VW-Audi-Verträge: Verhandlungsergebnis missfällt vielen Partnern

Versammlung mit etwa 1.000 Vertragspartnern

| Autor: Andreas Grimm

(Bild: VW)

Die Führung des VW- und Audi-Händlerverbands hat am Donnerstag in Hannover den Partnern beider Marken die endgültige Fassung der neuen Verträge vorgestellt. Über die Inhalte der Verträge hatten sich der Vorsitzende des VW und Audi Partnerverbands (VAPV), Dirk Weddigen von Knapp, und die Herstellervertreter bereits am 8. August und 23. August verständigt. Weddigen von Knapp hatte den VW-Vertrag damals als „richtungsweisend für die Branche bezeichnet“. Die Hersteller wiederum sehen darin festgeschrieben, dass der Handel zentraler Ansprechpartner für den Kunden bleibt.

Die Bewertungen der Verträge gehen bei den Teilnehmern weit auseinander. In Gesprächen mit »kfz-betrieb« war ebenso die Rede von einem „planlosen und wenig zukunftsfähigen Vertragskonstrukt“ wie von einem „maximal erreichbaren Verhandlungsergebnis“. Entsprechend gemischt sei die Stimmung unter den knapp 1.000 anwesenden Vertragspartnern gewesen, „nicht aggressiv, aber doch unzufrieden“.

Allerdings dürfe man nicht vergessen, dass nach Abschluss der Verhandlungen nun alle Vertragspartner mit der Realität konfrontiert werden, die aber unterschiedliche Erwartungshaltungen und Interessen haben. „Aus einer vielfältigen Gemengelage heraus gibt es naturgemäß auch Enttäuschte“, kommentierte ein Händler die deutlich spürbare Kritik am Verhandlungsergebnis und am Vertrag selbst.

Die Unzufriedenheit speist sich nicht zuletzt aus einer in vielen Punkten noch deutlichen Ungewissheit, da das Vertragswerk viele Punkten noch offen lässt, Richtlinien und Ziele noch nicht ausformuliert sind. Klar scheint dagegen, dass es für die Händler teuer wird, alle geforderten Neuerungen umzusetzen bzw. mit einem reduzierten maximalen Margen-Bonus-System zurechtzukommen: Überschlägig stehen Belastungen von 125.000 bis 200.000 Euro pro Jahr im Raum.

Für viele Betriebe wird es eine entscheidende Frage sein, wie diese Kosten kompensiert werden können. „Gar nicht“, heißt es auf der einen Seite, weil die neuen Verträge kaum noch unternehmerische Freiheiten zulassen. Andere sehen durchaus noch Möglichkeiten, eben weil noch nicht alle Punkte ausformuliert sind, der Händlerverband Mitsprache- und Beratungsrechte hat und in der Präambel des Vertrags ein partnerschaftliches Miteinander festgeschrieben ist.

Große Sorgen haben die Händler wegen des Direktvertriebs, weil nicht abschätzbar ist, welches Ausmaß dieser Vertriebskanal annimmt. Nicht leichter machen die Situation und Bewertung auch die unterschiedlichen Vertragsangebote, die den Partner vorliegen. Ein Teil läuft in zwei Jahren aus, ein Teil wird bis zum 31.3.2023 befristet und wieder andere sollen unbefristet laufen.

Die Herstellervertreter äußerten sich nicht zu den Verträgen, sie waren nur als Gäste anwesend. Unter anderem verfolgten die Vertriebschefs Martin Sander (Audi), Thomas Zahn (VW, zeitweise) und Carsten Sass (VWN) die Diskussionen. Ebenfalls anwesend war Emmerich Engels, Leiter der Volkswagen Vertriebsorganisation Deutschland.

Seat-Partner müssen erst noch verhandeln

Mit der heutigen Information geht das Ringen um neue Verträge im Volkswagenkonzern langsam zu Ende. Wie der Hersteller in einer Mitteilung vom Donnerstag bilanzierte, haben die Marken Audi, Skoda, Volkswagen Nutzfahrzeuge und Volkswagen Pkw in dieser Woche in Wolfsburg gemeinsam mit ihren Partnern von zehn europäischen Importeuren die neuen Importeursverträge unterzeichnet. In weiteren 15 Märkten mit konzerneigenen Gesellschaften wurden die Verträge ausgetauscht.

Offen ist insbesondere noch die Zukunft der Seat-Verträge. Mitte Juni hatte Seat-Vertriebschef Wayne Griffiths überhaupt erst bekannt gegeben, dass es neue Verträge geben wird. Zuvor hatte beispielsweise Seat Deutschland zugesichert, dass die Verträge nicht gekündigt werden. Nun herrscht allerdings Zeitdruck. Laut einem internen Schreiben sollen die neuen Seat-Verträge schon im Herbst vorliegen.

Dass sich die Seat-Verträge von den bekannten Vertragswerken signifikant unterscheiden werden, ist nicht zu erwarten – ist Seat im Konzern doch sowieso schon als junge, digital-affine Marke positioniert. Umso mehr dürfte also bei Seat durchschlagen, dass sich die „neuen Verträge konsequent an den Kundenerwartungen orientieren und viele wichtige Neuerungen bringen“, wie es ganz allgemein in der Volkswagen-Mitteilung heißt.

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