahlen der Marktforschung Dataforce waren die Eigenzulassungen der Fahrzeugbauer im zweiten Halbjahr 2011 um gut ein Viertel gegenüber den Werten von 2011 gestiegen. Auch die Zahl der Händlerzulassungen war kontinuierlich gewachsen.

Erfreulicher fällt die PwC-Einschätzung für die deutschen Hersteller und ihre Händler aus. Für Volkswagen, Audi, BMW und Mercedes seien die Marktperspektiven 2012 gut. „Die deutschen Hersteller sind auch auf eine volatile Autokonjunktur in Europa gut vorbereitet. Jetzt macht sich bezahlt, dass sie in der tiefen Krise von 2008 und 2009 ihre Entwicklungsbudgets nicht heruntergefahren haben“, heißt es in der Studie. In Deutschland werde der Markt zudem mit 3,1 Millionen Pkw in etwa dem Niveau von 2011 entsprechen.

Die genannten deutschen Hersteller dürften weiterhin von der starken Nachfrage in China und Nordamerika profitieren. Zusammen mit einer stabilen deutschen Nachfrage sei für ihre Werk eine überdurchschnittlich hohe Auslastung zu erwarten. 2011 waren die deutschen Fabriken zu annähernd 90 Prozent ausgelastet.

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