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Versteckte Rekorde in den September-Zulassungen

| Autor: Andreas Grimm

Die positive Entwicklung der Neuzulassungszahlen im September lässt sich laut einer Analyse auf ein Bündel an Faktoren zurückführen. Einzelne Fahrzeugsegmente verzeichneten trotz der Corona-Krise sogar neue Höchststände.

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Im September kamen deutlich mehr Neuwagen zur Auslieferung als im Vorjahresmonat. Der Anstieg hat mehrere Gründe.
Im September kamen deutlich mehr Neuwagen zur Auslieferung als im Vorjahresmonat. Der Anstieg hat mehrere Gründe.
(Bild: BMW)

Der in diesem Jahr erstmalige Anstieg der Pkw-Neuzulassungen im September um 8,4 Prozent hat gleich mehrere Gründe. Den wesentlichsten leistete nach Angaben der Marktforschung Dataforce der Privatmarkt. Diese Gruppe von Käufern ließ im vergangenen Monat 95.500 Fahrzeuge erstmals zu. Das waren 18,3 Prozent oder 14.800 Einheiten mehr als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Allerdings hat dieses Segment die Umstellung auf die Verbrauchsmessung nach WLTP beeinflusst. Dieser Sondereffekt hatte in den beiden Vorjahren jeweils zu vorgezogenen Neuzulassungen im Juli und August geführt, sodass die Werte im September verhältnismäßig niedrig ausfielen.

Dass die Septemberzahlen 2020 trotzdem nicht komplett aus dem Rahmen fallen, zeigt der Vergleich mit dem Vormonat: Im August waren exakt gleich viele Neuwagen von privat zugelassen worden. Der hohe prozentuale Anstieg ist also ein statistischer Effekt, gleichwohl scheint die Nachfrage stabil zu sein.

Positive Nachrichten gibt es auch vom Gewerbekundengeschäft. Auf die Flotten- und Firmenkunden entfielen im September gut 73.000 Neuzulassungen. Das waren 8,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Vor allem aber hat dieses Kundensegment damit laut Dataforce einen neuen September-Höchststand erreicht: Der alte Bestwert aus dem Jahr 2017 wurde um 2,5 Prozent übertroffen.

Angesichts der zuletzt wieder weitgehend erreichten Normalisierung des (Geschäfts-)Lebens in Deutschland, scheint auch die Nachfrage der Autovermieter wieder anzuziehen. Die Neuzulassungen dieser Branche kletterten im September um 10,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf gut 26.000 Einheiten.

Weiterhin vorsichtig agieren die Händler. Sie stellen das einzige Zulassungssegment mit spürbar rückläufigen Zahlen im September. Der Handel holte sich im vergangenen Monat trotz hoher Nachfrage an Tageszulassungen und jungen Gebrauchten 50.500 Eigenzulassungen auf die Höfe. Das waren 4,4 Prozent weniger als im September 2019. Damit kann der Handel den vorhandenen Bestand weiter abbauen und die Liquidität verbessern. Auch die Hersteller verzichteten auf eine Ausweitung der Eigenzulassungen. Sie brachten 19.800 Einheiten in den Verkehr, fast exakt so viele wie im Vergleichsmonat.

Transportermarkt schnellt in die Höhe

Ungeachtet aller Verwerfungen ist der Transportermarkt weiterhin auf dem Vormarsch. In dieser Spezialauswertung betrachtet Dateaforce die Erstzulassungen der leichten Nutzfahrzeuge und Pkw-Utilities. Im September kamen 44.000 Fahrzeuge dieser Gruppe neu auf die Straßen. Das waren 28,1 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Speziell in diesem Segment hatte die WLTP-Umstellung im vergangenen Jahr allerdings auch für die stärksten Verwerfungen gesorgt.

Trotz der niedrigen Vergleichsbasis aus dem Vorjahr bedeutet der Zulassungssprung der Transporter nichtsdestotrotz einen neuen Rekordzulassungswert gemäß der Dataforce-Aufzeichnungen seit der Jahrtausendwende. Durch den Boom der Reisemobile stiegen die privaten Neuzulassungen mit 55,3 Prozent auf 10.700 Einheiten am stärksten. Der Zuwachs von 31,6 Prozent bei den Flottenzulassungen (22.500 Einheiten) zeigt jedoch, dass der Steigerung auf einer breiten Basis steht.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«