CO2-Ziele gerissen Volkswagen muss sich auf Strafzahlungen einstellen

Autor / Redakteur: dpa / Christoph Seyerlein

Das könnte teuer werden: Volkswagen wird die von der EU vorgegebenen CO2-Ziele in diesem Jahr nicht einhalten können. Strafzahlungen sind wohl die Folge. Wie es der Konzern schaffen will, dass es bei einer einmaligen Bestrafung bleibt.

VW erwartet in den nächsten Jahren weniger Probleme mit den CO2-Zielen.
VW erwartet in den nächsten Jahren weniger Probleme mit den CO2-Zielen.
(Bild: Mario Hommen/SP-X)

Volkswagen wird die europäischen CO2-Ziele mit seiner Autoflotte in diesem und wohl auch im nächsten Jahr voraussichtlich nicht erreichen. Milliardenstrafen der EU könnten die Folge sein. „Wir arbeiten jetzt unter Hochdruck daran, so nah wie möglich an die Ziele heranzukommen“, sagte Konzernchef Herbert Diess der „Wirtschaftswoche“. 2021 werde es dann wegen der erhofften stärkeren Marktdurchdringung von E-Autos einfacher werden – „ab 2022 sollten wir keine Probleme mehr haben, die Flottenziele zu erreichen“.

Diess hatte bereits angedeutet, dass die Abgasvorgaben aus Brüssel vorerst knapp gerissen werden. Von den Grenzwerten sei man „ein Gramm oder so“ entfernt, sagte er Anfang November. „Wir haben noch nicht aufgegeben, aber es wird sehr eng, die Flottenziele zu erreichen.“ Zwar hat VW im jetzt auslaufenden Jahr auch neue Elektroautos wie den ID 3 gestartet, weitere Modelle sind in Vorbereitung. Bisher gelingt es mit den relativ geringen Stückzahlen aber nicht, die teils hohen CO2-Werte größerer Wagen wie SUVs oder Limousinen auszugleichen.

Schon 2020 müssen Autohersteller in der EU einen Grenzwert von 95 Gramm ausgestoßenem Kohlendioxid je gefahrenem Kilometer im Schnitt ihrer neu verkauften Fahrzeuge einhalten. In einer Einführungsphase dürfen noch die emissionsreichsten fünf Prozent herausgerechnet werden, diese Übergangsregelung entfällt 2021.

In der EU-Kommission gibt es Überlegungen, die Regeln in den kommenden Jahren weiter zu verschärfen – nicht nur für das Treibhausgas CO2, sondern auch für gesundheitsschädliche Stickoxide, um die es im Dieselskandal ging. Diess sagte der „Wirtschaftswoche“, man habe bei VW „relativ spät damit begonnen“, die eigene Flotte umzustellen. Bis 2025 steckt der Konzern nun insgesamt 35 Milliarden Euro allein in die E-Mobilität.

„Vor 2025 werden wir nicht wesentlich schneller sein können“

Der VW-Konzernchef hatte zuvor erklärt, dass er den Gesamtkurs der EU-Kommission für weitere CO2-Senkungen unterstützt. Es könnten aber erhebliche Umbaukosten entstehen. „Wenn Brüssel von uns eine noch schnellere Gangart fordert, dann muss man sagen: „Vor 2025 werden wir nicht wesentlich schneller sein können, weil es nicht genügend Batterien gibt“, meinte er nun. „Zwischen 2025 und 2030 dagegen könnten wir noch zulegen.“

VW prüft inzwischen, ob die eigene Klimastrategie bis zum Jahr 2030 entsprechend korrigiert werden muss. Noch ist nicht klar, ob es im Fall einer weiteren Verschärfung der EU-Ziele hinreichende Kapazitäten für einen schnelleren Hochlauf der E-Flotte gibt. Derzeit sind die Fahrzeuge des Konzerns für rund ein Prozent aller weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich, bis zum Jahr 2050 will die VW-Gruppe die Klimaneutralität erreichen.

300.000 E-Autos in Deutschland zusätzlich?

Das von EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen vorangetriebene Programm hätte Folgen für die bereits ehrgeizigen Ziele. So müsste bei seinem Beschluss der Anteil der verkauften batterieelektrischen Fahrzeuge bei VW bis 2030 wohl noch einmal deutlich steigen, wie aus Konzernplanungen hervorgeht. Allein für den Heimatmarkt Europa könnte dies bedeuten, dass jährlich rund 300.000 Elektroautos der Kernmarke mehr gebaut werden müssten. Woher die dafür nötigen Fertigungs- und Batteriekapazitäten kommen sollen, wird nun diskutiert.

Parallel dazu, und zur Absatzkrise infolge der Corona-Pandemie, will VW an einem Renditeziel von 6 Prozent sowie an einer deutlichen Senkung der Kosten und jährlich verbesserten Produktivität festhalten.

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