VW-Chef Diess plant direkteren Kontakt zwischen Hersteller und Kunde

Autor / Redakteur: dpa/ys / Yvonne Simon

Autohersteller werden künftig immer stärker direkt mit den Kunden in Kontakt treten, erwartet VW-Chef Herbert Diess. In einem Interview mit dem „Handelsblatt“ äußerte sich Diess ausführlich zum Thema E-Mobilität und forderte mehr Tempo bei der heimischen Batteriezellenfertigung.

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VW-Chef Herbert Diess
VW-Chef Herbert Diess
(Bild: VW)

VW-Chef Herbert Diess kündigt in einem Interview an, dass Autobauer künftig direkter mit Kunden in Kontakt treten werden. „Wir Autohersteller haben bis heute kaum direkte Kundenkontakte, die Verbindungen laufen fast ausschließlich über die Händler“, sagte Diess am Dienstag dem „Handelsblatt“. In Zukunft werde sich das ändern, zum Beispiel durch Software-Updates, die Hersteller selbst versenden werden. „Darum mussten wir auch mit unseren Händlern neue Verträge aushandeln.“

In der Elektromobilität sieht Diess ein großes Problem in der großen Marktmacht asiatischer Anbieter bei Batteriezellen für E-Autos. Die heimischen und europäischen Autobauer müssten sich hier angesichts der künftigen Bedeutung der Technologie endlich zu einer eigenen Entwicklung und Fertigung durchringen: „Ich finde es erschreckend, dass wir in diese große Abhängigkeit geraten sind.“

Bis zum Jahr 2025 könnte für die Branche ein Umsatzpotenzial von bis zu 60 Milliarden Euro entstehen. „Noch ist es nicht zu spät, der Einstieg kann noch gelingen“, betonte Diess. Bei Volkswagen setze man aber mittelfristig auf Batterien mit Feststoffzellen. Und er selbst favorisiere Investitionen von Autozulieferern, weniger von den Autobauern selbst, sagte Diess.

Diess: Einstieg auch mit Verspätung machbar

Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte eine VW-eigene Produktion von Batteriezellen zuletzt nicht ausgeschlossen. „Entgegen der Haltung des Vorstands unterstützen wir als Betriebsrat keine Strategie, die darauf ausgerichtet ist, Zellen langfristig ausschließlich bei Zulieferern zu kaufen“, sagte er der „Deutschen Presse-Agentur“ im Frühjahr. Wichtig seien aber politische Diskussionen darüber, „wie wir Rahmenbedingungen schaffen können, die eine Produktion am Standort Deutschland wirtschaftlich machen“. Im Werk Salzgitter wird eine Pilotfertigung von Zellen aufgebaut, um Erfahrungen zu sammeln.

Anfang Juli war außerdem der Vertrag für ein Großprojekt des chinesischen Herstellers CATL in Thüringen unterzeichnet worden. Dort soll eine der größten Batteriezellen-Fabriken für Elektroautos in Europa entstehen –als erster Kunde vergab der VW-Rivale BMW einen Milliarden-Auftrag. Diess sagte dem „Handelsblatt“: „Die Chinesen zeigen in Deutschland ja gerade, dass der Einstieg auch mit etwas Verspätung machbar ist.“ Volkswagen, Daimler und BMW kaufen Zellen bisher in Asien und bauen diese dann selbst zu großen Akkus zusammen.

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