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Verluste setzen Ford in Europa unter Zugzwang

| Autor: Christoph Seyerlein

Eine schwache Quartalsbilanz in Europa hat die Ford-Spitze offenbar ins Grübeln gebracht. Der Hersteller arbeitet an Veränderungen für den Kontinent, auch das Modellportfolio könnte ausgedünnt werden. Medienberichten zufolge steht beispielsweise der Mondeo auf der Kippe.

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(Bild: Ford)

Bei Ford läuten nach überraschend hohen Verlusten in Europa im vergangenen Quartal die Alarmglocken. Wie der Hersteller vergangene Woche mitteilte, stand in den zurückliegenden drei Monaten auf dem Kontinent ein Verlust von 73 Millionen Dollar (rund 62 Millionen Euro) in den Büchern. Auch im Gesamtjahr rechnet Ford erstmals seit längerer Zeit wieder mit einem Verlust in Europa. Zum Vergleich: 2017 hatte der Hersteller auf dem Kontinent noch 234 Millionen Dollar (knapp 200 Millionen Euro) Gewinn gemacht.

Die Probleme in Europa schmecken Ford-Chef Jim Hackett überhaupt nicht. „Wir sind extrem unzufrieden mit unserer Leistung in Europa“, teilte er mit. Als Ursache für die Misere hat der Hersteller einerseits die neuen Emissionsanforderungen und ungünstige Wechselkursraten, vor allem beim britischen Pfund, ausgemacht.

Allerdings scheint man in der Zentrale in Dearborn auch an der eigenen Strategie zu zweifeln. Einem Bericht von „Automotive News“ zufolge erwägt Ford, das Modellangebot für Europa deutlich zusammenzukürzen. Ähnlich wie in den USA könnte sich der Hersteller künftig stärker auf SUVs, Crossover-Modelle und leichte Nutzfahrzeuge konzentrieren. Aktuell vermarktet Ford laut der Fachzeitschrift lediglich den Transit, den Kuga, den Ranger, den Edge und den Mustang profitabel.

Mehrere Modelle vor dem Aus?

Fiesta und Focus dürfte es zwar nicht an den Kragen gehen, da sie als Volumenbringer unabkömmlich für die Marke sind. Anders sieht es dem Bericht zufolge aber beispielsweise beim Mondeo aus. Sein US-Pendant Fusion läuft 2020 aus und bekommt höchstwahrscheinlich keinen Nachfolger. Offenbar droht dem Mondeo ein ähnliches Schicksal. Und auch die Van-Modelle C-Max, S-Max und Galaxy sollen auf der Kippe stehen. Ford-Vertriebschef Jim Farley heizte die Gerüchte mit folgendem Zitat noch weiter an: „Wir müssen uns in Europa neu aufstellen und uns auf unsere profitablen Geschäftsfelder fokussieren.“

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Etwas zurückhaltender drückte sich ein deutscher Ford-Sprecher auf Anfrage von »kfz-betrieb« aus. „Aktuell haben wir in Europa das breiteste Produktportfolio, das Ford jemals angeboten hat. Unsere künftigen Produktpläne kommentieren wir nicht öffentlich. Aber derzeit sind keine Veränderungen unseres Fahrzeugangebots geplant“, sagte er. Allerdings gab auch er an, dass Ford in Europa Kosten senken und effizienter arbeiten müsse. Langfristig sei es das Ziel, eine Profit-Marge von sechs Prozent zu erreichen.

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