Deutscher Automarkt VDA rechnet erst ab dem Sommer mit einer Erholung

Autor / Redakteur: dpa / Doris Pfaff

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) rechnet für das laufende Jahr mit einem Wachstum des deutschen Automarkts von rund acht Prozent. Das sei im Vergleich zu 2019 allerdings extrem niedrig, teilte VDA-Präsidentin Hildegard Müller mit. Erst ab dem zweiten Halbjahr werde sich der Markt wieder erholen.

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VDA-Präsidentin Hildegard Müller fordert von der Politik, die Standortfaktoren für die deutsche Autoindustrie zu verbessern.
VDA-Präsidentin Hildegard Müller fordert von der Politik, die Standortfaktoren für die deutsche Autoindustrie zu verbessern.
(Bild: www.rolandhorn.de)

Rund 2,9 Millionen Autos wurden im vergangenen Jahr in Deutschland zugelassen. 2021 sollen es laut Müller rund 3,15 Millionen Fahrzeuge sein. Vom Vorkrisen-Niveau wären solche Zahlen allerdings weit entfernt. Im Jahr 2019 hatte es 3,6 Millionen Neuzulassungen gegeben. „Wir gehen davon aus, dass das zweite Halbjahr 2021 eine Besserung bringen wird, wenn die Fortschritte beim Impfen so groß sind, dass die Pandemie im Alltag spürbar eingedämmt werden kann“, sagte Müller.

Der VDA gab am Dienstag einen Ausblick auf die bestimmenden Themen des laufenden Jahres. Neben der Coronakrise seien das auch die Klimaziele des Landes und der EU. Überlegungen, Klimaziele durch einen fortgesetzten Lockdown oder durch neue Verbote zu erreichen, seien der falsche Weg. Klimaschutz gelinge nur durch technische Innovationen.

„Europa braucht diesen Innovationswettbewerb und eine aktive Industriepolitik, um die Klimaziele zu erreichen und gleichzeitig Wachstum und Beschäftigung zu sichern“, sagte Müller. Das Jahr 2021 werde für die Autoindustrie in Deutschland und Europa entscheidend für die Zukunft sein.

Müller forderte erneut, das europäische Ladesäulennetz für E-Autos auszubauen sowie die Erweiterung der EU-Mobilitätsstrategie um synthetische Kraftstoffe und den Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur: „75 Prozent der Ladeinfrastruktur in der EU finden wir aktuell in nur drei Staaten – Niederlande, Deutschland, Frankreich – und auch nur für Pkw. Das Lkw-Netz fehlt fast völlig.“

 

Schlechte Standortbedingungen in Deutschland

Kritisch bewertet Müller derzeit die Standortbedingungen in Deutschland. Die Arbeitskosten und die Ertragssteuerbelastungen hierzulande seien überdurchschnittlich hoch. Außerdem habe Deutschland – nach dem Vereinigten Königreich – die höchsten Energiekosten in ganz Europa. Verbessert werden müsste auch der Ausbau des Mobilfunknetzes und die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltungen, die derzeit viele Abläufe verzögere und damit auf Kosten der Produktivität gehe.

 

Müller betont: „Die deutsche Automobilindustrie ist besser für die Zukunft gerüstet als der Standort Deutschland. Daher sollte die Politik die notwendigen Schritte unternehmen, um Produktion und Beschäftigung in Deutschland zu halten und zu stärken. Das große Thema des Jahres 2021 ist deshalb der Standort Deutschland und wie wir ihn wieder besser machen können.“

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