VW-Händler in der Schweiz geraten unter Druck

Autor: Andreas Grimm

Neue Verträge und Netzanpassungen müssen derzeit die Partner der Volkswagen-Konzernmarken auch in der Schweiz über sich ergehen lassen. Eine Besonderheit des eidgenössischen Importeurs verschärft die Lage zusätzlich.

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(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Auch in der Schweiz kommen, wie im restlichen Europa, auf die Partner der Volkswagen-Konzernmarken neue Verträge zu. Die eidgenössischen Betriebe verhandeln zwar nicht direkt mit Volkswagen oder einer Import-Tochtergesellschaft der Wolfsburger, sondern mit der Amag Import AG, die sich in privater Hand befindet. Doch die Heraus- und Anforderungen der Autohäuser in der Fläche gestalten sich ähnlich wie in Deutschland.

Die Amag Import AG hatte die Service- und Vertriebsverträge im März mit Wirkung zum 31. März 2020 gekündigt. Nun wird neu verhandelt, doch gerade kleinere Betriebe sehen angesichts steigender Anforderungen für sich keine Zukunft mehr in neuen Verträgen, wie ein Bericht der „Luzerner Zeitung“ verdeutlicht.

Die offizielle Begründung der Amag zur Netzkündigung in der Schweiz und zur Notwendigkeit neuer Verträge liest sich dabei, als sei sie in der Pressestelle des Volkswagenkonzerns entstanden: „Die Digitalisierung verlangt die Einführung neuer Prozesse im ganzen Vertrieb. Mit den jetzigen Verträgen können die Anforderungen nicht erreicht werden“, zitiert das Blatt aus einem Amag-Schreiben. Die alten Verträge stammen aus dem Jahr 2005.

Angesichts der europaweiten Änderung der Verträge ist das Vorgehen der Amag nicht weiter verwunderlich. Allerdings hat die Kündigung in der Schweiz ein besonderes Geschmäckle. Denn die Aktiengesellschaft in Familienbesitz ist nicht nur Generalimporteur für VW, VW Nutzfahrzeuge, Audi, Skoda und Seat, sondern betreibt auch selbst zahlreiche Verkaufs- und Servicestandorte. Durch diese doppelte Position führt die Neuaufstellung des Vertriebs wohl fast zwangsläufig zu einem „Verdrängungswettbewerb“, wie Daniel Portmann vom Auto Gewerbe Verband Schweiz, die Veränderungen auf Nachfrage der Zeitung beschreibt.

Welle an Betriebsschließungen

Die mit den Veränderungen einhergehenden Entwicklungen für die Kfz-Betriebe, die in der Schweiz Garagen heißen, sind hierzulande nur gut bekannt. Mit dem Auslaufen der Verträge wären zunächst einmal die digitalen Systemanbindungen und Verknüpfungen gekappt. „Dann sind viele Reparaturen nicht mehr möglich“, zitiert das Blatt den Kfz-Unternehmer Stefan Lustenberger aus Beromünster. Als Konsequenz schließt er seinen Betrieb schon jetzt. Auch andere Händler erwarten eine Ausdünnung der Netze.

Betriebe, die weitermachen wollen, befinden sich derzeit in einer Phase der Unsicherheit. Zwar gibt es Absichtserklärungen, ob und dass es mit ihnen weitergehen soll. Doch was definitiv in den Verträgen steht, ist noch unklar. Oder, um nochmals aus der Amag-Stellungnahme für die „Luzerner Zeitung“ zu zitieren: „Ob und wie insbesondere kleinere Partner diese Auflagen wirtschaftlich erfüllen können respektive wollen, kann noch nicht abschließend beurteilt werden.“

Die Amag wurde 1945 gegründet und entwickelte sich zum größten Autoimporteur der Schweiz. Vor allem mit dem Volkswagenkonzern ist die Amag Import AG eng verbunden. VW ist seit 1948 im Portfolio, Porsche seit 1951, Audi seit 1967, SEAT seit 1984, Skoda seit 1992 und Bentley seit 2013. Daneben importierte das Unternehmen verschiedene US-Marken. Derzeit führt die Amag rund 30 Prozent aller Fahrzeuge ein, die in der Schweiz verkauft werden.

Die Muttergesellschaft Amag Group AG ist zudem im Leasinggeschäft aktiv. Dazu kommen der Gebrauchtwagenhandel (Amag Occasions-Center), Autovermietungen, die Carsharing-Plattform Sharoo und Parkhäuser. Das Unternehmen hat 5.700 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von 4,6 Milliarden Franken (4 Mrd. Euro).

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 Andreas Grimm

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Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«