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Dieser Beitrag ist im Rahmen des Themenspecials "Autohaus- und Servicemanagement" erschienen.

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Vorsicht vor Fake-Fahrzeugen!

| Autor / Redakteur: Frank Schlieben / Dr. Dominik Faust

Historische Autos erlebten in den letzten Jahren einen Boom. Egal ob Werkstatt oder Endverbraucher: Wer sich mit dem Gedanken trägt, historische Fahrzeuge zu erwerben oder zu restaurieren, sollte vor dem Kauf jemanden fragen, der sich damit auskennt. Am sichersten fährt, wer in ein Experten-Gutachten investiert.

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Der erste optische Eindruck kann täuschen. Ein Gutachten gibt Sicherheit.
Der erste optische Eindruck kann täuschen. Ein Gutachten gibt Sicherheit.
(Bild: © AA+W - Stock.adobe.com)

Dass das Geschäft mit alten Autos in Deutschland in den letzten Jahren boomt, hat nur bedingt etwas mit der Leidenschaft der Menschen für historische Fahrzeuge zu tun. Young- und Oldtimer sind seit der Finanzkrise schlicht zu Wertanlage- und Spekulationsobjekten geworden. Experten betrachten die Preisblase im Oldtimermarkt jedoch mit wachsendem Unbehagen. Dies auch, weil der überhitzte Markt zwielichtige Anbieter anzieht, die Fake-Fahrzeuge in den Umlauf bringen.

Diese werden mit Ersatzteilen aus zig verschiedenen Quellen und auf einem ursprünglich für ein anderes Modell des Herstellers gefertigten Chassis in Osteuropa zusammengebaut und in Deutschland als „exklusive Sammlerstücke“ angeboten und verkauft – gefälschte Historie inklusive. Selbst wenn der Zustand solcher Fake-Oldtimer gut ist, liegt der tatsächliche Marktwert vermutlich meilenweit unter dem gezahlten Preis. Denn den Marktwert eines historischen Autos bestimmen neben dem Zustand in erster Linie seine Herkunft, seine lückenlose Historie und seine Originalität. Und wenn davon nichts der Wahrheit entspricht, bleibt vom erhofften Marktwert nur noch ein Bruchteil übrig.

Zwei Drittel der Wertgutachten für Oldtimer sind auffällig

Schützen kann man sich als Kunde, Werkstatt oder Händler vor solchen Mogelpackungen nur, wenn man vor dem Kauf eines historischen Fahrzeugs einen spezialisierten Gutachter zurate zieht. Aber Vorsicht: Es gibt Untersuchungen, nach denen rund zwei Drittel der Wertgutachten auffällig sind. Die Hälfte davon, also ein Drittel aller eingehenden Gutachten, ist sogar grob falsch. Das Spektrum reicht dabei von Gefälligkeitsgutachten (typisch: Zustandsnote Zwei, statt korrekterweise Drei mit entsprechend höherem Wert) bis zu sichtbaren Wissensdefiziten der Sachverständigen.

Das Problem: Sachverständiger ist in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung. Theoretisch kann sich jeder mit einem Faible für alte Autos als „Oldtimersachverständiger" bezeichnen. In Fachkreisen jedoch sind die einschlägigen Gutachter bestens bekannt. Ein echter Oldtimerexperte zeichnet sich etwa dadurch aus, dass er seine eigenen Grenzen kennt.

  • Selbsteinschätzung: Der Fahrzeugeigentümer schätzt rein subjektiv den Wert seines Oldtimers. Bis zu bestimmten Wertobergrenzen (beispielsweise 20.000 Euro) akzeptieren Versicherungen diese Schätzung als Einstufung für den Versicherungstarif.
  • Kurzbewertung: Hier erfolgt eine äußere Inaugenscheinnahme des Fahrzeugs durch einen Sachverständigen. Dieser bewertet den allgemeinen Fahrzeugzustand und, soweit von außen erkennbar, die Originalität des Fahrzeugs, außerdem die Fahrzeughistorie anhand der verfügbaren Dokumente. Eine Probefahrt findet hierbei ebenso wenig statt wie der Blick unter das Fahrzeug auf einer Hebebühne oder Servicegrube. Obwohl die Kurzbewertung wie das lange Gutachten eine Zustandsnote und eine aktuelle Wertangabe enthält, ist es kein Wertgutachten und dient daher nicht als Entscheidungsrundlage für einen Fahrzeugverkauf/-kauf.
  • Langes Gutachten: Ein langes oder großes Gutachten (auch Wertgutachten) bewertet ein Fahrzeug vollumfänglich, und zwar optisch, technisch, im Hinblick auf den aktuellen Zustand, seine Originalität und die Stimmigkeit seiner Historie. Dazu untersucht und bewertet der Sachverständige sämtliche Baugruppen im Detail. Die Untersuchung auf einer Hebebühne gehört ebenso zum Umfang wie eine Probefahrt durch den Sachverständigen. Alle Bewertungsschritte sind mit Bildern zu dokumentieren. Im Gutachten sind zudem alle relevanten technischen Informationen zum jeweiligen Fahrzeug aufgeführt. Am Ende des Gutachtens bewertet der Gutachter das Fahrzeug anhand einer Zustandsnote (siehe Kasten) und gibt den aktuellen Wert unter Berücksichtigung von Zustand, Originalität und aktueller Marktlage an. Die Wertangabe im langen Gutachten hat eine deutlich höhere Verbindlichkeit, für die Gutachter im Streitfall haften.
  • Wiederaufbau-Gutachten: Übersteigen der Fahrzeugkaufpreis und die Kosten für Restaurierung oder Neuaufbau deutlich den Wiederbeschaffungswert eines Fahrzeugs, empfiehlt es sich, ein Wiederaufbau-Gutachten anfertigen zu lassen. Dieses beschreibt im Detail und mit Bildern den Zustand des Fahrzeugs zum Aufbaubeginn, die einzelnen Aufbauschritte und deren Kostenaufwand, z. B. anhand von Rechnungen, sowie den Gesamtzustand zum Abschluss des Aufbaus.
  • Aktualisierungsgutachten: Das Aktualisierungsgutachten basiert auf einem bestehenden langen Gutachten und ist dann empfehlenswert, wenn sich die Marktlage aufgrund steigender Nachfrage geändert hat oder neue Erkenntnisse und Dokumente zum Fahrzeug vorliegen

Quelle: P. Diehl/www.autosanclassic.de

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