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Volkswagen-Chef Diess: „Wir laufen nicht so schnell ins Trockene“

Autor: Christoph Seyerlein

Herbert Diess sieht Volkswagen in der Corona-Krise vergleichsweise robust aufgestellt. So schnell wird dem Konzern das Geld nicht ausgehen. Die Politik der Bundesregierung unterstützt der Manager, europaweit wünscht er sich aber mehr Solidarität.

Herbert Diess sieht Volkswagen in der Corona-Krise vergleichsweise robust aufgestellt.
Herbert Diess sieht Volkswagen in der Corona-Krise vergleichsweise robust aufgestellt.
(Bild: Volkswagen)

Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess will das Geschäftsjahr trotz der Corona-Krise noch nicht völlig abschreiben. Ob der Konzern seine Gewinnziele für 2020 erreiche, sei erst dann wirklich abzuschätzen, wenn die Dauer des „Shutdowns“ abzusehen sei, sagte Diess in einem am Dienstag veröffentlichen Podcast mit dem Journalisten Gabor Steingart.

„Wenn man davon ausgeht, dass man die Krise ähnlich schnell behandelt wie China, dann kann man sicherlich auch mit einem blauen Auge davonkommen“, sagte Diess. „Wenn man natürlich davon ausgeht, dass wir hier monatelang einen Shutdown haben, dann wird's schon schwierig.“

Die Vorgaben und Vorgehensweise der Bundesregierung hinsichtlich der Kontaktbeschränkungen und weiteren Einschnitten unterstützt Diess dabei nach eigenen Angaben zu „100 Prozent“. Man könne die Wirtschaft erst wieder anlaufen lassen, wenn man sich sicher sei, die Pandemie zu beherrschen, so der Konzernchef. Sollte sich die Lage dagegen wie in Italien oder Spanien entwickeln, müsse die Wirtschaft zurückstecken. Ansonsten gäbe man eine gewaltige Spannung in die Gesellschaft hinein, wenn man gleichzeitig „Menschen vor den Notaufnahmen sterben“ sehe und dort selektiert werden müsse. „Ich glaube, dass die Politik der Bundesregierung und insbesondere der Kanzlerin absolut richtig ist“, so Diess.

In China sieht sich VW nach der Lockerung von Einschränkungen für die Wirtschaft wieder auf dem aufsteigenden Ast. „China läuft wieder stark für uns“, sagte der Manager. „Wir managen dort den Hochlauf.“ Auch im restlichen Werksverbund bereite sich VW technisch auf den Wiederanlauf der Produktion vor. „In so einer Produktion treffen sich ja viele Menschen, die muss man separieren. Wir brauchen Schutzausrüstungen, wir müssen Prozesse umstellen, wir machen neue Schichtmodelle. All das muss vorbereitet werden.“

Diess rechnet mit wegbrechendem Geschäft von „fünf, sechs Wochen“

In China habe Volkswagen laut Diess aufgrund der Pandemie gut einen Monat an Geschäft verloren. Hierzulande rechnet der Konzernchef mit etwas längeren Verzögerungen, von „fünf, sechs Wochen“. Das ist schmerzhaft für die Wolfsburger, pro Woche koste die derzeitige Situation den Autobauer rund zwei Milliarden Euro, hatte Diess kürzlich erklärt.

Das Geld dürfte dem VW-Konzern zunächst dennoch nicht ausgehen. „Wir laufen nicht so schnell ins Trockene“, sagte Diess. Im Vergleich stehe VW bei der Liquidität relativ robust da. Dabei helfe einerseits das erfolgreiche Jahr 2019, andererseits aber auch das Kurzarbeitergeld, das Volkswagen für rund 80.000 Mitarbeiter beantragt hat. Weitere Staatshilfen würden in der derzeitigen Situation bei VW nicht diskutiert.

In Europa und Nordamerika haben die Autobauer und die meisten Zulieferer die Produktion für die kommenden Wochen stillgelegt. Volkswagen unterhält im Konzern auch in Norditalien und Spanien mehrere Werke, die besonders von der Krise betroffen sind. Man merke, „dass dort die Not noch viel größer ist als bei uns in Deutschland.“ Es gehe in dieser Zeit auch darum, den Zusammenhalt in der Europäischen Union zu manifestieren, so Diess. „Ich würde mir mehr europäische Solidarität wünschen.“ Europa könne nur gemeinsam wieder neu starten. In dem Zusammenhang seien auch Eurobonds ein Mittel, über das man diskutieren müsse, meinte Diess abschließend.

Mit Material von dpa

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«