Skoda-Jubiläen Von 125 Jahren bereits 30 im Volkswagenkonzern

Autor: Steffen Dominsky

125 Jahre sind ein stolzes Alter und machen Skoda zu einem der traditionsreichsten Autobauer der Welt. Nach dem Jubiläum im Vorjahr steht in diesem Jahr ein weiterer runder Geburtstag der Tschechen an – das 30 Jahre andauernde Wachstum unter dem Dach von VW.

Firmen zum Thema

Zwischen der L&K Voiturette A als erstem Automobil und dem 2020 vorgestellten Enyaq iV liegen 115 Jahre tschechischer Automobilbau. Der Markenname Skoda für Fahrzeuge wird seit 1925 verwendet.
Zwischen der L&K Voiturette A als erstem Automobil und dem 2020 vorgestellten Enyaq iV liegen 115 Jahre tschechischer Automobilbau. Der Markenname Skoda für Fahrzeuge wird seit 1925 verwendet.
(Bild: Škoda)

Seit 125 Jahren sind Skoda und seine Vorläufer inzwischen wirtschaftlich aktiv. In dieser Zeit erlebte das Unternehmen zahlreiche Katastrophen und abrupte Wendungen der europäischen Geschichte hautnah mit. Aus dem weltpolitische Umbruchsjahr 1989 ging das Unternehmen allerdings letztlich gestärkt hervor. Denn Skoda startete mit einem wesentlichen Wettbewerbsvorteil: mit dem 1987 präsentierten Skoda Favorit.

Das in italienisch klarer Linienführung designte Schrägheckmodell besaß ein zeitgemäßes Layout mit quer eingebautem Frontmotor und Frontantrieb. Dieses moderne Fahrzeug bildete ein wesentliches Argument für Europas größten Autohersteller, den Volkswagen-Konzern, Skoda Auto zu übernehmen. Am 16. April 1991 erweiterte Skoda als vierte Marke die Volkswagen-Gruppe. Genau wie bereits 1925 ermöglichte auch diesmal das Engagement eines starken strategischen Partners die dynamische Weiterentwicklung des tschechischen Unternehmens.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 8 Bildern

Angefangen hatte alles vor 125 Jahren – kurz vor Weihnachten 1895. Damals gründeten der Mechaniker Václav Laurin und der Buchhändler Václav Klement mit „Laurin & Klement“ (L&K) ein Unternehmen, das später im Skoda-Konzern aufging und aus dem das heutige Skoda Auto entstand. Damals einte die beiden Gründer ihre Leidenschaft für den Radsport. Folgerichtig waren ihre ersten Fahrzeuge Fahrräder, und zwar solche, die aus den besten erhältlichen Materialien gebaut, aber dennoch erschwinglich waren. In ihrer kleinen Werkstatt fertigten sie mit drei Angestellten Räder mit Fuß- oder Handantrieb. Ein Jahr später produzierten bereits 21 Mitarbeiter fünf verschiedene Fahrradmodelle, die den Namen „Slavia“ trugen. Das Angebot umfasste bald auch Fahrräder für Kinder, Damenmodelle und Tandems, Zweiräder mit Ketten- oder Wellenantrieb sowie Dreiräder für den Personen- oder Gütertransport.

Laurin und Klement erkannten das große Bedürfnis nach individueller Mobilität und entwickelten ihr Modellportfolio permanent weiter: Am 18. November 1899 stellten sie der Öffentlichkeit die ersten beiden Motorräder von L&K vor, die Typen Slavia A und B. Zugunsten einer einfachen Bedienung und zugunsten hoher Stabilität war der Motor im unteren Bereich des Rahmens eingebaut. Diese Positionierung setzte sich später als weltweiter Standard durch und gilt als ein großes Verdienst des intuitiven Technikers Václav Laurin.

Der Motorsport als „Brandbeschleuniger“

Seinen rasanten Aufschwung verdankt das Unternehmen auch den Visionen und dem kaufmännischen Talent von Václav Klement. Ihm gelang es, lukrative Aufträge sowohl auf dem heimischen Markt als auch in Industrieländern wie Deutschland und Großbritannien zu gewinnen. Die herausragende Qualität der motorisierten Zweiräder aus Mladá Boleslav führten zu Erfolgen bei anspruchsvollen Rennveranstaltungen. Legendenstatus erreichte bereits das Motorsportdebüt beim Rennen Paris–Berlin 1901, als Narcis Podsedníček nach 1.196 Kilometern mit großem Vorsprung als Erster eintraf. Den Höhepunkt der Motorradära bildete der Sieg einer L&K CCR bei der inoffiziellen Motorradweltmeisterschaft in Dourdan in der Nähe von Paris am 25. Juni 1905.

