Vorsteuerabzug: Entspannung in Sicht

Bislang lehnt die Finanzverwaltung den rückwirkenden Vorsteuerabzug aus fehlerhaften Rechnungen ab. Der Europäische Gerichtshof vertritt in aktuellen Urteilen eine andere steuerzahlerfreundliche Position.

| Autor: Martina Dapper, Steuerberaterin, Kanzlei WWS Wirtz, Walter, Schmitz, Mönchengladbach (www.wws-gruppe.de)

Der Vorsteuerabzug hat für die Unternehmen eine hohe Bedeutung.
Der Vorsteuerabzug hat für die Unternehmen eine hohe Bedeutung. (Bild: © Erwin Wodicka/wodicka@aon.at)

Viele Rechnungen bergen für den Empfänger enormen Sprengstoff. Schon bei kleinen formalen Fehlern können Betriebsprüfer den sicher geglaubten Vorsteuerabzug streichen. Zwar ist es möglich, eine Rechnung zu korrigieren. Doch bislang gewähren die Finanzämter den Vorsteuerabzug erst ab dem Zeitpunkt, zu dem eine korrigierte Rechnung vorliegt. Die Folge: Es drohen Nachzahlungen, die sich samt Zinsen schnell auf hohe Beträge summieren können. Die aktuelle Rechtsprechung eröffnet Unternehmen die Möglichkeit eines rückwirkenden Vorsteuerabzugs.

Zwei aktuelle Urteile des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) schieben der bisherigen Praxis der deutschen Finanzverwaltung bei der Rechnungskorrektur einen Riegel vor (AZ: C-516/14 und C-518/14). Die Richter geben grundsätzlich grünes Licht für einen rückwirkenden Vorsteuerabzug. Sie sind der Ansicht, dass die Rückwirkung nicht zwingend von einer formal richtigen Rechnung abhängen darf. Auch wenn einzelne Pflichtmerkmale wie eine konkrete Leistungsbeschreibung, der genaue Leistungszeitpunkt oder die Steuernummer des Rechnungsstellers fehlen, ist der Empfänger laut EuGH zum Vorsteuerabzug berechtigt. Voraussetzung ist, dass in dem Jahr, für das er den Vorsteuerabzug beantragt, die sogenannten „materiellen Anforderungen“ erfüllt sind. Das heißt: Der Rechnungsempfänger ist steuerpflichtiger Unternehmer und hat von einer steuerpflichtigen Firma eine Ware oder Dienstleistung erhalten, die er für sein Unternehmen verwendet. Dies muss er anhand anderer Dokumente belegen können. Zudem ist unabdingbar, dass eine Erstrechnung vorliegt, die der Rechnungsaussteller korrigiert.

Kommentare werden geladen....

Ihr Kommentar zum Thema

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44604389 / PLUS-Fachartikel)

Plus-Fachartikel

Die großen Autohändler: Taunus-Auto

Die großen Autohändler: Taunus-Auto

Seit der Rückkehr des Wiesbadener Traditionshändlers in die Eigenständigkeit geben die neuen Führungskräfte Gas. Sie wollen Taunus-Auto fit für die digitale Zukunft machen und in der Region weitere Marktanteile gewinnen. lesen

Die großen Autohändler: Stern Auto

Die großen Autohändler: Stern Auto

In einem guten Jahr hat die deutsche Tochter der Autohandelsgruppe LSH Group aus Hong Kong eine schlagkräftige Holding aufgebaut und 15 ehemalige Daimler-Niederlassungen integriert. Jetzt stellt Stern Auto die strategischen Weichen für die Zukunft. lesen