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Umweltminister fordern kostenfreie Dieselnachrüstung

Autor / Redakteur: Holger Zietz / Christoph Baeuchle

Den Wandel der Mobilität muss man gemeinsam gestalten. Dabei sind Autohäuser und Werkstätten ein Teil der Lösung, wie beim Branchenforum NRW deutlich wird. Die Chancen der Dieselnachrüstung gilt es zu nutzen, forderte Staatssekretär Heinrich Bottermann.

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NRW-Staatssekretär Heinrich Bottermann sprach beim Branchenforum zur Zukunft der Automobilität, veranstaltet vom Kfz-Landesverband Nordrhein-Westfalen.
NRW-Staatssekretär Heinrich Bottermann sprach beim Branchenforum zur Zukunft der Automobilität, veranstaltet vom Kfz-Landesverband Nordrhein-Westfalen.
(Bild: Zietz/»kfz-betrieb«)

Jahrelang kämpfte das Kfz-Gewerbe für die Dieselnachrüstung. Mittlerweile ist sie da und muss zügig umgesetzt werden. Dafür sprechen viele Aspekte. Neben dem Umweltschutz, schließlich senkt die Nachrüstung von Euro-5-Dieseln die Schadstoffwerte der Fahrzeuge, auch soziale Gesichtspunkte.

„Nicht jeder kann sich sofort ein neues Auto kaufen“, betonte der nordrhein-westfälische Staatssekretär Heinrich Bottermann beim Branchenforum NRW, das das Kfz-Gewerbe Nordrhein-Westfalen auf Einladung bei BP Europa in Bochum veranstaltet hat. Für den Verbraucher müsse die Nachrüstung daher kostenneutral sein.

Dafür wollen sich die Umweltminister der Bundesländer einsetzen. Gemeinsam plädieren sie für die kostenfreie Hardwarenachrüstung beim Diesel. Ziel sei es, einen entsprechenden Beschluss auf der nächsten Konferenz der Umweltminister zu verabschieden. Beim Branchenforum NRW berichtete Bottermann von einer entsprechenden Beschlussvorlage.

Die konsequente Nachrüstung älterer Diesel ist ein weiterer wichtiger Schritt, um Fahrverbote in den von hohen Stickoxidemissionen belasteten Städten zu verhindern. Zwar haben die Erneuerung der Fahrzeugflotte und Software-Updates bereits für eine gewisse Verbesserung der Atemluft gesorgt. Doch der Druck in verschiedenen Städten in Nordrhein-Westfalen sei unverändert hoch. „Wir befinden uns im Klageverfahren.“ Vereinzelt haben die Städte bereits Fahrverbotszonen ausgesprochen.

„Werden noch lange nicht auf Verbrenner verzichten können“

Bottermann warnte, sich vorschnell auf eine Antriebstechnologie zu konzentrieren. Die Landesregierung wolle die Vielfältigkeit der Antriebe erhalten, sagte der Staatssekretär. „Wir werden noch lange nicht auf den Verbrenner verzichten können.“ Man dürfe nicht auf die Zukunft warten, sondern müsse bereits jetzt alle Möglichkeiten zur Schadstoffreduzierung ausnutzen.

Geht es um alternative Antriebstechnologien, liegt der Fokus derzeit vor allem auf der Elektromobilität. Nach heutigem Stand sei der Batterieantrieb in der Energieausnutzung an erster Stelle zu nennen, meinte Professor Christof Wetter, der an der Fachhochschule Münster lehrt. Die stark fallenden Preise für Akkumulatoren machen diese Antriebsart zurzeit sehr attraktiv.

Andere alternative Technologien wie Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe bleiben nach Wetters Einschätzung in der Gesamtbilanz zurück. Der FH-Professor betonte jedoch, dass sich dies in den nächsten Jahren wieder ändern könne. „Gerade Wasserstoff holt derzeit stark auf.“

Wetter forderte, endlich umzudenken und die Verkehrswende zu gestalten. „Verkehrswende bedeutet nicht nur die Umstellung des Energieträgers, sondern auch eine bessere Nachhaltigkeit in der Mobilität bei einer stark reduzierten Zahl der Fahrzeuge.“

Strom ist genug da

Strom ist nach seiner Einschätzung ausreichend vorhanden. Nach Berechnungen der Universität Münster erhöhen eine Million Elektrofahrzeuge den Gesamtstrombedarf um 0,4 Prozent. Würden sofort alle Fahrzeuge elektrisch fahren, müsste man lediglich 18 Prozent mehr Strom erzeugen.

Das wird jedoch nicht passieren, denn der Absatz von Elektroautos zieht zwar kräftig an, aber auf noch immer geringem Niveau. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Die Reichweitenangst der Autofahrer ist aus Wetters Sicht eher ein psychologisches Problem. Wenn jeder an seiner Arbeitsstelle laden könnte, würden viele Autofahrer keine Ladesäule an ihrer Wohnung benötigen. Damit wäre auch das Problem des Ladens bei Mietwohnungen erledigt.

Im Rahmen der Mobilitätswende sieht sich das Kfz-Gewerbe als Teil der Lösung. Frank Mund, Präsident des Kfz-Gewerbes NRW, gibt sich offen für verschiedene Technologien: „Wir können auch unterschiedliche Antriebssysteme warten und reparieren.“ Der saubere Verbrenner spiele auch künftig noch eine große Rolle, aber die E-Mobilität werde im Werkstattalltag zunehmend an Bedeutung gewinnen. Klar ist vor allem eines: „Eine Zukunft ohne individuelle Mobilität ist nicht denkbar“, betonte Mund. Der öffentliche Personennahverkehr werde das Auto nicht ersetzen.

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