Verbund „Premium-Zulasser“ will Marktführer angreifen

Autor: Yvonne Simon

Die 2018 gegründete Genossenschaft plant, die Anzahl ihrer Mitglieder deutlich auszubauen. Dadurch soll dem Vorstandsvorsitzenden Florian Cichon zufolge ein „weiterer Goliath“ in der Branche entstehen. Autohäuser sollen durch günstige Preise und ein IT-Tool profitieren.

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Florian Cichon, Vorstandsvorsitzender von Premium-Zulasser: „Wir wollen ein möglichst großes Stück vom Zulassungskuchen abbekommen.“
Florian Cichon, Vorstandsvorsitzender von Premium-Zulasser: „Wir wollen ein möglichst großes Stück vom Zulassungskuchen abbekommen.“
(Bild: Premium-Zulasser)

Die Kölner Genossenschaft „Premium-Zulasser“ möchte wachsen. In zwei Jahren will der Verbund etwa 100 lokale und regionale Zulassungsdienste als Mitglieder zählen, wie der Vorstandsvorsitzende Florian Cichon gegenüber »kfz-betrieb« bestätigte.

Premium-Zulasser wurde 2018 von einer Gesellschaft des TÜV-Rheinland gegründet. Seit gut einem halben Jahr ist der Verbund, der aktuell 24 Mitglieder hat, nun am Markt aktiv. Ziel sei es, die Marktposition und Wirtschaftskraft der kleineren Zulasser zu stärken, die dabei eigenständig bleiben. „Wir wollen ein möglichst großes Stück vom Zulassungskuchen abbekommen“, sagt Cichon.

„Die Davids formieren sich zu einem weiteren Goliath“

Über viele Jahre hätten die beiden größten Wettbewerber, Kroschke und Tönjes, den Vorteil gehabt, ihre Dienste bundesweit anbieten zu können. „Damit ist es seit der Gründung unserer Genossenschaft vorbei“, so Cichon. Die Großen verdrängen zu wollen, sei vermessen, aber man wolle den Abstand zu ihnen deutlich verringern: „Die Davids formieren sich zu einem weiteren Goliath.“

Läuft alles nach Plan, dann würden die angepeilten 100 Mitglieder pro Jahr rund fünf Millionen An-, Ab- und Ummeldungen bearbeiten. „Damit entspräche unser Anteil am Marktvolumen rund 25 Prozent, und wir hätten uns unter den Top-Drei der Branche etabliert.“

Kunden überzeugen will der Verbund durch Leistung, aber auch über den Preis. „Wer bundesweite Ausschreibungen gewinnen will, muss mit spitzem Bleistift kalkulieren. Nur die Leistungen der Zulassungsstellen unterliegen einer Gebührenordnung“, sagt Cichon. Die konkreten Preise seien Verhandlungssache.

Eigenes Online-Tool

Außerdem hebt der Vorstandsvorsitzende das eigens entwickelte IT-Tool „Premium-Zulasser.online“ hervor, in das die Genossenschaft eine halbe Million Euro investiert hat. Darüber soll der Zulassungsprozess inklusive Auftragsannahme, -bearbeitung und -steuerung vollelektronisch abgewickelt werden können. Außerdem seien Cichon zufolge alle Arbeitsschritte einer Zulassung digital abrufbar, ebenso wie die Daten für die Entwicklung neuer Geschäftsaktivitäten.

Autohäuser sollen zum Beispiel von der Dokumentenerstellung per Software sowie der digitalen Rückführung von gescannten Dokumenten in ihre Archivsysteme und einer einfachen Bedienung profitieren. Alle Vorgänge sollen sich mit wenigen Klicks bearbeiten lassen.

Zulassungsstellen könnten von dem Tool laut Premium-Zulasser profitieren, wenn sie Schnittstellen zur Datenübertragung zulassen würden. „Diesbezüglich gibt es in vielen Behörden leider immer noch Vorbehalte, die wir nicht nachvollziehen können“, ärgert sich Cichon. Grundsätzlich lasse sich mit der Software je nach Einsatzort ein Effizienzpotenzial von bis zu 40 Prozent realisieren. Derzeit befinde sich der Verbund im Gespräch mit Zulassungsstellen, um einen Modellversuch für eine effizientere Zulassung zu starten.

Ein Pilotprojekt in dieser Richtung hat Konkurrent Kroschke bereits am Laufen: Das Unternehmen testet mit einer Ausnahmegenehmigung in Hamm derzeit das Projekt „Cartrust“, das eine automatisierte Zulassung ohne das Versenden von Dokumenten ermöglichen soll.

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Redakteurin Management & Handel