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Volkswagen schließt das Kapitel Rupert Stadler

| Autor: Christoph Seyerlein

Seit 1990 war Rupert Stadler für den Volkswagenkonzern tätig, die letzten elf Jahre davon als Audi-Chef. Nun haben sich beide Seiten getrennt. Der Autobauer zahlt seinem inhaftierten Ex-Manager vorerst nur eine relativ kleine Abfindung.

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Rupert Stadler ist nicht mehr länger Teil des Volkswagen- und des Audi-Vorstands.
Rupert Stadler ist nicht mehr länger Teil des Volkswagen- und des Audi-Vorstands.
(Bild: Audi)

Der inhaftierte Ex-Audi-Chef Rupert Stadler scheidet mit sofortiger Wirkung aus den Vorständen von Volkswagen und Audi aus. Wie der Wolfsburger Konzern am Dienstag mitteilte, haben die Aufsichtsräte beider Autobauer einer Trennungs-Vereinbarung mit dem Manager zugestimmt. Die vertragliche Abwicklung ist an den Verlauf und den Ausgang des Strafverfahrens gegen den 55-Jährigen geknüpft. Stadler sitzt seit dem 18. Juni im Gefängnis, ihm wird vorgeworfen, den Verkauf von Dieselautos mit illegaler Software in Europa auch nach Aufdeckung von Dieselgate in den USA weiter geduldet zu haben. Zudem bestehe Verdunkelungsgefahr, hatte die Staatsanwaltschaft München bei Stadlers Festnahme mitgeteilt.

Mit Stadlers Abschied wird der Weg für einen dauerhaften Nachfolger frei. Aktuell hat Bram Schot das Amt des Audi-Chefs noch kommissarisch inne. Als Favorit für den Posten gilt Ex-BMW-Einkaufschef Markus Duesmann. Dessen Wechsel zum Volkswagenkonzern steht bereits fest, BMW kann diesen aber noch bis 2020 blockieren.

Sollte Stadler verurteilt werden, kann Volkswagen das Kapitel wohl vergleichsweise günstig schließen. Aus informierten Kreisen heißt es, der Manager erhalte vorerst deutlich weniger als eine Million Euro Abfindung. Im Falle eines Freispruchs würde eine weitere Zahlung folgen.

Ausschließlich schlecht ist die Nachricht von der Trennung für Stadler indes nicht. Da er jetzt keine offiziellen Ämter mehr inne hat, kann er darauf hoffen, eventuell noch im Oktober unter Auflagen aus der Untersuchungshaft in Augsburg entlassen zu werden.

Rupert Stadler stand mehr als elf Jahre an der Spitze von Audi. Im Volkswagenkonzern war er seit 1990 tätig. Er stammt aus einer Bauern-Familie in Oberbayern und studierte Betriebswirtschaft. Sein Aufstieg beim Autobauer nahm Fahrt auf, als er Bürochef des damaligen Konzernlenkers Ferdinand Piëch in Wolfsburg wurde. 2003 übernahm er im Audi-Vorstand des Finanzressort, 2007 dann den Vorstandsvorsitz als Nachfolger von Martin Winterkorn. Stadler war der erste Nicht-Ingenieur, der in Ingolstadt das Sagen hatte.

Vom Kronprinzen zum Buhmann

Lange Zeit galt er zudem als Kronprinz Winterkorns und Favorit als dessen Nachfolger als Vorstandsvorsitzender von Volkswagen. Stadlers Trumpf waren dabei die jahrelang starken Zahlen, die er als Audi-Chef vorweisen konnte. Bis 2015 ging es nur bergauf, die Ingolstädter konnten mit Stadler an der Spitze Absatz, Umsatz und Betriebsgewinn verdoppeln und überholten Mercedes bei den Verkaufszahlen.

Doch mit Ausbruch der Dieselkrise begann auch Stadlers Stern zu sinken. Erst bestritt er, dass Audi Abgaswerte manipuliert habe, nur um jene Aussage wenig später einkassieren zu müssen. Schon bald wackelte Stadlers Posten gewaltig, ziemlich überraschend verlängerte der Audi-Aufsichtsrat in jener Zeit dennoch seinen Vertrag bis 2022. Mehr und mehr kippte die Stimmung in Ingolstadt, bei einer Betriebsversammlung wurde Stadler sogar ausgepfiffen.

Im Frühjahr wurde ihm dann offenbar ein abgehörtes Telefonat zum Verhängnis, in dem er Medienberichten zufolge gesagt hatte, Zeugenaussagen von Audi-Mitarbeitern bezüglich der Diesel-Affäre verhindern zu wollen. Am 18. Juni nahm die Polizei Stadler fest.

Auf den Nachfolger des 55-Jährigen wartet jede Menge Arbeit. Audi hinkt seit einiger Zeit den Konkurrenten Mercedes und BMW hinterher, auch 2018 rechnet der Hersteller mit stagnierenden Absatzzahlen. Aktuell bremsen die Ingolstädter vor allem Probleme mit der Umstellung auf den neuen Prüfzyklus WLTP. Stadler selbst hatte das Jahr 2018 bei seiner letzten Bilanzpressekonferenz als „ein Jahr des Übergangs, aber auch des Aufbruchs“ bezeichnet. Symbol jenes Aufbruchs soll das erste Elektroauto der Marke sein, noch in diesem Jahr will Audi die ersten Einheiten des E-tron ausliefern.

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Mit Material von dpa

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