VW Golf GTI TCR: Golf aus der Muckibude

Autor / Redakteur: sp-x / Christoph Seyerlein

Unterwegs in der seltensten und teuersten Variante des Kompaktwagens – mit der Frage: Wie viel Golf steckt noch in der Rennsportversion? Die Antwort erstaunt.

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Rund 350 PS hat der VW Golf GTI TCR unter der Haube.
Rund 350 PS hat der VW Golf GTI TCR unter der Haube.
(Bild: VW Motorsport)

Dieser Golf brüllt. Heiser. Ungehemmt. Laut – und schon nach einem Druck auf den roten Startknopf im Lenkrad. Eindeutig nichts für die Fahrt zum Kindergarten, Supermarkt oder Arbeitsplatz. Dahin darf die teuerste Variante des beliebtesten Kompaktwagens aber sowieso nicht. Der GTI TCR wird nämlich niemals eine Zulassung für den Straßenverkehr bekommen – auch nicht in der 2018er-Version, die auf der Rennstrecke im italienischen Vallelunga zum Test bereitsteht. Zu niedrig, zu hohe Emissionen, zu wenig Fußgängerschutz, zu viele ausladende Anbauteile, zu wenig Sicherheitssysteme – um nur ein paar unüberwindliche Hindernisse zu nennen.

Das stört den Herrn des Super-Golfs indes nicht. Eduard Weidl soll der exklusivsten Variante dieses VW schließlich nur auf einem Geläuf das Sieger-Gen einpflanzen: auf den Rennstrecken der Welt. Und da hat der Leiter des TCR-Projekts bei Volkswagen Motorsport nachhaltig Erfolg. Der amtierende Meister der TCR-International ist sein Kunde, und auch in nationalen Rennserien nach diesem Standard ist der Golf höchst erfolgreich.

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Schon in der ersten Runde auf dem Kurs nördlich von Rom zeigt der Renner, warum das so ist: Die 420 Newtonmeter aus dem Zweiliter-Turbo treten Millisekunden nach dem Lösen der polizeiknüppelgroßen silbernen Handbremse ins Kreuz und katapultieren den Fahrer Richtung erste Kurve. Gut, dass die Reifen vorgewärmt sind. Sie haben wie die Bremsen Höchstleistung zu bringen, um den weiß-roten Renner auf Kurs zu halten. Der Carbon-Heckspoiler vom Format eines quergelegten Bügelbretts hilft dabei.

Der Fahrer selbst kommt dennoch schnell ins Schwitzen - nicht nur, weil dem GTI TCR sämtliche Komfort-Gaben geraubt sind. Nur ein Gebläse pustet beim Druck auf ein blaues Knöpfchen im Lenkrad etwas Abkühlung ins Gesicht.

Hans-Joachim Stuck braucht den Knopf nicht. Die Rennsportlegende jagt den zweiten Wagen derart locker am Normalfahrer vorbei, dass die Frage aufkommt, ob er ein paar Extra-PS unter der Haube hat. Nein, verboten – alle Fahrzeuge der TCR-Serie sind per Reglement sehr weit angeglichen: Der Hubraum etwa muss zwischen 1.750 und 2.000 Kubik betragen. Ein Turbolader macht zusätzlich Druck. Zudem müssen alle TCR-Racer auf Serienmodellen aufbauen, die weltweit mindestens 5.000 Mal innerhalb von zwölf Monaten verkauft wurden – Carbon-Karossen, die nur das Design der Serie imitieren, sie sind also verboten.

65 Prozent stammen aus dem GTI

„Unsere Karossen kommen aus der ganz normalen Produktion – 65 Prozent aller Teile sind wie in jedem Golf-GTI“, sagt Projektchef Weidl. Selbst der Motor ist nicht verändert. Die 350 PS (der stärkste Straßen-Golf hat 310 PS) kommen im Wesentlichen nur durch andere Luftfilter und Motorsteuerungen zustande.

Auch teure Leichtbau-Orgien würden nichts bringen: Alle TCR-Rennwagen werden vor Saisonbeginn von neutraler Stelle geprüft – Unterschiede bei Motorleistung, Schalt- oder Aerodynamik-Performance werden durch Zusatzgewichte oder Eingriffe in die Motorsteuerung ausgeglichen. 1.285 Kilogramm Mindestgewicht für TCR-Fahrzeuge inklusive Fahrer sind obligatorisch, maximal 1,95 Meter breit dürfen die Autos sein. Bei gleichem Radstand hat die TCR-Variante aber 40 Zentimeter mehr Spurweite als der Serien-GTI.

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