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VW-Händlerverband USA: „80 Prozent der Kunden sind loyal“

Autor / Redakteur: Jens Meiners / Stefan Grundhoff / Jens Rehberg

Nach dem ersten Schock arbeiten Händler und Importeur in den USA gut zusammen. Die Partner bekommen Soforthilfe, die nicht zweckgebunden ist.

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(Josh Wong / Guest of a Guest)

Die ersten Leidtragenden im aktuellen Abgas-Skandal bei Volkswagen waren die VW-Händler in den USA. Sie müssen sich bereits seit dem 21. September dem Ärger ihrer Kunden stellen. An diesem vorletzten Montag im September verhängte der Hersteller in den USA ein Verkaufsverbot für Modelle mit TDI-Motoren, deren Abgasnachbehandlung offenbar prüfstandsoptimiert ausgelegt ist. Der Kurs der VW-Aktie begann einzubrechen. Und eine Lawine der Empörung rollte weltweit in der Presse- und Politiklandschaft an.

„Dies ist der größte Betrug, den ich jemals erlebt habe“, sagt auch VW-Händler Steve Kalafer aus Flemington im US-Staat New Jersey. Seit 23 Jahren verkauft er Volkswagen. Für Millionen Dollar habe er TDI-Modelle gekauft – in gutem Glauben, sie erfüllten die Emissionsstandards, räsoniert Kalafer: „Das ist unsere Titanic“. Und er sagt, dass er für sein VW-Geschäft rote Zahlen erwartet.

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Einen allgemeinen Trend will Alan Brown, Vorsitzender der amerikanischen VW-Händlervereinigung, indessen nicht konstatieren: „Natürlich waren die Händler erst einmal überrascht und schockiert, doch in der Zwischenzeit hat sich der Großteil um die Führung von VW geschart, um die Probleme gemeinsam durchzustehen.“

Tatsächlich ist die Zusammenarbeit zwischen VW-USA-Chef Michael Horn und der Händlerschaft außergewöhnlich eng. Als das Gerücht aufkam, der Konzern wolle Horn seines Amtes entheben, meldeten sich die Händler mit einer Vertrauenserklärung für den Manager zu Wort. Wolfsburg lenkte ein – Horn durfte bleiben.

Eine von Horn entschiedene, spontane Hilfsaktion hat die Bande zwischen Händlern und Importeur zusätzlich gestärkt: Die VW-Zentrale hat den Händlern als Soforthilfe Mittel zur freien Verfügung zukommen lassen, um die Situation abzufedern; es handelt sich dabei je nach Größe des Betriebs um erhebliche Beträge, die nach Recherchen von »kfz-betrieb« von 25.000 bis über 100.000 Dollar reichen. Ein Händler, der ungenannt bleiben will, sagt: „Damit ist uns erst einmal geholfen, doch ob der Schaden damit langfristig abgedeckt werden kann, müssen wir abwarten.“

In diesem Brief bittet VW-USA-Chef Michael Horn seine amerikanischen Kunden um Entschuldigung – zum Vergrößern bitte klicken.
In diesem Brief bittet VW-USA-Chef Michael Horn seine amerikanischen Kunden um Entschuldigung – zum Vergrößern bitte klicken.
(Foto: Meiners)

Vielleicht wird in dem Sturm, der den Konzern umtost, sogar der Kunde zum engsten Verbündeten der Marke. „15 bis 20 Prozent der Kunden sind verärgert, aber 80 Prozent erweisen sich als loyal“, sagt VW-Händlerverbandschef Brown.

Und tatsächlich, wer zum Beispiel bei einem VW-Händler im Großraum San Francisco nach den Dieselmodellen fragt, bekommt es mit überraschend entspannten Angestellten zu tun. „Wir verkaufen hier in erster Linie Golf E, Golf GTI und den Tiguan“, sagt Verkäufer Tom Petersen (Name von der Redaktion geändert). „Die Diesel sind bei uns sowieso nicht besonders begehrt. Wir haben bei den Dieselmodellen aktuell einen Verkaufsstopp und sie stehen hinten auf dem Hof.“

Fragt man den amerikanischen VW-Verkäufer nach der aktuellen Kundennachfrage, blickt man auch hier keinesfalls in traurige Gesichter. „Die Verkäufe laufen gut“, so Petersen, mit hellem Oberhemd und weit geschnittener Bundfaltenhose bekleidet, „wir machen hier pro Monat rund 200 Fahrzeuge und gehören damit zu den besten im Land. An einem normalen Tag können es acht, zehn oder mehr Autos sein, die wir verkaufen.“

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