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Volkswagen-Chef Diess fordert mehr Elektro-Unterstützung – und erntet Kritik

| Autor: Christoph Seyerlein

Herbert Diess will Volkswagen komplett der Elektromobilität verschreiben. Seine Pläne sieht er von Verbänden und Politik zu wenig unterstützt. Gerade den VDA hat der Manager ungewöhnlich harsch kritisiert. Die Retourkutsche folgte allerdings auf dem Fuß.

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Volkswagen-Chef Herbert Diess versetzt die Branche mit seinen Elektro-Plänen in Aufruhr.
Volkswagen-Chef Herbert Diess versetzt die Branche mit seinen Elektro-Plänen in Aufruhr.
(Bild: Volkswagen)

Volkswagen-Chef Herbert Diess setzt voll auf die Elektromobilität – und fordert dabei mehr Unterstützung von Politik und Verbänden. Ungewöhnlich harsch kritisierte der Manager dabei am Wochenende mit dem VDA die eigene Interessensvertretung der deutschen Autoindustrie. Die „Welt am Sonntag“ schrieb, dass Diess vom VDA verlange, von seiner „Technologieoffenheit“ abzurücken und den Wandel hin zu batteriebetriebenen Autos stärker zu unterstützen.

Noch am Sonntag schrieb die Welt mit Verweis auf Informationen aus Unternehmenskreisen, dass Volkswagen sogar einen Austritt aus dem Branchenverband erwäge, da der Verband die VW-Vorhaben nicht mit der nötigen Energie verfolge. Dem widersprach Porsche-Chef Oliver Blume, der auch im Volkswagen-Konzernvorstand sitzt, am Montag ebenfalls in der Welt. „Der VDA ist eine wichtige Interessensvertretung für die ganze Branche. Ein Austritt steht für mich daher nicht zur Debatte“, wurde Blume zitiert.

Der VDA selbst hatte bereits am Wochenende Diess' Kritik zurückgewiesen. „Dass es in einem so großen Verband nicht immer ohne Reibung geht, war in der Vergangenheit so und wird auch in Zukunft sicherlich immer wieder so sein“, teilte der Verband der Welt mit. Der Fokus liege durchaus auf der Elektrifizierung der Autos. „Aber andere Antriebs- und Kraftstoffalternativen bleiben im Blickfeld.“ Alles weitere wolle man in direkten Gesprächen mit Volkswagen in den kommenden Tagen klären.

Diess beklagte, dass derzeit ein „Kulturkampf“ gegen das Auto geführt werde. Dem müsse der Verband „entschlossener entgegentreten und sich klarer positionieren“. Das richtige Mittel wäre aus Sicht des Managers ein „echter Masterplan Elektromobilität“. Diess schwebt dabei vor, dass Batterieautos geringer besteuert werden sollten, um den Absatz anzukurbeln. Vor allem günstige E-Autos als „Einstiegsmobilität“ will er vom Staat besonders subventioniert sehen.

In einem Strategiepapier mit dem Titel „Ansätze und Vorschläge zur besseren Förderung von Elektromobilität in Deutschland“ weist VW Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums zurück, den sogenannten Umweltbonus beim Kauf eines E-Autos in besonders stickoxidbelasteten Städten zu erhöhen. Die im Ministerium diskutierte Erhöhung der Kaufprämie auf 8.000 Euro bis Ende 2021 – statt bisher 4.000 Euro – werde negative Auswirkungen haben, warnte VW in dem Papier. Marktpreise würden zu stark verzerrt, und mit Ablauf der Prämie wäre ein Markteinbruch zu erwarten.

Volkswagen will vor allem kleinere E-Autos gefördert sehen

Volkswagen schlug dagegen vor, die Höhe von 4.000 Euro bis 2022 beizubehalten und zwischen 2023 und 2025 auf 2.000 Euro zu senken. Für Hybride sollten nur noch 1.500 Euro statt bisher 3.000 Euro gezahlt werden. Darüber hinaus sollten E-Autos über 2020 hinaus von der Kraftfahrzeugsteuer befreit bleiben, diese Regelung solle stufenweise auslaufen. Darüber hinaus sprach sich Volkswagen nach dpa-Informationen für einen „Mobilitätsfonds Elektromobilität“ aus. Dieser solle für Fahrzeuge unter 20.000 Euro den Ladestrom finanzieren.

Alternativ sei denkbar, vor allem kleinere Autos unter vier Metern Länge und ab einer Reichweite von 200 Kilometern zu fördern. Ab 4,65 Metern soll es demnach deutlich weniger Geld geben. Das Ziel: Auch weniger finanzkräftige Kunden sollten so die Chance erhalten, ein Elektroauto kaufen zu können.

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