Abgasnormen Verbrauchsüberwachung ab 2021 verpflichtend

Autor: Jan Rosenow

Ab 1. Januar 2021 müssen alle Neuwagen die Abgasnorm Euro 6d-ISC-FCM erfüllen. Da die EU jüngst die CO2-Ziele verschärft hat, könnte der Verbrauchsaufzeichnung schnell große Bedeutung zukommen.

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Autos ermitteln den Durchschnittsverbrauch schon heute. Zukünftig müssen sie ihn speichern und auslesbar machen.
Autos ermitteln den Durchschnittsverbrauch schon heute. Zukünftig müssen sie ihn speichern und auslesbar machen.
(Bild: Rosenow/»kfz-betrieb«)

Am 11. Dezember 2020 hat sich der Europäische Rat für ein deutlich ambitionierteres Klimaschutzziel entschieden. Statt um 40 Prozent sollen die Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um 55 Prozent sinken. Basis ist die Gesamtemission von 1990.

Damit rückt der Verkehrssektor noch stärker als ohnehin schon ins Blickfeld. Die neueste Stufe der Abgasgesetzgebung gilt ab 1. Januar 2021 für alle Neuzulassungen. Die EU hat so die Basis dafür geschaffen, auch die CO2-Emissionen der Fahrzeuge im Kundenhand zu kontrollieren.

Die Abgasnorm Euro 6d-ISC-FCM ist seit Januar 2020 für neu homologierte Modelle in Kraft und die letzte der vielen 6d-Evolutionsstufen. Weiterhin bleiben die eigentlichen Grenzwerte gleich, nur die geforderte Ausstattung der Fahrzeuge ändert sich. Die Emissionsschlüsselnummer in den Fahrzeugpapieren lautet 36AP.

Noch keine Vorschriften für die Auswertung der Verbrauchsdaten

Das Kürzel ISC steht für In-Service-Conformity-Tests. Das heißt: Der Fahrzeughersteller muss anhand von Stichproben nachweisen, dass Pkws auch im Betrieb die gesetzlichen Vorgaben einhalten – und zwar für mindestens fünf Jahre und 100.000 Kilometer.

Der Zusatz FCM markiert die neueste Vorschrift: Alle Pkws müssen ab 2021 mit einem Fuel-Consumption-Monitoring-System (FCM) ausgestattet sein, das den realen Kraftstoff- bzw. Stromverbrauch über den gesamten Fahrbetrieb im Pkw speichert. Über die Diagnoseschnittstelle können diese Werte ausgelesen und bewertet werden.

Ein weiterer gesetzlicher Schritt betrifft die Emissionen im realen Fahrbetrieb (RDE, Real Driving Emissions): Sie dürfen ab dem 1. Januar die Prüfstandswerte nur noch um maximal 43 Prozent (für Stickoxide) oder 50 Prozent (für die Partikelzahl) überschreiten. Diese „Zugabe“ zu den Grenzwerten nennt man Konformitätsfaktor.

Mit dem Auslesen der Verbrauchsdaten will die EU die Abweichungen zwischen dem Typzulassungswert und dem realen Verbrauch überprüfen. Allerdings: Bis heute ist noch nicht festgelegt, von wem, wann und wo die Daten ausgelesen und verwertet werden sollen. Zudem gibt es bis heute keine gesetzlichen Grenzwerte für den Kraftstoffverbrauch, die auf das einzelne Fahrzeug bezogen sind. Sprich: Es fehlt die Analogie zu den Limits für die Schadstoffe. Die einzige Regel, an die sich die Hersteller halten müssen, ist der Durchschnittswert von 95 Gramm pro Kilometer für die gesamte Neuwagenflotte. Auch die RDE-Regeln gelten lediglich für die Partikelzahl und die Stickoxidemissionen.

Drohen RDE-Limits für die CO2-Emission?

Diese Regulierungslücke könnte zum nächsten großen Problem für die Automobilindustrie werden – vor allem vor dem Hintergrund der verschärften Klimaziele der EU. Umweltverbände könnten fordern, die RDE-Limits auch auf den CO2-Ausstoß auszuweiten. Und würde der Konformitätsfaktor mit der nächsten Stufe der Abgasgesetzgebung Euro 7 tatsächlich abgeschafft, dann dürften Autos nicht nur in keiner Fahrsituation mehr Schadstoffe ausstoßen als im WLTP-Test. Sondern auch der Kraftstoff- oder Stromverbrauch müsste unter allen Umständen gleich bleiben. Eine fast unlösbare Aufgabe für die Automobilentwickler.

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Über den Autor

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Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group