Volvo ist seit 90 Jahren Taxi-Spezialist

Wegweisende Sicherheitstechnik und Komfort

| Autor: Steffen Dominsky

Bereits seit 90 Jahren baut Volvo spezielle Taxi-Versionen seiner Modelle.
Bereits seit 90 Jahren baut Volvo spezielle Taxi-Versionen seiner Modelle. (Bild: Volvo)

Damit hatten die etablierten Taxi-Hersteller damals nicht gerechnet: Nach ersten Erfolgen mit einem optionalen Taxi-Paket für die im Jahr 1929 eingeführte luxuriöse Sechszylinderlimousine PV 651 präsentierte die junge skandinavische Marke Volvo im März 1930 ein komplettes Taxi-Modellprogramm. Die Typen-Familie Volvo TR 671, TR 672 und TR 670 war als erste schwedische Automobilreihe speziell dafür entwickelt worden, alle Anforderungen des anspruchsvollen Taxigeschäfts zu erfüllen.

So verfügten die in repräsentativem Design gestalteten Modelle über einen außergewöhnlich langen Radstand von 3,10 Metern, der bis zu sieben Passagieren großzügig Platz bot. Während der Volvo TR 671 mit Trennscheibe als Stadttaxi ausgelegt war, vermittelte der Volvo TR 672 für Überlandfahrten den gehobenen Komfort einer Lounge. Individuelle Karosserieaufbauten ermöglichte dagegen der als Fahrgestell konzipierte Volvo TR 670.

Bereits frühzeitig bestimmten Sicherheitssysteme und eine hohe Produktqualität den Automobilbau bei Volvo, und so wurden auch schon die ersten Taxis nach strengen Qualitätsvorgaben unter Einsatz besonders widerstandsfähiger Materialien für die damals bestmögliche Fahrzeugsicherheit entwickelt. Außergewöhnlich leistungsfähige hydraulische Vierrad-Bremsen gehörten ebenso dazu wie fester schwedischer Stahl für besonders wichtige Bauteile, während andere Hersteller noch weiches, preiswertes Holz bevorzugten.

Schon früh an Sicherheit gedacht

Zugunsten des Insassenschutzes bei Unfällen wurden die Gepäckstücke der Passagiere auf einem separaten Heckträger befördert. Zum Komfort trugen weit öffnende Türen ebenso bei wie die hochwertig gestalteten Sitze und der kultivierte, effiziente sowie zuverlässige 3,0-Liter-Sechszylinder-Motor mit 40 kW/55 PS Leistung bei.

Mit diesem durchdachten Konzept in unverwechselbarem skandinavischen Design setzte bereits das erste Schweden-Taxi Maßstäbe in seinem Segment, zumal Volvo das Taxiprogramm rasch ausbaute. Es folgten die Modelle TR 673 bis TR 679 mit unterschiedlichen Aufbauten, bis 3,25 Metern Radstand und stärkeren Motoren, ehe im Jahr 1935 die Nachfolgetypen TR 701 bis TR 704 die Erfolgsgeschichte fortschrieben.

Ein Wagen namens „Sau“

Wurden die Volvo-Taxis bisher durch den Buchstabencode TR (traffikvagn bzw. Verkehrswagen) noch als Nutzfahrzeug gekennzeichnet, erschien 1938 das erste achtsitzige Volvo-Taxi in stromlinien-inspiriertem Design und mit den Typenbezeichnungen PV 801/802. Das Kürzel PV stand für personvagn (Personenwagen) und davon kündete nun ein geschlossener Kofferraum sowie ein starker 3,7-Liter-Sechszylinder-Motor mit viel Laufkultur, der überdies Laufleistungen im sechsstelligen Bereich erzielte.

Über zehn Jahre blieb dieser Wagen in Produktion, dann überbrückte die Limousine PV 60 eine kurze Zeit, bis 1950 die nächsten speziell entwickelten Taximodelle der PV-800-Familie debütierten. Diese im amerikanischen Aerodesign gestalteten und mit feinsten Interieurmaterialien ausgestatteten Typen PV 831 und PV 832 prägten fortan das Nachkriegsbild des typisch schwedischen Taxis mit einem rekordverdächtigem Radstand von bis zu 3,55 Meter. Sehr rühmlich geriet allerdings nicht der Spitzname, den die Schweden dem PV 800 gaben: Sie nannten ihn umgangssprachlich „Suggan“, zu deutsch „Sau“. Das vermutlich aus zwei Gründen: wegen seines Aussehens und seiner Eigenschaft, sich überall durchzuwühlen.

Tatsächlich wurden die eleganten Modelle mit edler Metallic-Lackierung auch als Repräsentationslimousinen genutzt. Obwohl nur bis 1958 gebaut, blieben die als Kilometer-Millionäre legendär gewordenen 3,7-Liter-Sechszylinder bis in die 1980er Jahre im Einsatz.

Taxi-Concept-Car für das Museum of Modern Art

Mit dem 1966 vorgestellten Volvo 140 und den 1974 lancierten 240 eroberten die schwedischen Taxis erstmals alle Kontinente. Neben den klassischen Limousinen und Kombis führte Volvo auch Limousinen mit langem Radstand und Hochdachkombis ein; für jeden Taxikunden gab es das passende Karosseriekonzept. Immer inkludiert waren neue Standards beim Insassenschutz, wie auch die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA bestätigte, die den Volvo 240 ab 1976 als Referenzbaureihe für ihre Sicherheitsforschung nutzte. Fast über seine ganze Bauzeit bis 1993 blieb der Volvo 240 Benchmark beim Insassenschutz.

Aber auch die mit visionären Sicherheitsausstattungen sowie langlebigen und effizienten Antrieben glänzenden Modelle der 700er, 900er und 850er Serien schrieben die schwedische Taxi-Erfolgsgeschichte fort. In den Zweitausenderjahren waren es dann vor allem die großen Volvo S80, V70, XC60 und XC90, die bei Taxikunden besonders beliebt waren.

Sogar das Museum of Modern Art würdigte die Kompetenz von Volvo bei der Entwicklung von Taxis. Die New Yorker Institution schrieb 1976 einen Designwettbewerb aus, in dem ein sicheres und funktionales Taxi gesucht wurde. Volvo entwickelte daraufhin ein visionäres Taxi Concept Car, das die Entwicklung neuer Techniken für spätere Serien-Taxis inspirierte.

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