Rückblick: Öl und Kraftstoff Vom Gold, das brennt und schmiert

Von Steffen Dominsky

Die Geschichte der Schmier- und Kraftstoffe umfasst viele Marken. Viele kamen und gingen wieder. Manche aber hat bis heute überlebt.

In den Fünzigern aß auch beim Bau von Tankstellen das Auge mit. Aral gibt es seit numehr 123 Jahren.
In den Fünzigern aß auch beim Bau von Tankstellen das Auge mit. Aral gibt es seit numehr 123 Jahren.
(Bild: Aral)

Dass Reibung oftmals etwas sehr Unerwünschtes ist, das wussten schon die alten Ägypter. Bereits 2.500 v. Chr. verwendeten sie zum Transport schwerer Baumaterialen Schmierstoffe, um ungewollte Widerstände zu verringern und Arbeitsabläufe zu erleichtern. Neben Wasser setzten die Leute vom Nil auch Bitumen sowie pflanzliche und tierische Fette ein. An verwendeten Stoffen und Methoden zur Reibungsminimierung änderte sich über die Jahrtausende beziehungsweise Jahrhunderte nicht wirklich viel. Erst seit Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts, als die Dampfmaschine großflächig die Bühnen der Welt betrat, ging es mit der Entwicklung der Schmierstoffe stetig bergauf. Denn im Vergleich zu allen bisher bekannten Anwendungen erforderten die stählernen Ungetüme aufgrund hoher Drücke, großer Hitze und signifikanter Drehzahlen hochwertige Reibungsverminderer.

Richtig ins Rollen kam die Sache mit der Einführung der ersten Gasmotoren ab 1860 sowie dem ersten mit Benzin betriebenen Kraftfahrzeug, dem Benz-Patentmotorwagen von 1886, und dessen Erben. Deren Ansprüche an die Leistungsfähigkeit von Schmierstoffen waren abermals höher. Immer größer wurde infolgedessen die Bedeutung des schwarzen Golds für den aufkommenden Straßenverkehr als Schmier- und seinen Destillaten als Kraftstoff. Mineralölunternehmen in den USA, aber auch in Europa schossen wie Pilze aus dem Boden beziehungsweise wuchsen zu wirtschaftlichen Giganten heran. Musste der Automobilist das „Futter“ für sein Explosionsmobil anfangs noch in der Apotheke beschaffen, kam es mit Beginn des 20. Jahrhunderts auch hierzulande zu einem wahren Tankstellenboom. 1935 zählte man allein in Deutschland rund 55.000 Zapfstellen – zum Vergleich: Heute sind es knapp 15.000.