Zwölfpunkteplan: So will die DUH die deutsche Autoindustrie retten

Verein fordert Verkaufsstopp für SUVs

| Autor: Yvonne Simon

DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.
DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. (Bild: Robert Lehmann / DUH)

Die deutsche Automobilindustrie erlebt derzeit ihren Niedergang – so beschreibt zumindest der Verein Deutsche Umwelthilfe (DUH) in einer am Dienstag veröffentlichten Pressemeldung die derzeit angespannte Situation in der Branche. Und legt gleichzeitig einen Zwölfpunkteplan vor, wie der Untergang gestoppt und die rund 800.000 Arbeitsplätze gerettet werden könnten.

Als Indikator für die Dramatik der Misere macht die DUH die zahlreichen Absagen internationaler Autobauer auf der IAA 2019 aus, die zu einer „regionalen Hausmesse für BMW, Daimler und Volkswagen zusammengeschrumpft“ sei. Die „falsche Schwerpunktsetzung auf Klimakiller-Fahrzeuge“ habe „zur Absage anderer europäischer, asiatischer und innovativer US-Autobauer“ geführt.

Die deutschen Hersteller setzten also nach Aussage des Vereins zu stark auf SUVs anstatt auf alternative Antriebe und hätten im Bereich Elektrifizierung international den Anschluss verloren. Gebe es kein Umdenken bei BMW, Daimler und VW, würden diese Unternehmen „in wenigen Jahren nur mehr ein Nischendasein als Hersteller für Oldtimer-Ersatzteile spielen“, prognostiziert Geschäftsführer Jürgen Resch.

Neben den Autobauern seien auch die Bundesregierung und die Verbraucher gefragt. Letztere fordert die DUH dazu auf, keine Neuwagen ohne effizienten Elektromotor mehr zu kaufen. „Alternativ sollten sie ihr aktuelles Fahrzeug so lange weiter nutzen. Wir drängen daher vehement darauf, dass bereits zugelassene Diesel-Pkw mittels Hardware-Nachrüstung überall fahren dürfen", so die Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH, Barbara Metz. In den zwölf ausformulierten Punkten ist allerdings auch davon die Rede, dass Verbraucher am besten gar keine Pkw anschaffen sollten.

Forderungen an Hersteller, Regierung und Verbraucher

Trotzdem beschreibt die Umwelthilfe den Zwölfpunkteplan nicht nur als Maßnahmen für Klimaschutz, sondern auch für eine zukunftsfähige Automobilindustrie. Die ersten vier Punkte beziehen sich laut DUH auf die Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit der Autobauer, während sich die Forderungen fünf bis elf an die Bundesregierung richten. Der letzte Punkt soll schließlich die Verbraucher ansprechen.

  • 1. Noch vor der Eröffnung der IAA sollten die deutschen Autokonzerne gegenüber der Öffentlichkeit alle verbauten Abschalteinrichtungen (defeat devices entsprechend der EU-Verordnung 715/2007) offenlegen, unabhängig davon, ob sie diese selbst für legal halten oder sie schon von Gerichten oder Behörden als illegal eingestuft wurden.
  • 2. Ebenfalls vor der IAA sollten die Autobauer ihr Einverständnis geben, dass das Bundesverkehrsministerium und das Kraftfahrt-Bundesamt alle relevanten Diesel-Akten und Messprotokolle der realen Abgas- und CO2-Emissionen der von der Diesel-Abgasaffäre betroffenen Fahrzeuge veröffentlichen dürfen.
  • 3. Die Hersteller sollen sich vor der IAA verpflichten, an allen Diesel-Pkw der Abgasnorm Euro 5 und Euro 6 für die Besitzer kostenfreie Hardwarenachrüstungen durchzuführen.
  • 4. Die Konzerne sollen sich zur Einstellung der Entwicklung beziehungsweise zu einem Verkaufsstopp „von besonders klimaschädigenden SUV-Modellen“ verpflichten.
  • 5. Reine Verbrenner-Pkw sollen ab 2025 nicht mehr zugelassen werden. Für ausreichend Nachfrage müsse gesorgt werden.
  • 6. Das KBA soll umstrukturiert werden: Die Zuständigkeit für Kontrollen zur Einhaltung von CO2- oder Abgasvorschriften im Betrieb auf der Straße müsse auf das Umweltbundesamt übertragen werden.
  • 7. „Pro Betrugsdiesel“ müssten 5.000 Euro Ordnungsstrafe gegenüber allen Herstellern und Importeuren verhängt werden.
  • 8. Die „Täuschung von aktuell über 3 Millionen Fahrzeugkäufern, denen die CO2-Emissionen erst nach der Zulassung mit dem Kfz-Steuerbescheid mitgeteilt werden“ müsse beendet werden.
  • 9. Es müssten unmittelbar wirksame Anreize für die Autoindustrie geschaffen werden, effiziente und attraktive batterieelektrische Fahrzeuge zu entwickeln. Die Dieselkraftstoff-Subventionierung müsse beendet werden und die Kfz-Steuer mit einer Bonus-Malus-Regelung entsprechend der realen CO2-Emissionen geändert werden.
  • 10. Um die Wettbewerbsfähigkeit von E-Fahrzeugen zu erhöhen und um die Digitalisierung bezüglich teilautonomer Fahrerassistenzsysteme zu ermöglichen, brauche es Tempolimits von 120 km/h auf der Autobahn, 80 km/h außerorts und eine Richtgeschwindigkeit von 30 km/h in den Städten.
  • 11. Dienstwagen, deren CO2-Emissionen über dem jeweiligen EU-Jahreszielwert liegen, sollen nicht absetzbar sein.
  • 12. Verbraucher sind zu einem „Verbrenner-Fasten“ aufgerufen: Sie sollen keine neuen Fahrzeuge mit reinem Verbrennungsmotor als Antrieb kaufen. Idealerweise sollten sie komplett auf einen Pkw verzichten und auf den ÖPNV beziehungsweise das Fahrrad umsteigen. Falls das nicht möglich ist, sollten sie E-Autos mit niedrigem Stromverbrauch anschaffen oder den Neukauf so lange aufschieben, bis ein geeignetes Fahrzeug angeboten wird.

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