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Verzicht auf Eigenzulassungen zieht Neuwagenmarkt ins Minus

| Autor: Andreas Grimm

Dass weniger Privatzulassungen den Neuwagenmarkt im Januar ins Minus gedrückt haben, ist nur die halbe Wahrheit. Auch der Handel verspürte wenig Lust auf Eigenzulassungen. Unter dem Strich präsentiert sich der Neuwagenmarkt aber robust.

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(Bild: Grimm/»kfz-betrieb«)

Der leichte Rückgang im deutschen Neuwagenmarkt um 1,4 Prozent zum Jahresstart hat mehrere Ursachen. Ausschlaggebend für den Rückgang war nicht allein das rückläufige Privatkundengeschäft. Auch die Händler hielten sich zum Jahresstart mit Eigenzulassungen auffällig zurück, wie aus einer Auswertung der Marktforschung Dataforce hervorgeht.

Auf die Händler entfielen im Januar knapp 55.000 Zulassungen. Das waren 8,7 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Angesichts der leicht rückläufigen Gesamtentwicklung spricht das für eine insgesamt solide Einschätzung der Marktnachfrage in den Autohäusern. Erleichtert wird dieser Schritt allerdings durch eine verstärkte Zulassungstätigkeit der Hersteller und Importeure, die 7 Prozent mehr Neuwagen in den Markt brachten.

Deutlich aktiver als im Vorjahr waren die Autobauer zudem im Geschäft mit Autovermietern: Die Neuzulassungen dieses Kundenkreises stiegen um 5,5 Prozent.

Für einen robusten Gesamtmarkt spricht die Entwicklung des Firmenkundengeschäfts zum Jahresauftakt. Der Absatz an Gewerbetreibende und Firmenflotten kletterte im Januar um 7,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Damit deutet sich an, dass dieser Absatzkanal weiter an Bedeutung gewinnen wird, denn laut Dataforce sind gut 69.000 Erstzulassungen der höchste jemals im Januar ermittelte Wert im Flottenmarkt. Nach dem Ende der WLTP-bedingten Lieferschwierigkeiten dürfte das Flottengeschäft in den nächsten Monaten weiter im Plus bleiben.

In die entgegengesetzte Richtung entwickelt sich dagegen das Privatkundengeschäft. Diese Kundengruppe ließ im Januar 7 Prozent weniger Neuwagen zu als vor Jahresfrist. Allerdings ergibt der Jahresvergleich ein verzerrtes Bild, da der Privatmarkt im Vorjahresmonat durch die Wechselprämien der Autobauer stark stimuliert war. In der langfristigen Rückschau ist das Januar-Ergebnis der zweitbeste Wert der vergangenen zehn Jahre.

Weniger positiv schätzt allerdings die Wirtschaftsberatung EY die Entwicklung ein: „Die Konjunktur steht auf der Kippe, die Unsicherheit ist groß. Die Rahmenbedingungen für den Neuwagenmarkt könnten besser sein“, kommentierte deren Autoexperte Peter Fuß vor wenigen Tagen die Januar-Zahlen.

Kräftiges Plus im Transportermarkt

Dass der Neuwagenmarkt zumindest kurzfristig noch Impulse aus einer starken Wirtschaft erwarten kann, zeigt der Blick auf das Transporter-Segment. Die Sonderauswertung für leichte Nutzfahrzeuge und Pkw-Utilities ergibt eine stark steigende Nachfrage für diese Fahrzeuggruppe: Im Vergleich zum Vorjahresmonat legte der Transportermarkt um 19,4 Prozent auf knapp 39.000 Einheiten zu.

Dabei waren alle Marktsegmente zweistellig im Plus. Die höchsten Zuwächse verbuchten die Autovermieter (+52,5 %) und der Fahrzeugbau (+47,6 %), die aber jeweils nur einen Bruchteil des Marktes ausmachen. Mehr als jede zweite Neuzulassung wurde im Januar 2019 dagegen von gewerblichen Kunden getätigt (+19,1 %). Und die Privatkunden gönnten sich 11,7 Prozent mehr Transporter als noch vor einem Jahr.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«