Suchen

Verband: „Aufwachen, bevor der Vertrag ausläuft!“

| Autor: Martin Achter

Vielen Markenbetrieben droht der Verlust ihrer Verträge. Autohäusern, die deswegen in den Handel mit EU-Fahrzeugen einsteigen wollen, will sich der Bundesverband freier Kfz-Importeure als Ansprechpartner präsentieren. Geschäftsentwickler Uwe Buchmann rät, einen solchen Schritt gut zu planen.

Firma zum Thema

Uwe Buchmann ist Leiter Geschäftsentwicklung beim Bundesverband freier Kfz-Importeure.
Uwe Buchmann ist Leiter Geschäftsentwicklung beim Bundesverband freier Kfz-Importeure.
(Bild: BfI)

Ist das Geschäft mit EU-Fahrzeugen eine tragfähige Alternative zum Händlervertrag? Uwe Buchmann, Leiter Geschäftsentwicklung beim Bundesverband freier Kfz-Importeure (BfI), empfiehlt im Interview Autohäusern, denen der Verlust ihres Vertrags droht oder die diesen abgeben wollen, für einen Umstieg die nötige Zeit einzuplanen.

Redaktion: Herr Buchmann, aktuell macht der BfI mit Werbung auf sich aufmerksam. Viele im Kfz-Gewerbe dürften den Verband aber nicht kennen. Bitte beschreiben Sie kurz: Wessen Interessen vertritt der BfI?

Uwe Buchmann: Der BfI ist die Interessenvertretung aller Unternehmen, die – direkt oder indirekt – Fahrzeuge nach Deutschland importieren oder importierte Fahrzeuge dort verkaufen. Dazu gehören kleine und größere Händler, die mit EU-Neuwagen handeln und an Endkunden verkaufen oder diese an andere Händler weitervermarkten, aber auch Multimarken-Systemanbieter, die EU-Neu- und -Gebrauchtwagen in größerem Umfang einführen und diese on- und offline Händlern anbieten. Das kleinste Mitgliedsunternehmen verkauft jährlich 50 Fahrzeuge, das größte 15.000. Zusammen stehen wir für etwa 100.000 verkaufte Autos pro Jahr. Zu den aktuell 110 Mitgliedern gehören auch Branchendienstleister.

Und wem gegenüber macht sich der BfI für seine Mitglieder stark?

Zum Beispiel gegenüber Herstellern und Importmarken, wenn diese Fahrzeuglieferungen behindern. Daneben betreiben wir eine Schlichtungsstelle, an die sich Verbraucher wenden können, wenn Sie unzufrieden sind. Und in Berlin und Brüssel bei der EU sind wir ebenfalls aktiv, beispielsweise in Fragen der Angleichung von Fahrzeugpapieren und hinsichtlich Zulassungsmodalitäten. Dabei unterstützen uns und unsere Mitglieder kompetente Steuerfachleute und Fachanwälte – natürlich auch gegenüber Abmahnvereinen.

Warum wirbt der BfI ausgerechnet jetzt um neue Mitglieder?

Viele Markenhändler und offizielle Servicepartner verlieren in absehbarer Zeit ihre Verträge durch Kündigungen, oder sie geben diese ab. Wir wollen diese Händler unterstützen, uns als Beratungspartner präsentieren und zeigen, dass der Handel mit EU-Fahrzeugen eine lukrative Alternative ist – dass der Umstieg auf dieses Geschäft aber auch gewisse Erfordernisse mit sich bringt. Betriebe müssen jetzt aufwachen und aktiv werden, bevor ihr Händler- oder Servicevertrag ausläuft, wenn sie langfristig und erfolgreich in diesem Geschäft vertreten sein wollen.

Warum?

Am deutlichsten wird dies bei der Frage nach der Finanzierung des Geschäfts: Wer beispielsweise zum 30. Juni seinen Vertrag verliert, sollte nicht erst in der Woche zuvor einen Termin bei seinen Banken haben. Sonst streichen diese ihm höchstwahrscheinlich von hinten eine Null bei seinen Kreditlinien. Händler müssen unter Beweis stellen können, dass ihr neues Geschäftsmodell schon funktioniert, wenn Sie mit den Banken sprechen. Wer nicht beweisen kann, dass er einen funktionierenden „Business Case“ und reale Geschäftsbeziehungen aufgebaut hat, hat dann ein echtes Problem. Wir als Verband können Händlern eine Infrastruktur bieten, zu der unter anderem auch Kooperationen mit Banken gehören.

Neben dem BfI vertreten auch andere Verbände die Interessen von Händlern. Warum sollten Händler ausgerechnet bei Ihnen Mitglied werden?

Nur wir haben als Verband eine Spezialisierung auf das internationale Geschäft und den Fokus auf den Import von preislich interessanten Fahrzeugen. Wir haben seit vielen Jahren ein Netzwerk von Experten in diesem Bereich aufgebaut, liefern mit diesen nachhaltige und belastbare Lösungen für Probleme unserer Mitglieder und unterstützen Letztere auch bei der Umsetzung von neuen Geschäftsideen.

Wie stehen Sie zur Zusammenarbeit mit anderen Verbänden?

Da sind wir vollkommen offen. Wir sind nicht abgeneigt gegenüber einer Zusammenarbeit und bereit, in Kontakt zu treten. Die anderen Branchenverbände haben meist eine nationale Ausrichtung. Wir sind national und international unterwegs. Hier sehe ich verschiedene Möglichkeiten der wechselseitigen Ergänzung. Der Handel mit EU-Fahrzeugen hat sich in den vergangenen Jahren professionalisiert. Manche Händler treten heute sogar als Plattformbetreiber auf, über die andere Händler Fahrzeuge konfigurieren, finanzieren und beziehen können. Aktuell suchen Importeure von chinesischen Fahrzeugen den Kontakt zu uns. Wir können also auf vielen Ebenen als Ansprechpartner und Türöffner dienen. Und durch das neue Freihandelsabkommen mit Japan werden weitere Akteure und Aufgaben auf uns zukommen.

(ID:45743094)

Über den Autor

 Martin Achter

Martin Achter

Redakteur Management & Handel bei »kfz-betrieb«