Volkswagen: „Wissen nicht, wann wir im Handel wieder von Normalität sprechen können“

Autor: Christoph Seyerlein

Der VW/Audi-Partnerverband fordert vom Hersteller in der Corona-Krise ein Entgegenkommen. In Wolfsburg will man den Fokus auf die Liquidität der Händler legen. Beim Thema Bonus-Anpassungen hält sich der Konzern bedeckt.

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Im Handel hofft man in der Coronakrise auf ein Entgegenkommen der Hersteller bei den ausgegebenen Jahreszielen.
Im Handel hofft man in der Coronakrise auf ein Entgegenkommen der Hersteller bei den ausgegebenen Jahreszielen.
(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Die Corona-Krise trifft auch das Kfz-Gewerbe. Die Nachfrage bricht ein, bei vielen Händlern herrscht zudem Unklarheit darüber, was die Einschränkungen des öffentlichen Lebens für sie bedeuten und wie sie damit umgehen können. Klar ist: Auf die Branche kommen noch nicht absehbare finanzielle Belastungen zu. Der VW/Audi-Partnerverband hat deshalb bereits den Hersteller gebeten, unter anderem die Händlerziele für das laufende Jahr anzupassen.

Die Gespräche zwischen Hersteller und Handel dazu laufen aktuell. Eine erste Reaktion des Volkswagenkonzerns gab es am Dienstag aber bereits. Finanzvorstand Frank Witter teilte im Rahmen der Jahrespressekonferenz mit: „Ganz wichtig ist jetzt das Thema Liquidität. Es geht um viele Gewerbetreibende. Es ist elementar, dass die Banken in die Lage versetzt werden, schnell und unmittelbar zu helfen.“ Darauf stelle man nun auch die herstellereigenen Banken ein, bei denen viele Händler Kunden seien, so Witter.

„Wir geben aktuell das Thema Zahlungsverlängerung ins System“, teilte der Finanzvorstand zudem mit. Schließlich sei der Handel ein wesentlicher Bestandteil des Geschäftsmodells der Volkswagen-Marken.

Der Händlerverband hatte vom Hersteller zudem gefordert, die Bonustabellen so anzupassen, dass die Partner die Boni auch realistisch erzielen könnten. Dazu sagte Witter: „Auswirkungen auf die Boni stehen aktuell noch nicht weit oben auf der Agenda. Da müssen wir die Entwicklung abwarten.“ Generell sei die Lage noch schwer greifbar. „Wir wissen nicht, wann wir im Handel wieder von Normalität sprechen können.“

Volkswagen will Jahr 2020 „nicht komplett abschreiben“

Generell wisse der gesamte Konzern aktuell nicht, „was von der Prognose 2020 übrigbleibt“, erklärte der Finanzchef weiter. Der Wolfsburger Konzern wolle das Jahr „aber nicht komplett abschreiben“. Eine verlässliche Prognose sei allerdings „aktuell schlichtweg unmöglich“, so Witter. Die finanziellen Risiken seien derzeit noch nicht endgültig abschätzbar, ergänzte VW-Konzernchef Herbert Diess. In einer Prognose vor zwei Wochen hatte Volkswagen für das laufende Jahr einen Umsatzanstieg von bis zu vier Prozent angepeilt. Die operative Rendite sollte zwischen 6,5 und 7,5 Prozent liegen.

Im Handel macht sich aufgrund der Kommunikationspolitik des Herstellers bereits erster Unmut breit. Ein VW-Händler sagte im Gespräch mit »kfz-betrieb«: „Von der Marke haben wir bis jetzt überhaupt nichts gehört. Das ist ein Trauerspiel.“

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Entwicklungsredakteur