Verkehrswende wird immer drängender – und wahrscheinlicher

Autor / Redakteur: dpa / Andreas Grimm

Noch mehr CO2 einsparen als bisher geplant? Laut einer Untersuchung ist ein solches Szenario machbar – allerdings müssten klimafreundliche Technologien dann sofort eingesetzt werden. Und das nicht nur in der Autobranche.

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Um die europäischen Klimaziele zu erreichen, ist die Autoindustrie ebenso gefordert wie die Energieerzeuger und andere Wirtschaftszweige.
Um die europäischen Klimaziele zu erreichen, ist die Autoindustrie ebenso gefordert wie die Energieerzeuger und andere Wirtschaftszweige.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die erwogene Verschärfung des EU-Klimaziels für 2030 bedeutet einer Studie zufolge eine drastische Energie- und Verkehrswende. So müssten in zehn Jahren 60 bis 88 Prozent aller Neuwagen ohne klimaschädliche Abgase fahren, wolle die Europäische Union ihre Treibhausgase um 55 Prozent im Vergleich zu 1990 drücken, heißt es in der Studie im Auftrag der European Climate Foundation.

Sollte das Klimaziel bei einer Einsparung von 65 Prozent liegen, wären 93 Prozent klimafreundliche Neuwagen nötig. Gleichzeitig ist nicht nur der Verkehrssektor gefordert. Auch in Gebäuden, Fabriken, Kraftwerken und der Landwirtschaft wären für beide Szenarien große Anstrengungen nötig.

Bisher hat sich die EU für 2030 eine Senkung der Treibhausgase um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 vorgenommen. Noch in diesem Jahr soll der Wert aber verschärft werden. Die EU-Kommission visiert ein neues Ziel von minus 50 bis 55 Prozent an. Im EU-Parlament stehen bis zu 65 Prozent zur Debatte, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen.

Die am Montag veröffentlichte Studie prüft systematisch die Machbarkeit eines 55- und eines 65-Prozent-Ziels und kommt zu dem Schluss: Beide Vorgaben wären grundsätzlich umsetzbar. Beim 55-Prozent-Ziel gäbe es zwei Varianten – eine, die auf sehr raschen Einsatz neuer Technologien setzt, und eine, die mit erheblicher Verhaltensänderung der Bürger rechnet. Bei einem 65-Prozent-Ziel müsste beides kombiniert werden.

In beiden Fällen stünden große Veränderungen an. Beispiele: Die Gewinnung von Strom aus Kohle müsste von zuletzt 470 Terawattstunden beim 55-Prozent-Ziel bis 2030 auf höchstens 50 Terawattstunden gedrückt werden, beim 65-Prozent-Ziel sogar nur auf 25. Jedes Jahr müssten 2,3 bis 3,5 Prozent der Wohngebäude so umfassend modernisiert werden, dass anschließend rund 80 Prozent weniger Energie gebraucht wird. Fleischkonsum müsste um 11 bis 30 Prozent sinken.

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