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Verbände fordern gleichberechtigten Zugang zu Autodaten

| Autor: Doris Pfaff

In einem Positionspapier setzt sich eine Verbändeallianz für einen freien und gleichberechtigten Zugang zu Fahrzeugdaten für alle Marktteilnehmer ein. Das Papier soll helfen, ein auf EU-Ebene dazu geplantes Gesetzesvorhaben zu unterstützen.

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Mit einem gemeinsamen Positionspapier fordern Verbände in Brüssel den gleichberechtigten Zugang zu Autodaten für alle Marktteilnehmer.
Mit einem gemeinsamen Positionspapier fordern Verbände in Brüssel den gleichberechtigten Zugang zu Autodaten für alle Marktteilnehmer.
(Bild: Continental)

In einem gemeinsamen Positionspapier setzen sich unter anderem der ADAC, die Dekra, der VdTÜV und der ZDK für den freien und gleichberechtigten Zugang zu Fahrzeugdaten ein. Das Papier wurde im Hinblick auf den Beginn der EU-Ratspräsidentschaft seit 1. Juli erarbeitet. Es soll den Vorbereitungsprozess für ein geplantes Gesetzesvorhaben der Europäischen Kommission zum Zugang zu Fahrzeugdaten durch eine Ergänzung der Typgenehmigungsverordnung im ersten Quartal 2021 unterstützen..

In dem Positionspapier fordern die Verbände einen gleichberechtigten Zugang aller Markteilnehmer zu fahrzeuggenerierten Daten und Funktionen durch eine im Fahrzeug integrierte, interoperable, standardisierte, sichere Telematikplattform (Open Telematics Platform, siehe unten). Nur dann könne freier Wettbewerb stattfinden, nur dann könnten die Wahlfreiheit des Verbrauchers und seine Datenhoheit gewährleistet sein. Die Verbändeallianz besteht aus ADAC, ASA, Dekra, FSD Fahrzeugsystemdaten GmbH, GDV, GVA, VdTÜV, ZKF und ZDK.

Fernzugriff nicht möglich

Hintergrund ihrer Forderung ist, dass Hersteller zunehmend ihre Autos mit Telematiksystemen ausstatten, um Fahrzeugdaten zu erhalten. Markenungebundene Werkstätten oder Werkstätten anderer Fabrikate haben dann keine Möglichkeit, per Fernzugriff an die Fahrzeugdaten zu kommen. Weder steht ihnen der direkte sogenannte Over-the-air-Zugang zu fahrzeuggenerierten Daten offen noch die Möglichkeit, Kontakt zum Kunden aufzunehmen, beispielsweise über eine wechselseitige Kommunikation via Fahrzeugdisplay zwischen Fahrer und Fahrzeug.

Um konkurrenzfähig zu bleiben, brauchen sie aber den gleichberechtigten Zugang, sagt Dominik Lutter von der ZDK-Abteilung Technik. Bliebe die Datenhoheit beim Hersteller, hätte der den alleinigen Zugang zum Kfz-Aftermarket und als einziger die Möglichkeit, auch rein datenbasierte Dienste anzubieten.

Wettbewerbschancen schaffen

Um hier gleichberechtigte Wettbewerbschancen zu schaffen, hatte sich bereits vor Jahren unter der Federführung des ZDK die nationale „Arbeitsgruppe Telematik“ gegründet, der verschiedene Interessengruppen angehören. Ihr gemeinsames Ziel ist, eine gesetzliche Regelung über den freien Zugang zu den Fahrzeugdaten für unabhängige Marktteilnehmer zu erreichen, auch auf europäischer Ebene.

Das von dieser Arbeitsgruppe verfasste Positionspapier liegt inzwischen den entscheidenden Stellen in der Politik vor und wurde mit den europäischen Dachverbänden abgestimmt. Bisher diskutiert werden verschiedene technische Konzepte für den zukünftigen Umgang mit Fahrzeugdaten.

OTP als beste Lösung

Die beste Lösung wäre aus Sicht des ZDK und der Arbeitsgruppe die OTP (Open Telematics Platform). Eine OTP ist eine im Fahrzeug integrierte und standardisierte Plattform, über die Dienstleister und Hersteller Applikationen im Fahrzeug ausführen und Daten abrufen können.

„Der Vorteil bei der OTP-Lösung ist, dass darüber nicht nur Fahrzeugdaten und Funktionen abrufbar wären, sondern auch die Kommunikation des Fahrers über das fahrzeugeigene Display mit der Werkstatt seiner Wahl möglich ist“, sagt Lutter. Nur so sei ein diskriminierungsfreier Wettbewerb gegeben. Auch aus Verbrauchersicht bedürfe es einer rechtlichen Regelung. Bislang können Verbraucher nicht selbst bestimmen, mit wem sie die von ihren Fahrzeugen erzeugten Daten teilen möchten.

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Über den Autor

 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik