Umfrage: Händler erwarten tiefen Umbruch

Internet und Mobilitätswandel revolutionieren Autohandel

08.09.2011 | Redakteur: Gerd Steiler

Die Mehrheit der deutschen Autohändler und Werkstattbetreiber rechnet damit, dass Internet und Mobilitätswandel die traditionellen Handelsstrukturen in den kommenden Jahren grundlegend verändern werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage bei mehr als 300 Autohäusern, die der TÜV Süd bundesweit gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Technomar im Vorfeld der IAA 2011 durchgeführt hat.

Die Erwartungen der Händler im Stenogramm:

  • Autos werden künftig mehrheitlich via Internet angeboten und verkauft.
  • Der Handel mit Neuwagen wird deutlich zurückgehen, das Gebrauchtwagengeschäft dagegen zulegen.
  • Leasing, Car-Sharing und Mobilitätsverträge rücken als Geschäftsmodelle weiter in den Vordergrund.
  • Neue Mobilitätskonzepte und alternative Antriebstechniken üben zusätzlichen Druck auf den Handel aus.
  • Wegen des zunehmenden Konzentrationsprozesses wird es künftig weniger, dafür abere größere Autohäuser geben.

Leasing und Car-Sharing immer wichtiger

Einen deutlichen Wandel sehen die Befragten vor allem bei den Vertriebswegen. Internethandel, die eigene Homepage und Social Networks spielen für fast 55 Prozent der befragten Händler eine immer größere Rolle und drängen den klassischen Autohaus-Showroom langfristig in den Hintergrund.

Auch bei den Geschäftsmodellen gibt es Bewegung. Mobilitätsverträge und Car-Sharing werden nach dem Urteil der Befragten in den nächsten fünf Jahren auf einen Gesamtanteil von rund 18 Prozent anwachsen. Der Anteil des Leasing-Geschäfts von derzeit 22 Prozent werde im gleichen Zeitraum sogar auf 38 Prozent wachsen.

Zurückgehen wird nach Einschätzung vieler Händler (17 %) dagegen die Fokussierung auf nur eine Automarke. Aufgrund des starken Wandels in fast allen Geschäftsbereichen befürchten knapp neun Prozent der Befragten sogar, dass das klassische Autohaus immer mehr aus der Landschaft verschwinden wird.

Autohaus 2020: Größer, aber weniger

Zusammenschlüsse und Akquisitionen nehmen in der Branche immer mehr zu. Dieser fortschreitende Konzentrationsprozess im Automobilhandel findet auch in der aktuellen TÜV-Umfrage seinen Niederschlag. So erwarten mehr als 80 Prozent der befragten Händler, dass es bis 2020 deutlich weniger, dafür aber größere Autohäuser geben wird. Eine Diversifizierung auf spezialisierte Autohäuser erwarten knapp elf Prozent der Befragten. Nur acht Prozent glauben, dass es keine Veränderungen in der Branchenlandschaft geben wird.

Vorteil für Gebrauchtwagen

Eine deutliche Verschiebung sehen die Autohaus-Betreiber bei der Gewichtung von Neu- und Gebrauchtwagengeschäft. 48 Prozent der Befragten rechnen in den kommenden fünf Jahren mit einem Anstieg des Gebrauchtwagengeschäfts und sehen hier die größten Entwicklungschancen. Fünf Prozent erwarten sogar „starke Zuwächse“ im GW-Geschäft. Lediglich 13 Prozent prognostizieren einen Rückgang. 37 Prozent sehen keine Veränderungen.

Ganz anders dagegen ist die Prognose für den Neuwagenabsatz. In diesem klassischen Geschäftsfeld rechnen 43 Prozent der Befragten in den kommenden fünf Jahren mit rückläufigen Verkaufszahlen. Fast sieben Prozent erwarten sogar „starke Rückgänge“. Nur knapp 24 Prozent der Befragten sehen eine positive Entwicklung beim Neuwagengeschäft. 30 Prozent gehen davon aus, dass sich nichts verändern wird.

Neue Antriebstechnologien kommen

Die Bedeutung alternativer Antriebstechnologien wird nach Einschätzung der befragten Unternehmer in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. Laut Umfrage wird der Hybridantrieb bis zum Jahr 2015 einen Anteil von 14 Prozent an den Pkw-Neuzulassungen erreichen. Den gleichen Zulassungsanteil von gut 14 Prozent erreichten bis dahin sämtliche Autos mit Elektro-, Gas- und Brennstoffzellenantrieb. Das deutliche Gros von über 70 Prozent hielten bis dahin aber weiterhin Benziner (37,7 %) und Diesel (32,8 %).

Bis zum Jahr 2020 allerdings werden sich diese Marktanteile nach Einschätzung der Händler klar zugunsten der alternativen Antriebe verschieben. So erwarten die Befragten, dass der Zulassungsanteil von Hybridautos (21,7 %), Elektroautos (15,5 %), Wasserstoff-/Brennstoffzellenautos (5,0 %) und Gasautos (4,9 %) mit einem Gesamtwert von gut 47 Prozent den Anteil von Benzin-Pkw (24,1 %) und Diesel-Fahrzeugen (20,6 %) in zehn Jahren erstmals sichtbar übertreffen wird. 8,2 Prozent der Befragten wagten keine Prognose.

Die Mehrheit der befragten Händler sieht diese Entwicklung allerdings eher gelassen: So erwarten 56 Prozent der Befragten keinen wesentlichen Einfluss auf ihr Geschäft. Gut 40 Prozent aber glauben, dass Hybrid, Elektro und Brennstoffzelle ihr Geschäft „eher negativ“ beeinflussen werden.

Die Ergebnisse der Umfrage diskutiert der TÜV Süd unter der Überschrift „Zukunft des Autohandels“ mit Branchenexperten auf dem IAA-Messestand (Halle 8.0, Stand A 19) am Donnerstag, 15. September, ab 11 Uhr.

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