Vertragsstreit: BMW-Händler gehen auf die Barrikaden

Autor: Jakob Schreiner

Nachdem die Händlerschaft die Unterschrift unter dem neuen Vertragswerk verweigert hatte, ignoriert der Verband jetzt eine gesetzte Frist des Herstellers zur Unterzeichnung und überreicht ihm stattdessen ein „Ablehnungsschreiben“.

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(Bild: BMW)

Der Münchner Hersteller und seine Händlerschaft liegen im Clinch und die Fronten verhärten sich. Der Händlerverband teilte am Mittwoch mit, man habe BMW ein „Ablehnungschreiben“ zu den neuen Handelsverträgen „Geschäftsmodell 2018+“ vorgelegt. Der Verband reagierte mit dem Schreiben auf eine am Montag versendete E-Mail des Herstellers. In der Mail hatte BMW seinen Händlern eine letzte Frist gesetzt, das neue Vertragswerk bis Mittwoch zu unterschreiben. Außerdem formulierte der Autobauer darin eine klare Ansage an seine Handelspartner: An den Dokumenten würden keine Anpassungen mehr vorgenommen.

Der Verband kritisiert neben den vertraglichen Regelungen, die „in der vorliegenden Form in wesentlichen Punkten die berechtigten Interessen der Handels- und Serviceorganisation missachten“, auch die Verschärfung der Tonlage seitens des Autobauers. Man erwarte, „dass der Hersteller mit uns partnerschaftlich über alle die Zukunft betreffenden Geschäftsbereiche der automobilen Welt verhandelt“, heißt es in dem Schreiben weiter.

„BMW will die alleinige Hoheit über die Kundendaten, die bisher bei uns als Vertragspartner lagen“, sagte Verbandspräsident Peter Reisacher der Deutschen Presse-Agentur. Der Hersteller bürde den Händlern immer mehr auf. „Das können wir bei einer durchschnittlichen Rendite von rund einem Prozent nicht mehr schultern.“

BMW selbst empfindet die Situation offenbar ganz anders. In einem Statement, das »kfz-betrieb« vorliegt, sieht der Hersteller mit den neuen Verträgen „die Interessen des Handels und des Herstellers gleichermaßen berücksichtigt“. Man müsse der Digitalisierung und den Herausforderungen „eines kundenzentrierten Automobilhandels über alle Kanäle“ Rechnung tragen. Ziel der neuen Verträge sei „ein nachhaltiges und wachsendes Geschäftsmodell für alle Beteiligten.“

Zudem gibt es einen Seitenhieb in Richtung der deutschen Vertragshändler, die laut BMW die Einzigen seien, die dem Regelwerk kritisch gegenüber stehen. Außerhalb Deutschlands würden die neuen Vereinbarungen „positiv gesehen“ und seien „von den dortigen Händlern bereits weitestgehend unterzeichnet“ worden.

Der Haussegen zwischen dem Premiumhersteller und seinen deutschen Vertriebspartnern hängt schon länger schief – die neuen Verträge scheinen das Fass nun zum Überlaufen gebracht zu haben. Gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ sagte Verbandspräsident Reisacher, dass eine echte Partnerschaft schon „seit zehn Jahren nicht mehr gelebt wird“. Er appellierte an BMW, dieses einst deutlich bessere Verhältnis wiederherzustellen.

Die aktuellen Verträge zwischen BMW und den Vertragshändlern sind noch bis zum 30. September gültig. Da die Zeit drängt, macht der Verband das Angebot, „bis zum Abschluss von akzeptablen Verträgen die Zusammenarbeit mit dem Hersteller auf der Basis des bestehenden Vertragswerkes fortzusetzen.“

Die deutschen BMW-Vertragshändler stehen nach Verbandsangaben aktuell für 22.000 Beschäftigte, jährlich 125.000 verkaufte Neufahrzeuge und 11 Milliarden Euro Umsatz. 90 Prozent der Vertragshändler weigerten sich, den von BMW vorgelegten Entwurf zu unterschrieben.

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Redakteur Ressort Service & Technik