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Verkehrsforscher favorisieren Streckenradar

| Autor / Redakteur: dpa / Andreas Grimm

Die Geschwindigkeitsüberwachung per „Section Control“, bei der das Durchschnittstempo von Fahrzeugen gemessen wird, findet neue Anhänger. Sie sehen nicht zuletzt Sicherheitsvorteile durch die Technik, der Datenschutz sei nicht in Gefahr.

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Möglicherweise ein Auslauf-Modell: Statt punktueller Geschwindigkeitskontrollen favorisieren Verkehrsforscher die Überwachung der Durchschnittsgeschwindigkeit.
Möglicherweise ein Auslauf-Modell: Statt punktueller Geschwindigkeitskontrollen favorisieren Verkehrsforscher die Überwachung der Durchschnittsgeschwindigkeit.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Sie sind derzeit das beliebteste Spielzeug der Geschwindigkeits-Überwacher: die Streckenradar-Kontrollen. Weil damit aber eine sensible Datenmenge erhoben wird, ist diese Methode durchaus umstritten. Nun hat sich der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) für die Methode stark gemacht. Die als Section Control bezeichneten Anlagen sollten auf Abschnitten von Autobahnen und Bundesstraßen installiert werden, auf denen es besonders häufig zu Unfällen durch überhöhte Geschwindigkeit kommt, sagte DVR-Sprecherin Julia Fohmann im Vorfeld des 57. Deutschen Verkehrsgerichtstags (VGT) in Goslar.

Die Abschnittskontrolle habe den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu stationären Messungen nicht die Geschwindigkeit zu einem einzigen Zeitpunkt misst, sondern das Tempo über eine längere Strecke ermittelt, sagte Fohmann. In Belgien, den Niederlanden und Österreich wird die Technik seit Jahren mit Erfolg genutzt. Bei Section Control werden am Beginn und am Ende des Abschnitts die Fahrzeuge automatisch digital fotografiert. Zudem wird die Zeit für das Durchfahren des Abschnitts gemessen, um das Durchschnittstempo zu ermitteln.

Während in anderen Ländern das Abfotografieren der Autos für den Datenschutz kein Problem darstellt, muss in Deutschland ein Schritt zwischengeschaltet werden. Das erste, bei der Einfahrt erstellte Foto wird zunächst verschlüsselt, ebenso wie das zweite Foto beim Verlassen des Abschnitts. Nur wenn der Abgleich beider Bilder eine Tempoüberschreitung ergibt, wird ein weiteres, klassisches Blitzer-Foto mit dem Gesicht des Fahrers angefertigt.

Herkömmliche Blitzer als Unfallursache?

Vor zehn Jahren hatte sich der Verkehrsgerichtstag für eine Versuchsstrecke ausgesprochen. Erst kürzlich hat Niedersachsen das bundesweit erste Streckenradar in Betrieb genommen. Auf einem 2,2 Kilometer langen Abschnitt der B6 nahe Laatzen bei Hannover werden seit dem 14. Januar Geschwindigkeitsüberschreitungen kontrolliert und geahndet.

Internationale Erfahrungen zeigten, dass mit Section Control eine deutliche Reduktion der Unfallzahlen erzielen werden kann, sagte der Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV), Siegfried Brockmann.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) plädierte dafür, Abschnittskontrollen zum Beispiel vor Autobahnkreuzen, in Tunneln und Baustellen zu installieren. „Wenn die Messung deutlich angekündigt wird, ist das für die Verkehrsteilnehmer transparent“, sagte der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Michael Mertens. Der Einsatz von herkömmlichen Blitzern bedeute oft eine zusätzliche Unfallgefahr, weil die Fahrzeuge kurz vor dem Blitzer abrupt bremsten, um danach wieder zu beschleunigen.

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