Bilanz und Ausblick Volkswagen Nutzfahrzeuge will 2021 erneut „durchtauchen“

Autor Christoph Seyerlein

Während Volkswagen Nutzfahrzeuge in Deutschland schnell wieder auf Vorkrisen-Niveau kommen will, fällt der globale Ausblick für 2021 zurückhaltend aus. Perspektivisch setzt das Unternehmen zudem auf Geschäftsfelder jenseits des klassischen Auto-Geschäfts.

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Den T7 will Volkswagen Nutzfahrzeuge bald vorstellen. Am Donnerstag gab es eine erste Skizze zu sehen.
Den T7 will Volkswagen Nutzfahrzeuge bald vorstellen. Am Donnerstag gab es eine erste Skizze zu sehen.
(Bild: Volkswagen Nutzfahrzeuge)

Die Nutzfahrzeugsparte zählte 2020 zu den am stärksten gebeutelten Bereichen innerhalb des Volkswagen-Konzerns. Der Absatz von Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) brach im Vergleich zu 2019 fast um ein Viertel auf gut 370.000 Einheiten ein. Und finanziell stand ein Verlust 454 Millionen Euro unter dem Strich.

Im laufenden Jahr rechnen die Hannoveraner nur mit moderaten Verbesserungen. Beim weltweiten Absatz peilt VWN etwa 400.000 Einheiten an. Man nehme finanziell auch weitere Verluste in Kauf, sagte Finanzvorstand Holger Kintscher. Aufgrund hoher Investitionen in Zukunftsfelder wie Elektromobilität, Mobilitätsdienste und autonomes Fahren handle es sich um ein „bewusstes Durchtauchen“. Ab 2022 rechne man dann aber mit starken Zuwächsen – sowohl der Stückzahlen, als auch der Erträge.

Schneller soll das auf dem wichtigsten Markt Deutschland gelingen. Hier hatte Deutschland-Vertriebschef Gerrit Starke im Interview mit »kfz-betrieb« angekündigt, dass er schon 2021 damit plane, Corona-Vorkrisenniveau zu erreichen. Eine zentrale Rolle sollen die Händler spielen. Vertriebsvorstand Heinz-Jürgen Löw betonte deren Leistungen am Donnerstag vor Journalisten. Man stehe weiterhin mit dem Partnerverband im engen Austausch, um die Corona-Lage und ihre Folgen für die Händler im Blick zu haben und gegebenenfalls zu reagieren.

Situation trotz „sehr guter Auftragseingänge“ nicht berauschend

Zusätzlich zum Lockdown erschwert der grassierende Halbleitermangel in der Industrie den Alltag. Zwar freue man sich trotz der pandemischen Beschränkungen über „sehr gute Auftragseingänge“, sagte Löw. Doch die fehlenden Chips führen bei der Lieferfähigkeit zu einer „nicht berauschenden Situation“.

Perspektivisch setzt VWN im Vertrieb stark auf eine Erneuerung und Erweiterung der Modellpalette. Der neue Caddy ist im vergangenen Herbst gestartet. Der VWN-Vorstandsvorsitzende Carsten Intra beklagte schmerzlich, „dass Hochlauf und Markteinführung mit einem erneuten Lockdown zusammenfallen“. Er sei sich aber sicher, dass der Caddy schnell Marktanteile gewinnen werde.

Demnächst will die Marke zudem den T7 vorstellen. Den Multivan soll es vom Start weg auch als Plug-in-Hybrid geben. 2022 folgen dann der rein elektrische ID Buzz und der Nachfolger des zuletzt ausgelaufenen Amarok.

Doch allein auf das „Car Business“ will man sich in Hannover zukünftig nicht verlassen. Volkswagen Nutzfahrzeuge kündigte am Donnerstag an, die Bereiche Mobility as a Service (MaaS), Transport as a Service (TaaS) und autonomes Fahren weiter ausbauen zu wollen. Diese werden nun in einer eigenen organisatorischen Sparte gegründet.

VWN launcht Kurierdienst-Plattform

Im MaaS-Umfeld ist VW bereits mit dem Ridepooling-Dienst Moia in Hamburg und Hannover aktiv. Als erste TaaS-Aktivität kündigte Intra den Start einer Kurierdienst-Vermittlerplattform namens Cito für den Sommer an. Jenes Start-up hat VWN selbst gegründet. Die Plattform soll Kunden und Kuriere in der Nähe miteinander verbinden. Konsumenten verspricht Volkswagen Nutzfahrzeuge eine schnelle Abwicklung und hohe Preistransparenz. Kurierdienste wiederum sollen einen direkteren Kundenzugang erhalten und so ihre Verdienstmöglichkeiten erweitern.

Beim autonomen Fahren spielt die Partnerschaft mit dem US-Unternehmen Argo AI eine entscheidende Rolle. Die Amerikaner liefern Software und Hardware für erste Feldversuche, mit denen VWN noch 2021 starten will. Demnächst sollen die Tests in München beginnen. 2025 will die Marke dann mit kommerziellen Angeboten starten. Der ID Buzz soll dann das erste vollautonome Fahrzeug des Volkswagen-Konzerns sein.

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