Vom Prozess her denken

Digitalisierung ist nur ein Werkzeug

| Autor: Frank Schlieben

Der Chef muss sich auf Widerstände einstellen

Die Digitalisierung von Prozessen beende solche internen Kommunikationsblasen und schaffe für jeden Mitarbeiter im Betrieb absolute Transparenz. Es dauere allerdings, bis diese Entlastung für die Mitarbeiter spürbar werde. Am Anfang steige der gefühlte Stresslevel erheblich, und jeder Unternehmer müsse sich auf Widerstände gefasst machen, schildert der Unternehmer seine Erfahrungen. Stress verursache vor allem die Veränderung. Das mache vielen Mitarbeitern Angst, weil sie eingefahrene Verhaltensmuster aufgeben müssen. Auch die Messbarkeit, die durch die digitale Erfassung und Steuerung von Arbeitsprozessen stattfindet, setzt die Mitarbeiter unter Druck. „Transparenz gewinnt man so auch bezüglich der Leistung jedes einzelnen Mitarbeiters.“

In seinem Betrieb hat es rund ein Jahr gedauert, bis sich alle Mitarbeiter zu 100 Prozent auf das neue System und die komplett digital vernetzten und gesteuerten Prozesse im Betrieb eingelassen hätten. „Ohne diese Art der Prozesssteuerung wären wir bei unserem heutigen Auftragsvolumen mit der bestehenden Mannschaft komplett überfordert“, ist der Unternehmer überzeugt. Vor allem, weil die Anforderungen seiner „organisierten Kunden“, wie er sie nennt, immer anspruchsvoller werden. „Nehmen Sie als Beispiel einen Automobilhersteller. Wollen meine Mitarbeiter mit ihm kommunizieren, müssen sie bis zu zehn verschiedene Kommunikationsplattformen bedienen.“

Kfz-Betriebe müssen für Unzulänglichkeiten von OEMs & Co. geradestehen

Im Prinzip müsse man als mittelständischer Handwerksbetrieb heute für die Unzulänglichkeiten von Herstellern, Versicherern und anderen organisierten Kunden geradestehen. Jeder Hersteller, jede Versicherung, jede Leasinggesellschaft definiere ihre Anforderungen an Servicepartner auf Basis der eigenen Serviceprozesse und sehe ihren Prozess als „Stein der Weisen“. Die Bereitschaft, Prozessanforderungen zu vereinheitlichen oder zu standardisieren, fehle oft völlig. Zudem trügen von außen übergestülpte Anforderungen oft nicht zum effizienten Arbeiten in der Werkstatt bei. „Und wir stehen erst am Anfang dieser Entwicklung“, fürchtet der Unternehmer.

Diese babylonische Sprachvielfalt potenziere sich mit jedem weiteren organisierten Kunden. „Die unterschiedlichen Kommunikationsanforderungen kann sich kein Mitarbeiter mehr merken. Das zu beherrschen, schaffen Sie nur mit einer großen Zahl spezialisierter Mitarbeiter. Doch die kann niemand bezahlen. Also brauchen wir dringend automatisierte Kommunikations- und Datenübermittlungsprozesse. Und genau dafür nutzen wir die Digitalisierung“, sagt er.

Fazit: Für Werkstätten ab einer Größe von zehn produktiven Mitarbeitern führt aus Sicht des Kfz-Unternehmers kein Weg an der Digitalisierung vorbei. Vorausgesetzt, sie haben ihre Prozesse im Betrieb sauber definiert. „Und Prozessentwicklung, -umsetzung, -controlling und die konsequente Durchsetzung definierter Prozesse im Tagesgeschäft sind nach meinen Erfahrungen einige der wichtigsten Führungsaufgaben.“ Bei all diesen Führungsaufgaben unterstütze die Digitalisierung den Unternehmer. „Je besser die Prozesse im Betrieb definiert und strukturiert sind, desto besser lassen sie sich steuern. Das Werkzeug, mit dem ich das heute jeden Tag tue, ist die Digitalisierung“, sagt der Unternehmer.

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