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Verkehrsexperten legen beim Tempolimit nach

| Autor / Redakteur: dpa / Andreas Grimm

Der Vorschlag eines generellen Tempolimits auf deutschen Autobahnen sorgt für weiteren Streit zwischen den Befürwortern und Gegnern in den bekannten politischen Lagern. Unabhängige Experten schlagen sich nun auf die Seite der Befürworter.

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(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Der Vorschlag einer Regierungskommission, ein Tempolimit in Deutschland einzuführen, schlägt trotz der recht undifferenzierten Ablehnung von Verkehrsminister Andreas Scheuer hohe Wellen. Von „überflüssig“ bis „Gebot der Vernunft“ reichen die Stellungnahmen – allerdings aus wenig überraschenden Richtungen.

Nachdem Scheuer den Vorschlag von Experten der Regierung kurzerhand als „gegen jeden Menschenverstand“ abqualifiziert hatte, ist ihm auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weill zur Seite gesprungen, zumindest ein wenig. Er hält ein gesetzliches Tempolimit von 130 Kilometern in der Stunde in Deutschland für überflüssig.

Der Grundtenor von Weill, in dessen Bundesland immerhin der VW-Konzern der größte Arbeitgeber ist, dürfe Scheuer gefallen, die Begründung eher weniger: Eine solche Begrenzung sei faktisch längst Realität, sagte Weill unter Verweis auf volle Autobahnen und ständige Staus. Es gebe de facto fast bei keiner Fahrt mehr eine Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 130 km/h.

Direkten Gegenwind bekommt Scheuer dagegen von Verkehrsexperten im Vorfeld des Deutschen Verkehrsgerichtstags in Goslar. Nur ein Tempolimit könne die Zahl der Verkehrstoten weiter senken, sagte etwa der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Michael Mertens. Ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen halten Unfallforscher zumindest für diskussionswürdig. Siegfried Brockmann, Leiter des Verkehrsgerichtstags, wies darauf hin, dass „die Geschwindigkeitsdifferenzen zwischen den Fahrspuren immer mehr zunehmen“.

Ex-Grünenchef Cem Özdemir bezeichnete ein Tempolimit als „Gebot der Vernunft“. Die Grünen fordern seit Jahren ein Tempolimit. Sie verweisen darauf, dass Autos mehr verbrauchen und damit mehr CO2 ausstoßen, wenn sie schneller fahren. Zudem gebe es bei hohen Geschwindigkeiten mehr schwerere Unfälle und einen schlechteren Verkehrsfluss. Özdemir sagte am Dienstag im ARD-Morgenmagazin, ihm sei bewusst, dass seine Partei mit ihrer Forderung und solchen Argumenten keine Mehrheit habe. Die Debatte werde in Deutschland „leider sehr irrational geführt“.

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