VW Golf 8: „New Volkswagen beginnt mit dem neuen Golf“

Autor: Christoph Seyerlein

VW hat die achte Generation des Golf enthüllt. Sie soll dem zuletzt schwächelnden Bestseller ab Dezember neuen Schwung verleihen. Die selbstgesteckten Ziele des Herstellers rund um das Modell sind ehrgeizig.

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(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Kein Modell steht mehr für den jahrzehntelangen globalen Erfolg Volkswagens als der Golf. Läuft der Bestseller damit Gefahr, auch ein Symbol für die Altlasten des Herstellers zu sein, der zuletzt teilweise in Verruf geraten war? VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann ist vom Gegenteil überzeugt. „New Volkswagen beginnt mit dem neuen Golf“, sagte er am Donnerstagabend bei der Weltpremiere der achten Golf-Generation in Wolfsburg.

Konzernchef Herbert Diess pflichtete ihm bei: „Er ist das richtige Auto zur richtigen Zeit. Typisch Golf eben.“ Entsprechend hoch sind die Erwartungen, die Volkswagens Topmanagement mit dem Auto verknüpft. Europaweit erreichte der Golf zuletzt einen Marktanteil von rund 20 Prozent in der Kompaktklasse, in Deutschland erreicht die siebte Generation trotz mancher Probleme im laufenden Jahr bislang sogar knapp 27 Prozent. Den Entscheidern in Wolfsburg ist das nicht genug. „Wir wollen mit allen unseren Modellen weiter wachsen. Mit der neuen Generation haben wir ein riesen Pfund in der Hand, auch beim Golf den Marktanteil in seinem Segment weiter zu steigern.“

VW Golf 8: Der Beginn von „New Volkswagen“
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Frischen Wind kann das Modell dabei allerdings auch dringend gebrauchen. Wie die gesamte Kompaktklasse stand auch der Golf 7 zuletzt unter Druck, verlor gerade in Deutschland immer mehr an Absatzvolumen. Stackmann führt das unter anderem auf den nahenden Generationswechsel der Baureihe zurück. Aber auch den Wolfsburgern ist bewusst, dass der Golf unter dem SUV-Boom leidet, den VW selbst mit neuen Modellen wie dem T-Roc oder dem T-Cross in der jüngsten Vergangenheit mit befeuert hat.

Wohl auch deshalb richtet VW den Fokus beim Golf 8 eher auf den Marktanteil als das reine Volumen. Dass der Bestseller beispielsweise in Deutschland nochmal einen ähnlichen Peak erreicht wie 2015, als der Hersteller hierzulande über 270.000 Golf-Einheiten verkaufte, hält auch Stackmann für „eher unwahrscheinlich“. Er bescheinigt der neuen Generation aber zumindest das Potenzial, „einen gewissen Turnaround“ einzuleiten und die sinkenden Absatzzahlen zu stoppen.

Helfen sollen dabei – wie eigentlich immer bei Golf-Generationswechseln – weniger optische Neuerungen als viel mehr teils große Sprünge in der Technik. VW-Markenchef Ralf Brandstätter sagte bei der Vorstellung zwar: „Noch nie hat der Golf so sportlich und so cool ausgesehen.“ Doch auch er lenkte die Aufmerksamkeit dann schnell auf die inneren Werte des Modells. Und dabei hat sich tatsächlich einiges getan.

Beispielsweise wird der Golf 8 vollvernetzt sein. VW zufolge ist er das erste Modell in der Kompaktklasse, das zur Car-to-X-Kommunikation fähig ist. Damit soll er die „Schwarmintelligenz des Verkehrs“ nutzen und vorausschauend vor Gefahren warnen können, heißt es vom Hersteller. Das volldigitale Infotainmentsystem soll je nach Kundenwunsch bedienbar sein – sei es per Sprach- oder Touch-Befehle. Auch bei den Assistenzsystemen soll der Golf neue Maßstäbe in seiner Klasse setzen. Unter anderem ist künftig der „Travel Assist“ verfügbar, mit dessen Hilfe das Auto auf Autobahnen bis 210 km/h ohne aktives Lenken, Gasgeben und Bremsen fahren kann.

ID 3 soll den Golf nicht abhängen

Auch bei den Motoren geht VW teils neue Wege. Der Golf 8 wird das erste Modell der Wolfsburger sein, das es auch mit Mild-Hybrid zu kaufen gibt. Daneben wird es das Auto auch als Benziner, Diesel, mit Erdgasantrieb sowie als Plug-in-Hybrid geben. Die reinelektrische Variante fällt aus dem Programm, da der Hersteller in jenem Bereich gerade seine neue ID-Familie aufbaut.