Ende 1905 stellte das Unternehmen sein erstes Automobil vor: die Voiturette A. Die leichte und wendige Konstruktion aus Tschechien besaß einen Einliter-Zweizylinder und fuhr bis zu 40 km/h schnell. Nicht einmal ein Jahr nach dem Einstieg in den Automobilbau umfasste das Angebot eine breite Palette von Zwei- und Vierzylinder-Modellen. Mit dem ersten Achtzylinder-Fahrzeug aus europäischer Fertigung, dem Typ FF von 1907, stärkte L&K sein Prestige. Zudem feierte das Unternehmen sowohl geschäftliche als auch motorsportliche Erfolge. L&K stieg zum größten Automobilhersteller in Österreich-Ungarn auf und exportierte bereits vor dem Ersten Weltkrieg in mehrere Dutzend Märkte auf allen damals bewohnten Kontinenten.

Drei Jahrzehnte nach der Firmengründung fusionierte Laurin & Klement 1925 mit einem starken strategischen Partner: dem Pilsener Maschinenbaukonzern Skoda. Diese für beide Seiten vorteilhafte Fusion schuf die Grundlage für die weitere Erfolgsgeschichte. Fortan symbolisierte der geflügelte Pfeil im Markenlogo Geschwindigkeit und Fortschritt. Bald stellte Skoda Auto die Fertigung in Mladá Boleslav auf die effiziente Fließbandproduktion um. Als Meilenstein gilt der Start der neuen Fahrzeuggeneration: Durch den Erfolg der Modelle Popular, Rapid, Favorit und Superb etablierte sich Skoda ab 1936 als die heimische Nummer eins der Autohersteller. Zur selben Zeit bewiesen anspruchsvolle Fernfahrten kreuz und quer durch Europa, Asien, Amerika und Afrika die Robustheit und Zuverlässigkeit der Fahrzeuge.

Legendäre Modelle trotz Sozialismus

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen verstaatlicht. An seine stolze Tradition knüpfte Skoda jedoch auch unter den erschwerten Bedingungen der Planwirtschaft an. Werke in Kvasiny und Vrchlabí erweiterten die Fertigungskapazitäten, und das Unternehmen entwickelte selbstständig neue Modelle. Der heute legendäre erste Octavia von 1959 und das schmucke Cabriolet Felicia belegen den Ingenieursgeist dieser Ära.

Die Inbetriebnahme eines neuen Werksgeländes in Mladá Boleslav ermöglichte im März 1964 eine rasante Steigerung des jährlichen Produktionsvolumens. Im selben Jahr erschien die Heckmotorlimousine Skoda 1000 MB. Sie galt bald als eines der fortschrittlichsten Einliter-Modelle der Welt. Das Sportcoupé Skoda 110 R von 1970 war ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu mehr Selbstbewusstsein. Der davon abgeleitete Skoda 130 RS stieg ab 1975 als „Porsche des Ostens“ zu einem der erfolgreichsten Renn- und Rallyefahrzeuge seiner Kategorie auf.

Seine Gründung vor 125 Jahren feiert das Unternehmen in der Autostadt in Wolfsburg. Besucher des Skoda-Pavillons können sich in der Sonderausstellung „Vom Erbe zur Zukunft“ auf eine Zeitreise begeben. Das Museum am Hauptstandort in Tschechien präsentiert die Geschichte der Marke an einem sehr authentischen Ort – in den Fertigungshallen, in denen das Unternehmen bis 1928 Autos gebaut hat. Es bietet Führungen in vielen Sprachen sowie zusätzliche Services an.

Weitere Informationen gibt der Besichtigungsservice in Mladá Boleslav unter den Telefonrufnummern +420 326 8 31134, 31135 und 31137 beziehungsweise per E-Mail-Anfrage unter museum@skoda-auto.cz.

(ID:47060592)

Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group