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Verkehrsminister wirbt für Innovationen

Autor / Redakteur: Holger Zietz / Christoph Baeuchle

Grüner Minister trifft Autobranche – das sorgt für Zündstoff. Oder für konstruktive Vorschläge, wie beim Herbstforum der Kfz-Innung Region Stuttgart zu erleben war.

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Fahrrad oder Auto? (v.li.) Geschäftsführer Christian Reher und Obermeister Torsten Treiber (beide Innung Region Stuttgart) sowie der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann.
Fahrrad oder Auto? (v.li.) Geschäftsführer Christian Reher und Obermeister Torsten Treiber (beide Innung Region Stuttgart) sowie der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann.
(Foto: Zietz)

Das Automobil prägt den Alltag der schwäbischen Landeshauptstadt Stuttgart: nicht nur in den Fabriken der großen Hersteller, sondern auch auf den Straßen in Form von Staus. Hier sind Lösungen gefragt: „Das Auto wird noch lange eine bedeutende Rolle für unsere Mobilität spielen, aber es wird ein anderes Auto sein“, sagte Winfried Hermann, Verkehrsminister Baden-Württemberg, auf dem Herbstforum 2014 der Kfz-Innung Region Stuttgart. Das Automobil der Zukunft sei klimaneutral, vernetzt und werde auch mal stehen gelassen, wenn der öffentliche Nahverkehr besser sei.

Dass Hermann nicht die in der Automobilbranche typischen Positionen vertritt, ist klar. Entsprechend mutig war es von der Innung, den Verkehrsminister einzuladen. Und genauso mutig war es von dem grünen Politiker, die Einladung anzunehmen. Statt das Auto abzuschaffen, forderte er, es weiterzuentwickeln. „Wer rechtzeitig grüne Fahrzeuge auf den Markt bringt und diese neuen Autos warten und reparieren kann, der schützt das Klima und sichert den Standort Baden-Württemberg und die Arbeitsplätze in der Branche.“ Statt auf Konfrontation setzte Hermann beim Herbstforum also auf Kooperation.

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Grüne Position heißt auch: Schadstoffausstoß senken bis gegen null, wenn Elektroautos mit regenerativer Energie fahren; Fahrzeuge intelligent vernetzen, neue Nutzungsformen wie Carsharing und Fahrradleihsysteme schaffen. Weltweit, beschrieb Winfried Hermann, herrsche Einigkeit, dass die „postfossile Mobilität“ komme und der „herkömmliche, autobasierte Individualverkehr“ andere Fahrzeuge brauche, weil irgendwann das Öl ausgehe.

Doch auch Elektroautos brauchen Straßen, wie Innungsgeschäftsführer Christian Reher bemerkte. Dass der Verkehrsminister dafür ist, auch mal das Auto stehen zu lassen und auf Alternativen umzusteigen, bestätigte Hermann auf Nachfrage von Obermeister Torsten Treiber. Seine Vision ist ein elektrisch betriebenes Bus- und Bahnsystem, induktiv geladen, im dichten Takt und vernetzt – eines, das bisherige Autonutzer lockt.

Dem Autohändler muss deswegen trotzdem nicht davor grausen, dass er Kunden fürs PTM („persönliches Transportmodul“, so Hermann über Zukunftsauto) verliert, das in dieser neuen Mobilitätswelt den Pkw („persönlicher Kraftwagen“) ersetzt. Denn, so die Logik: Wenn nicht alle im PTM unterwegs sind, ist mehr Platz für die, die im PTM unterwegs sind. Wenn neue Autos gefragt sind, weil den alten die notwendige Ausstattung fehlt, besteht auch Ersatzbedarf – sprich die Chance, Autos zu verkaufen.

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