Dass der Golf künftig im Schatten des ID 3, den VW bei der IAA vorgestellt hat, stehen könnte, befürchtet Vertriebsvorstand Stackmann nicht. „Beide Modelle stehen für ganz konsequente Neuigkeiten. Der Golf deckt das Gebiet, das man kennt ab – nun aber dank der Hybridisierung auch fortschrittlich gedacht. Der ID 3 geht konsequent den reinelektrischen Weg und nimmt die Kunden mit, die schon jetzt dafür bereit sind. Wer aber noch eine oder auch nur eine halbe Generation warten will, kann den Golf wählen, ohne sich abgehängt zu fühlen.“

Alle Otto- und Dieselmotoren sind Direkteinspritzer mit Turboaufladung. Ihr Leistungsspektrum reicht von 66 kW/90 PS bis zu 221 kW/300 PS. Neu im Programm sind zwei Dreizylinder-Benziner und zwei Vierzylinder-Diesel. Erstere sollen dank des „TSI-Miller-Brennverfahrens“ besonders niedrige Emissionswerte erreichen. Und auch bei den Selbstzündern will VW beim Schadstoffausstoß Vorreiter sein: Via Twindosing – einer zweifachen Adblue-Einspritzung – sollen etwa die Stickoxidemission auf ein Minimum sinken. Zudem sollen die Motoren deutlich sparsamer sein als bislang: Bei den Dieseln verspricht VW ein Verbrauchsminus von 17 Prozent.

Großes Thema rund um den Golf 8 ist die Hybridisierung – gerade in Deutschland, da Plug-in-Hybride im Flottengeschäft dank der neuen Regelung zur Dienstwagenbesteuerung zunehmend an Beliebtheit gewinnen. Beispiel Passat: Beim Mittelklasse-Modell ist der Anteil der GTE-Variante nach Angaben eines VW-Sprechers hierzulande von zuvor etwa drei Prozent auf zuletzt rund zehn Prozent gestiegen. Auch beim Golf rechnen die Wolfsburger mit einer größeren Plug-in-Hybrid-Nachfrage, wenn das Modell im kommenden Jahr verfügbar sein wird. VW stellt dabei Varianten mit 204 und 245 PS sowie einer neuen 13 kWh-Lithium-Ionen-Batterie bereit. Die reinelektrische Reichweite soll bei 60 Kilometern liegen.

VW Golf 8: Der Beginn von „New Volkswagen“
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In Sachen CO2-Bilanz soll aber auch der Mild-Hybrid helfen. Er besteht aus einem 48-Volt-Riemen-Startgenerator, einer 48-Volt-Lithium-Ionen Batterie sowie einem TSI-Motor. Rund zehn Prozent sparsamer als reine Benziner sollen die „eTSI“-Modelle unterwegs sein. Laut Markenchef Brandstätter werden jene Modelle „die CO2-Benchmark“ schlechthin sein. Kunden können zwischen einer 110, einer 130 und einer 150 PS-starken Version wählen.

Neu sind beim Golf zudem die Ausstattungslinien. Trendline, Comfortline und Highline sind Geschichte. Künftig gibt es das Fahrzeug in den Linien „Golf“, „Life“, „Style“ und „R-Line“. Schon in den niedrigeren Stufen verspricht VW deutlich mehr Extras als bisher. Unter anderem wird der Golf bereits in der Grundausstattung vollvernetzt sein. Das dürfte nicht zuletzt den Hintergrund haben, dass Volkswagen das Thema „Functions on demand“ in Zukunft stark bespielen will. Um auch nach dem Kauf noch Zusatzfunktionen freischalten zu können, müssen die Autos updatefähig sein. Im kommenden Jahr sollen dann zusätzlich zu den genannten Varianten noch die eigenständigen Golf-Modelle GTI, GTI TCR, GTD, GTE (wie erwähnt) und R folgen.

Golf 8 kommt zuerst nach Deutschland und Österreich

Die ersten beiden Märkte, die VW mit der neuen Golf-Generation versorgt, sind Deutschland und Österreich. Dort soll das Auto noch im Dezember starten, voraussichtlich in Kalenderwoche 49. Einen genauen Termin nennt der Hersteller noch nicht. Auch der Preis ist noch geheim. Auch der Golf 8 soll aber in der Grundausstattung für weniger als 20.000 Euro zu haben sein. In Wolfsburg gerät man aufgrund dieser Zahlen schon jetzt ins Schwärmen – und will etwaige Zweifel am Bestseller gar nicht erst aufkommen lassen. „Kaum ein Auto ist so zeitgemäß wie der neue Golf. Er wird von unseren Kunden mit Sicherheit sehr positiv aufgenommen werden“, sagte Ralf Brandstätter.

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 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Fachredakteur Next Mobility/Entwicklungsredakteur