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Verkehrsmittelwahl: ÖPNV verliert, Zweirad gewinnt

Autor / Redakteur: spx/gr / Andreas Grimm

Vor Corona zeigten sich immer mehr Deutschen zugunsten sauberer Luft in den Städten dazu bereit, schon mal das Auto stehen lassen. Doch dann kam die Pandemie. Statistiker haben sich die Nutzung von Verkehrsmitteln nun genauer angesehen.

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In der Corona-Krise meiden viele Menschen den öffentlichen Nahverkehr. Aber nicht jede ausgefallene Fahrt mit den „Öffis“ kommt dem Auto zugute.
In der Corona-Krise meiden viele Menschen den öffentlichen Nahverkehr. Aber nicht jede ausgefallene Fahrt mit den „Öffis“ kommt dem Auto zugute.
(Bild: Messe Berlin)

Die Gewissheit, das Auto sei der Deutschen liebstes Kind, hat in der Vor-Corona-Zeit deutliche Dämpfer bekommen. Öffentliche Verkehrsmittel, Carsharing und Mitfahrmöglichkeiten wurden beliebter. Doch nun, im ersten Halbjahr, ist das Fahrgastaufkommen der Öffentlichen Verkehrsmittel stark eingebrochen. Im Fernverkehr mit Bussen und Bahnen waren mit 45 Millionen Personen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) 46 Prozent weniger unterwegs als im gleichen Zeitraum 2019. Die Corona-Krise führte insbesondere im 2. Quartal zum Einbruch der Fahrgastzahlen: Von April bis Juni 2020 waren drei Viertel (-75 %) weniger Personen im Fernverkehr mit Bussen und Bahnen unterwegs als im Vorjahreszeitraum.

Der unsichtbare Feind namens Corona-Virus hat das Auto, soweit die Menschen denn überhaupt unterwegs waren, zur gefühlt sicheren Alternative werden lassen. Dennoch sind die Vorbehalte gegen den Individualverkehr vermutlich nicht verschwunden. Vor der Krise wollten laut einer repräsentativen Umfrage des Mautbetreibers und Verkehrslogistikers Kapsch Trafficcom immerhin 62 Prozent der Bundesbürger, das Autofahren zu bestimmten Zeiten einschränken, um die Luftqualität in den Städten zu verbessern. Und 87 Prozent wollen die Verkehrsemissionen mit umweltfreundlichen Verkehrslösungen verringern.

Im Nahverkehr sind die Rückgänge im 1. Halbjahr 2020 laut Destatis noch nicht endgültig zu bemessen. Bei den derzeit gemeldeten Daten für den Liniennahverkehr mit Bussen (-22 % im 1. Halbjahr und -36 % im 2. Quartal) und Straßenbahnen (-24 %/-41 %) ist demnach davon auszugehen, dass diese die tatsächlichen Rückgänge nicht vollständig abbilden – unter anderem, weil im Nahverkehr viele Fahrgäste Zeitkarten besitzen, diese aber vermutlich aufgrund der Pandemiesituation vergleichsweise selten nutzten. Nach vorläufigen Ergebnissen waren im Eisenbahn-Nahverkehr mehr als ein Drittel (-37 %/-59 %) weniger Menschen unterwegs.

Winter spielt dem Auto in die Karten

Trotzdem suchen die Menschen nach Ausweichmöglichkeiten zum Auto: „Einen Boom sehen wir dagegen mit dem sprunghaften Umstieg auf Fahrrad und E-Bike“, schreiben die Kapsch-Verkehrsexperten. Für die Wintermonate werde diese Personengruppe allerdings wieder verstärkt aufs Auto zurückgreifen, vermuten sie, da „viele Menschen öffentliche Verkehrsmittel auch weiterhin nach Möglichkeit meiden“ werden. Allerdings wird die Zahl der Verkehrsbewegungen grundsätzlich sinken.

Darauf deuten unter anderem Mobilfunkdaten hin, die das Statistische Bundesamt ausgewertet hat. Laut diesen Ergebnissen ging die Mobilität im zweiten Quartal über alle Fortbewegungsarten hinweg um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück. Im April gab es 88 Prozent weniger täglichen Fahrten im Bahnfernverkehr. Bis Anfang August stiegen die Zahlen wieder, auf rund 30 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Seitdem ist ein erneuter Rückgang zu beobachten, im Oktober liegen die täglich zurückgelegten Fahrten im Bahnfernverkehr wieder bis zu 50 Prozent unter den Vorjahreswerten.

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