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VW: Deutschland braucht zehnmal so viele Ladepunkte wie aktuell

Autor / Redakteur: dpa/cs / Christoph Seyerlein

Die Autoindustrie hat in den Augen von Volkswagen beim Modellangebot von Elektroautos ihre Hausaufgaben gemacht. Nun drohe aber eine Ladelücke, warnt der Hersteller. Aus Wolfsburg werden deshalb Rufe nach der Politik laut.

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Aktuell gibt es in Deutschland rund 30.000 öffentliche Ladepunkte.
Aktuell gibt es in Deutschland rund 30.000 öffentliche Ladepunkte.
(Bild: Volkswagen)

Volkswagen appelliert kurz vor dem nächsten „Autogipfel“ an die Politik, den Ausbau des Ladenetzes für Elektrofahrzeuge noch deutlich stärker zu fördern. Die Unterstützung des Ladens zu Hause sei mit Zuschüssen für private Wallboxen sowie einigen Erleichterungen im Miet- und Baurecht insgesamt schon auf einem guten Weg, sagte E-Mobilitäts-Vorstand Thomas Ulbrich am Donnerstag.

Bei der öffentlichen Infrastruktur gebe es jedoch großen Erweiterungsbedarf. „Mit dem, was jetzt an Fahrzeugen dazukommt, muss man sagen: Die Ladeinfrastruktur ist damit ausgereizt.“

Verhältnis öffentlicher Ladepunkten zu E-Autos aktuell bei 1:14

Zwar habe es Fortschritte gegeben, meinte Ulbrich. Bis zum Ende dieses Jahres dürften ihm zufolge über 30.000 öffentliche Ladepunkte in Deutschland verfügbar sein, immerhin 50 Prozent mehr als 2019. Aktuell liege das Verhältnis von öffentlichen Ladepunkten zu E-Autos (inklusive Plug-in-Hybride) bei 1:14.

Den Ausbau müsse man aber besser mit dem erwarteten Hochlauf der E-Mobilität zur Deckung bringen: „Da tut sich eine drohende Ladelücke auf.“ Wenn, wie von Branchenverbänden angestrebt, bis zum Jahr 2025 bis zu 4 Millionen Elektro- oder Hybridautos auf den Straßen sein sollen, brauche das Land „mindestens 300.000 öffentliche Ladepunkte“.

VW sieht genügend Modelle der Hersteller

Von Januar bis Oktober wurden bundesweit knapp 53.000 E-Autos neu zugelassen, 89 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Angebot der Hersteller wachse inzwischen ausreichend, so Ulbrich. Aber für die Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum müsse die Politik mehr tun: „An einem deutlich schnelleren Ausbau führt definitiv kein Weg vorbei, wenn es mit dem Thema Klimaschutz vorangehen soll.“ Die EU etwa solle im Rahmen ihres „Green Deals“ einen Teil der Mittel auch an konkrete Ziele des Ausbaus in den Staaten koppeln, schlug er vor.

Ähnlich wie nun VW hatte sich zuletzt bereits der Verband der Automobilindustrie geäußert (VDA). Dessen Präsidentin Hildegard Müller hatte vor allem die Kommunen kritisiert. Diese hätten beim Ausbau der Ladeinfrastruktur „erheblichen Rückstand“, so Müller.

Nächstes Spitzengespräch kommende Woche

Vor gut einem Jahr hatte die Bundesregierung einen „Masterplan Ladeinfrastruktur“ vorgelegt, dessen Ziel ein flächendeckendes und kundenfreundliches Ladenetz ist. Wallboxen an Wohngebäuden werden mit je 900 Euro bezuschusst.

Für größere Reichweiten und potenzielle E-Auto-Fahrer, die nicht zu Hause laden können, wären aber auch mehr öffentliche Lademöglichkeiten wichtig. Beim letzten „Autogipfel“ Anfang September hatte es geheißen, der Ausbau solle allgemein beschleunigt werden. Das nächste Spitzengespräch zwischen Politik, Branche und Gewerkschaften ist für Dienstag (17.11.) geplant.

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