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Verschwundene Automarken: Manchmal kommen sie wieder

| Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Saab, Lancia und Hummer sind nur einige Beispiele: Eine Vielzahl von einst glorreichen Automarken landete in der jüngeren Vergangenheit auf dem Müllhaufen der Geschichte. Doch zuletzt sind auch Fabrikate zurückgekehrt – und es könnten noch mehr wiederkommen.

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Wiesmann war bekannt für coole Sportwagen im Retro-Look. Nach dem Aus 2014 ist inzwischen aber ein neues Modell angekündigt.
Wiesmann war bekannt für coole Sportwagen im Retro-Look. Nach dem Aus 2014 ist inzwischen aber ein neues Modell angekündigt.
(Bild: Wiesmann)

Wenn man sich von Zeit zu Zeit auf den Automarkt umschaut, möchte man meinen, alles sei irgendwie beim Alten geblieben. Mercedes, Volkswagen, Peugeot, Toyota – die ewig gleichen Player dominieren das Straßenbild. Doch die Szene ist alles andere als stabil, denn allein in den vergangenen gut 30 Jahren sind immer wieder neue Autohersteller in Deutschland aufgetaucht und viele auch wieder sang- und klanglos verschwunden. Eine Bestandsaufnahme voller Zuversicht und Niederlagen.

Zu den schillerndsten Verlierern der jüngeren Vergangenheit gehören Sportwagenmarken, wie etwa die deutschen Hersteller Wiesmann und Artega. In beiden Fällen wurden faszinierende Autos in kleinen Stückzahlen gebaut, die für großes Aufsehen sorgten. Der 2009 eingeführte Artega GT musste sich allerdings auch einiges an Kritik von Autotestern gefallen lassen, und das in einer Zeit, als die Finanz-Krise in Deutschland ihrem Höhepunkt entgegensteuerte. Die in Delbrück beheimatete Artega GmbH strauchelte einige Jahre, bis dann 2012 endgültig Insolvenz angemeldet wurde. Gänzlich abgewickelt wurde die Marke noch nicht, denn mit der Präsentation neuer Autos auf Messen wurde ein Neustart mehrfach angedeutet, der allerdings weiterhin auf sich warten lässt.

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Ebenfalls einen Neustart angekündigt hat die Marke Wiesmann, die 2014 die Produktion nach einigen krisenhaften Jahren endgültig beendete. Investoren aus Großbritannien haben anschließend das Ruder übernommen und wollen ab nächstem Jahr die gut 30-jährige Tradition cooler Sportwagen aus Dülmen in moderner Form fortsetzen.

Schon einige Jahre länger wartet TVR auf ein Comeback. Ein russischer Investor manövrierte die fast 60 Jahre alte Marke aus Blackpool nach längerer Zeit des Strauchelns 2006 endgültig ins Abseits. 2013 übernahmen britische Investoren, die mittlerweile ein neues Auto vorgestellt haben, das Ende 2018 auf den Markt kommen soll.

Eine andere englische Traditionsmarke ist MG, die im Zuge der Rover-Pleite im Jahr 2005 vom deutschen Markt abtreten musste und seither nicht wiederkehrte. Hier sind 2006 chinesische Investoren eingestiegen, die ihre Autos aus chinesischer Produktion zur Endmontage ins Traditionswerk nach England schicken, um sie dort auch als MG-Modelle zu verkaufen. Mit den traditionellen Werten der Marke haben die Neu-MGs allerdings nichts mehr gemeinsam. Ob MG als Marke nach Deutschland zurückkehrt, bleibt abzuwarten.

Fast ausgeschlossen scheint eine Rückkehr für Triumph. Nur zwei Jahre vor ihrem 100-jährigen Geburtstag, nämlich 1984, ging der bei Oldtimer-Freunden unvermindert gefragte Hersteller im Sumpf der British Leyland Motor Corporation (BLMC) einfach unter. Seit 1994 besitzt BMW die Markenrechte, ohne allerdings Ambitionen zu zeigen, mit diesen etwa ein Comeback zu planen.

Mauerfall sorgt für Schluss bei Wartburg und Trabant

Ziemlich sicher nicht mehr zurückkommen wird die vom Automobilwerk Eisenach AWE produzierte DDR-Marke Wartburg. Bereits kurz nach der deutschen Wiedervereinigung, nämlich im April 1991, wurde die traditionsreiche Produktion in Eisenach unter der Regie der Treuhandanstalt abgewickelt.

Nur wenige Wochen nach dem Ende des Wartburgs folgte der Produktionsstopp des Trabant in Zwickau. Auch hier ist mit einer Wiederbelebung kaum mehr zu rechnen, obwohl 2009 die Tabant nT GmbH einen Neuzeit-Trabi mit E-Antrieb ins Spiel brachte. Doch bislang blieb es bei einem Prototypen, da weiterhin Investoren auf sich warten lassen.

Erfolglose Chinesen

Groß ist die Ahnengalerie asiatischer Autohersteller, die gekommen waren, um mehr oder weniger schnell wieder zu verschwinden. Erschreckend erfolglos geblieben sind die ersten Versuche chinesischer Hersteller, in Deutschland Fuß zu fassen. Traurige Berühmtheit erlangte der BMW-X5-Klon Shuanghuan CEO, der zusammen mit einigen anderen Modellen vom Importeuer China Automobile ab 2007 für kurze Zeit angeboten wurde. Autobild kürte das SUV-Modell 2014 als den bislang schlechtesten Dauertester. Nach dem BMW einen Verkaufsstopp wegen Designklau gerichtlich erwirkte, meldete der Importeur 2009 Insolvenz an.

Ebenfalls eine nur kurze Stippvisite aus dem Copyshop war der Marke Landwind vergönnt, nachdem ein katastrophaler Crashtest im Jahr 2005 die Fahrzeuge nahezu unverkäuflich machte.

Eigenständige Optik, respektable Qualität – Brilliance hätte man eigentlich längeren Atem zugetraut. Doch auch hier schreckte ein dürftiges aber keineswegs katastrophales Crashtest-Ergebnis deutsche Kunden ab. 2009 war nach gut zwei Jahren das Deutschland-Abenteuer schon wieder vorbei.

In etwa zu dieser Zeit plante auch der indische Autobauer Tata, in Deutschland Fuß fassen. Doch die Händler-Resonanz war derart schlecht, dass ein echter Marktstart ausblieb. Immerhin sechs Jahre - von 1995 bis 2001 - versuchte der malaysische Konzern Proton in Deutschland seine Autos hierzulande zu verkaufen. Nur rund 2.000 seiner Mitsubishi-Lizenznachbauten konnte Proton in dieser Zeit absetzen. Zu wenig, um zu überleben, weshalb das Europa-Abenteuer wieder beendet wurde.

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