VW-Chef Diess bezeichnet Diesel-Nachrüstungen als „unsinnig“

Reduzierung des Angebotsportfolios angekündigt

| Autor: Christoph Seyerlein

VW-Chef Herbert Diess will die WLTP-Umstellung nutzen, um einige Modellvarianten zu streichen.
VW-Chef Herbert Diess will die WLTP-Umstellung nutzen, um einige Modellvarianten zu streichen. (Bild: Volkswagen)

In der Diskussion um mögliche Hardware-Nachrüstungen für ältere Diesel hat Volkswagen-Chef Herbert Diess klar Position bezogen. Solche Lösungen seien „unsinnig“, sagte Diess am Mittwoch im Rahmen der Volkswagen-Halbjahres-Pressekonferenz. Nachrüstungen brächten dem Kunden nur Nachteile wie einen kleineren Kofferraum oder ein fehlendes Ersatzrad, da jener Raum dann für die Katalysatoren nötig wäre. Er sei überzeugt, dass sich das Problem zu schlechter Luft und zu hoher Stickoxid-Belastung in einigen Städten in den kommenden Jahren auch so erledigen werde, so Diess.

Generell erkenne Volkswagen beim Diesel eine leichte Erholung. Der eigene Dieselanteil liege mittlerweile wieder bei 40 Prozent, sagte Diess. Und auch die Restwerte für gebrauchte Selbstzünder seien zwar gesunken, aber nicht so dramatisch wie häufig dargestellt, fügte Finanzvorstand Frank Witter an.

Die kostspieligen Probleme mit neuen Abgastests will der Volkswagenchef unterdessen auch zum Aufräumen im Konzern nutzen. Der seit etwas mehr als 100 Tagen amtierende Österreicher will sich bei seinem Anspruch, den weltgrößten Autobauer schneller und flexibler zu machen, nicht von mauen Aussichten für das zweite Halbjahr bremsen lassen.

Weil VW bei der Zertifizierung von Automodellen mit dem neuen Abgastest WLTP nicht nachkommt, droht dem Konzern bei Auslieferungen und Gewinn in den kommenden Monaten eine Durststrecke. „Wir werden über drei Monate voraussichtlich 30 bis 50 Prozent weniger Varianten anbieten können“, sagte Diess am Mittwoch in Wolfsburg bei der Präsentation der Halbjahresbilanz.

Grund ist, dass VW bei mehr als 260 Motor- und Getriebekombinationen nachmessen und neu zulassen muss. Diess will die Gelegenheit nutzen: Seit vielen Jahren gilt die Zahl der Modellvarianten im VW-Konzern als zu hoch. Das treibt die Kosten in der Entwicklung. Das Unternehmen werde das Angebotsportfolio in den kommenden Jahren auch angesichts der teuren Verzögerungen bei den Abgastests reduzieren, sagte der VW-Chef.

An der laut Diess „überhasteten“ Einführung des WLTP-Verfahrens sei Volkswagen ja ohnehin nicht ganz unschuldig, gab er mit Blick auf den Dieselskandal um manipulierte Abgastests zu. Das Problem tue trotzdem weh. „Wir haben auch gehofft, dass wir es ein bisschen besser managen, wenn wir ehrlich sind.“ In den nächsten Jahren kämen ebenfalls neue Zertifizierungsverfahren auf die Autobranche zu.

„Elektroautos sind Verlustbringer“

Auch auf die groß angekündigten Investitionen in die Elektromobilität ging das Volkswagen-Management am Mittwoch ein. Finanzvorstand Frank Witter sieht aktuell noch Schwierigkeiten mit den Stromern: „Elektroautos sind Verlustbringer“, sagte er. Volkswagen hoffe aber, dass sich das mit der Einführung des modularen Elektrifizierungs-Baukastens (MEB) ändern werde.

Dass es keine eigene Batteriezellproduktion in Deutschland gebe, bedauerte Diess. Aus seiner Sicht sei das aber eine typische Aufgabe für einen Zulieferer. Zellen von VW würde kein Wettbewerber kaufen. Dass mit CATL ein chinesisches Unternehmen in die Offensive gegangen ist und eine Batteriefabrik in Deutschland angekündigt hat, bewertete Diess positiv. Allerdings wolle sich der Konzern eher auf Feststoff-Batterien statt Lithium-Ionen-Zellen konzentrieren.

Mit Material von dpa

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