Vorwürfe gegen Ghosn stehen auf wackeligen Beinen

Zweifel nehmen zu

| Autor: Christoph Seyerlein

Carlos Ghosn ist nicht länger Chef von Nissan.
Carlos Ghosn ist nicht länger Chef von Nissan. (Bild: Donación de Vehículos Nissan a la Casa del Adolescente / Gobierno Aguascalientes / BY-SA 2.0)

In der Finanzaffäre um Carlos Ghosn werden Vorwürfe lauter, die japanische Justiz halte den Automanager zu Unrecht fest. Wie mehrere japanische Medien berichten, soll Ghosn dem Fiskus gar keine Gehaltszahlungen verschwiegen haben. Stattdessen handle es sich dabei um Bonuszahlungen, die er mit Nissan für die Zeit nach seinem Ausscheiden ausgehandelt habe. Jene Gelder seien dementsprechend noch gar nicht geflossen und müssten deshalb auch nicht angegeben oder gar versteuert werden, meint etwa der ehemalige Staatsanwalt Nobuo Gohara.

In Japan seien solche Vereinbarungen durchaus üblich, so der Jurist weiter. Diese würden aber nicht der Börsenaufsicht gemeldet. Gohara hält die Inhaftierung Ghosns deswegen für „vermutlich unrechtmäßig“, auf jeden Fall aber für unverhältnismäßig.

Die Staatsanwaltschaft stellt die zusätzlichen Zahlungen dagegen als Tatsache hin. In ihren Augen hat der Manager statt der angegebenen umgerechnet gut 38 Millionen Euro mehr als das Doppelte von dem Konzern erhalten. Sollten die Behörden Ghosn das nachweisen können, drohen ihm bis zu 10 Jahre Haft.

Im Raum steht zudem der Vorwurf, dass sich Ghosn auf Firmenkosten Immobilien besorgen lassen hat. Allerdings ist auch hier unklar, ob er damit gegen Gesetze verstoßen hat. Zudem soll das Management von Nissan sowohl von den Bonuszahlungen als auch der privaten Nutzung der Häuser gewusst haben.

Ghosn bestreitet Vorwürfe

Ghosn und der ebenfalls inhaftierte frühere Nissan-Manager Greg Kelly bestreiten bislang alle Vorwürfe. Jurist Gohara vermutet, dass die Staatsanwaltschaft die Männer auch deshalb in Haft behalte, da sie sich sonst blamieren könnte. Allerdings steht auch so eine Menge für die handelnden Personen auf dem Spiel, da der Gesichtsverlust im Falle eines verlorenen Prozesses noch deutlich größer wäre. Auch für Nissan und Mitsubishi ist die Sache heikel: Sollten sich die Vorwürfe tatsächlich als falsch erweisen, könnte Ghosn gegen die Autobauer klagen – auch, weil diese ihn ohne Anhörung gefeuert hatten.

In der Zwischenzeit kursieren auch mehrere Gerüchte, warum die Behörden so schnell zugriffen. Eine der am häufigsten aufgestellten Vermutungen ist dabei, dass die Japaner eine von Ghosn angestrebte Fusion von Renault und Nissan verhindern wollten. Ganz offiziell hatten Nissan und Mitsubishi zuletzt verkündet, mit der Machtverteilung in der Allianz mit den Franzosen nicht einverstanden zu sein.

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